Union-Trainer Urs Fischer setzt sich eine Maske auf (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 23.10.2020 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Bernd König

Union empfängt Freiburg - Mit Maske und ohne Gesang zum nächsten Entwicklungsschritt

Wenn der 1. FC Union Berlin am Samstag auf den SC Freiburg trifft, dürfen - Corona-Hotspot zum Trotz - 4.500 Fans ins Stadion. Was für Regeln für sie gelten und warum sich die Köpenicker gute Siegchancen ausrechnen dürfen. Von Johannes Mohren

Das Personal

Verletzungen haben - natürlich - nie etwas Gutes. Und doch ersparte eine von ihnen Union-Trainer Urs Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Freiburg (Samstag, 15:30 Uhr) jede Menge ungeliebte Fragen. Torhüter Loris Karius muss seit der Einheit am Mittwoch angeschlagen passen. Was der aus Liverpool geliehene Keeper hat? Noch unklar. "Das ist im Training entstanden. Da geht es um Fehltritte", sagte Fischer den versammelten Journalisten und fügte an: "Ich möchte da erst abwarten, was die Befunde sind."

Fakt ist: Ein Einsatz am Wochenende ist unwahrscheinlich. Der - medial befeuerte - Kampf um die Nummer eins mit dem derzeitigen Stamm-Torhüter Andreas Luthe pausiert damit zumindest. Das erwartbare Nachbohren, wer am Samstag zwischen den Pfosten steht, war damit frühzeitig obsolet. Karius könnte derweil nicht der einzige Keeper sein, der passen muss. Die etatmäßige Nummer drei steht auch auf der Liste der möglichen Ausfälle, ebenso wie Mittelfeldspieler Grischa Prömel. Sicher fehlen werden Nico Schlotterbeck und Anthony Ujah.

Es fehlen: Nico Schlotterbeck, Anthony Ujah sowie Loris Karius, Jakob Busk und Grischa Prömel (alle drei fraglich)

Die Form

Es läuft beim 1. FC Union. Nach der Auftaktpleite gegen Augsburg holte das Team fünf Punkte aus drei Spielen. Zuletzt gab es nach dem 1:1 auf Schalke sogar enttäuschte Gesichter, weil sogar mehr möglich schien. Die Köpenicker - so scheint es - durchleben in ihrer zweiten Bundesliga-Saison eine schnelle Entwicklung: Raus aus der Außenseiter-Rolle im Eiltempo. Auch Urs Fischer sieht das. "Ich glaube schon, dass wir auf dem Weg sind, Schritte - ja, kleine Schritte - zu machen", sagte er - um noch im gleichen Atemzug wieder zu bremsen: "Sich schon nach nur vier Spieltagen zu äußern, dass eine Entwicklung da ist, ist für mich verfrüht."

Underdog sei man in der Liga weiterhin. "Es ist unsere zweite Saison. Wenn wir dann mal zehn auf dem Buckel haben, sieht es vielleicht ein bisschen anders aus." So wie - mit einem Jahr Unterbrechung - der SC Freiburg. Und doch ist es auch jetzt schon ein Duell auf Augenhöhe, in dem die Köpenicker durchaus (dreifach) punkten wollen und können. "Uns erwartet eine schwierige, aber doch auch eine lösbare Aufgabe", sagte Fischer. Fakt ist: Holt Union die Punkte sechs, sieben und acht, würde aus dem guten ein sehr guter Start werden.

Der Gegner

Fünf Zähler hat Freiburg auf der Haben-Seite - und damit exakt gleich viele wie der 1. FC Union. Der Trend des Teams von Christian Streich ist allerdings weitaus weniger positiv. Gleich zum Auftakt gab es einen Sieg gegen den starken Aufsteiger VfB Stuttgart, doch seitdem wartet der SC auf einen weiteren Sieg. Gegen Wolfsburg und Bremen holten die Breisgauer zuhause jeweils einen Punkt, auswärts kamen sie beim 0:4 bei Borussia Dortmund ziemlich übel unter die Räder.

Und Streich hat durchaus Respekt vor der Auswärtstour ins Stadion an der Alten Försterei. "Berlin hat sich spielerisch noch einmal verbessert - nicht zuletzt auch durch den Neuzugang Max Kruse. Aber auch durch die Entwicklung einiger Spieler", sagte er. Sein Team müsse sich auf den "sehr, sehr aggressiven, harten Fußball" einstellen, den Union spiele. Die Körperlichkeit annehmen, lautet daher eine seiner Maximen. Ob dabei einer helfen kann, den sie in Köpenick bestens kennen, ist ungewiss: Keven Schlotterbeck - letzte Saison noch im Osten der deutschen Hauptstadt unter Vertrag - durfte in den bisherigen vier Spielen nur 35 Minuten für Freiburg ran. Das Bruderduell mit Jetzt-Unioner Nico entfällt wegen dessen Verletzung ohnehin.

Unioner im Fokus

Joel Pohjanpalo strahlt viel in diesen Tagen. Die Zeit in Köpenick hätte für den Leihspieler aus Leverkusen kaum besser beginnen können. Bei seinem Debüt für Union Anfang des Monats gegen Mainz erzielte er mit seinem ersten Ballkontakt sein erstes Tor - gespielt hatte er zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 35 Sekunden. Zwei Wochen später stand der 26-jährige Stürmer gegen Schalke 04 gleich in der Startelf. Und zwischendurch war er auch noch mit der finnischen Nationalmannschaft unterwegs. "Der Anfang sieht ganz gut aus. Jetzt will ich natürlich hier mehr Tore schießen und gesund bleiben. Ich habe fünf Spiele in 16 Tagen bekommen - und alle gespielt. Der Körper fühlt sich ganz gut an", sagte Pohjanpalo im rbb|24-Interview.

Das war nicht immer so. Im Sommer 2018 stoppte ihn eine langwierige Verletzung. Es folgten zwei Jahre Leidenszeit. Um Spielpraxis zu sammeln, verlieh ihn Leverkusen zum Hamburger SV in die zweite Liga. Die Norddeutschen verpassten den Aufstieg, aber Pohjanpalo überzeugte mit neun Toren in 14 Spielen. In Köpenick hat er nun nach der ereignisreichen Startphase beim neuen Klub die erste komplette Trainingswoche hinter sich - und bereits Eindruck hinterlassen: "Im Strafraum ist er sehr gefährlich. Wahrscheinlich ist das seine größte Qualität, dass er Situationen antizipieren kann. Er hat die Nase dazu und steht meistens richtig", sagte Urs Fischer.

Gut möglich also, dass er - der großen Offensiv-Konkurrenz zum Trotz - wieder von Beginn an ran darf. Dann hätte er auch die Chance, eine unliebsame Statistik hinter sich zu lassen. Alle seine acht Bundesliga-Tore hat der Finne bislang nach Einwechslungen erzielt. Immer wieder wird er darauf angesprochen. Ist der der bessere Einwechsel- als Startelf-Spieler - der klassische Joker? Eine Frage, die er gegen Freiburg ein für alle Mal aus der Welt schaffen könnte.

Besonderheiten

Die Infektionszahlen steigen - und dennoch darf der 1. FC Union im Corona-Hotspot Berlin weiterhin vor 4.500 Zuschauern spielen. Das zuständige Bezirksamt in Treptow-Köpenick hob - auf Grundlage des angepassten Hygienekonzept des Klubs - den Daumen. "Das vorliegende überarbeitete Hygienekonzept vom 1. FC Union entspricht den Maßgaben der aktuellen Infektionsschutzverordnung", hieß es in einer Mitteilung. "Bisher gibt es keinen Nachweis für ein Ausbruchsgeschehen im Zusammenhang mit einer geregelten Veranstaltung mit eingegrenzter Personenzahl (...) und unter Einhaltung der bekannten Hygienerichtlinien."

Verändert haben sich in dem Konzept maßgeblich zwei Punkte. "Wir haben die dringende Empfehlung des Berliner Senats mit aufgenommen", sagte Unions Geschäftsführer Kommunikation Christian Arbeit, "möglichst häufig Maske zu tragen - immer dann, wenn man zumindest Gefahr läuft, dass man Abstände unterschreiten könnte." Zudem sind Fangesänge und Sprechchöre auf den Tribünen untersagt. Man werde die Fans im Stadion an der Alten Försterei darauf hinweisen, kündigte Arbeit an. Im Testspiel gegen Hannover vor zwei Wochen hatte der Klub genau das noch unterlassen - und damit viel Unmut auf sich gezogen.

Sendung: rbb UM6, 22.10.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

6 Kommentare

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  1. 6.

    Zitat: Zuletzt durfte Hertha in einem der größten deutschen Stadien gegen Stuttgart lediglich 4.000 Zuschauer reinlassen. Die zuständigen Gesundheitsämter legen das fest."

    Nein Rudi, der Senat hat festgelegt, dass in Berlin bei Veranstaltungen im Freien bis zu 5000 Zuschauer zugelassen sind. In Sachsen und Bremen bspw. gilt (oder galt muss man aktuell sagen) die von der DFL zugelassene 20% Regel für Fussballspiele.

  2. 5.

    Wenn es mal so einfach wäre. Denn selbst in Berlin sind die Unterschiede riesig. Zuletzt durfte Hertha in einem der größten deutschen Stadien gegen Stuttgart lediglich 4.000 Zuschauer reinlassen. Die zuständigen Gesundheitsämter legen das fest. Und von denen haben wir in Berlin ja eine ganze Menge.

  3. 3.

    Wie will man zudem einem neutralen Beobachter erklären, warum in die relativ kleine Alte Försterei 4.500 Zuschauer dürfen, RB Leipzig im deutlich größeren Stadion aber vor nur 999 Zuschauern spielen muss?

  4. 2.

    Vollkommen richtig.

  5. 1.

    Die Aussage von Herrn Arbeit ist ja ganz gut aber ich frage mich wer dieses im Stadion kontrollieren will unter den Unvernünftigen Fußballfans. Da sehe ich große Schwierigkeiten meiner Meinung nach sollten gar keine Fans zur Zeit in die Stadions kommen egal bei welcher Sportart so lange die Corona Zahlen so hoch sind.

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