Unions Rechtsaußen Sheraldo Becker - Plötzlich Stammspieler

Sheraldo Becker in einem Spiel von Union Berlin. Quelle: imago images/Bernd König
Audio: Inforadio | 30.10.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Bernd König

Im Sommer 2019 wechselte Sheraldo Becker zu Union Berlin. In Köpenick ruhten große Hoffnungen auf dem Rechtsaußen, doch die konnte der Niederländer in seiner ersten Saison nicht erfüllen. Ein Jahr später scheint er jetzt richtig durchzustarten.

Das gelbe Leibchen hat Sheraldo Becker nur um den Hals geworfen. Als der schnelle Niederländer am Mittwoch im Training zum Sprint ansetzt, schwebt es wie ein Superman-Cape über seinem Rücken. Zugegeben: Über übersinnliche Kräfte verfügt der 25-Jährige nicht. Aber erstmals seit seinem Wechsel zu Union im Sommer 2019 konnte er seine Stärken zuletzt so richtig präsentieren.

Wechsel mit großen Erwartungen

Beim 1:1 gegen den SC Freiburg am letzten Samstag gehörte Becker zu den auffälligsten Spielern, legte mehrmals gut für Stürmer Joel Pohjanpalo auf und hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit selbst eine vielversprechende Gelegenheit. "Am letzten Wochenende hatte ich ein bisschen Pech. Ich hoffe, es klappt bald", sagt der Niederländer und lacht.

Die Stimmung ist entspannt bei Sheraldo Becker. Doch das war nicht immer so. Im Sommer 2019 kam der Rechtsaußen vom niederländischen Erstligisten ADO Den Haag nach Köpenick. Ein Transfer mit großen Erwartungen - doch die blieben zunächst unerfüllt. "Das letzte Jahr war eines mit vielen Höhen und Tiefen, mit vielen Verletzungen", blickt der Mann aus Amsterdam zurück.

"Ich kam aus den Niederlanden und habe fünf Jahre lang immer gespielt. Dann kommst du hierher und sitzt auf der Bank. Das war hart für mich." Verschiedene Verletzungen warfen den 25-Jährigen über die Saison verteilt immer wieder zurück.

Offensiveres Spielsystem kommt ihm entgegen

Auch mit dem Spielsystem musste Becker erst warm werden. "Der Schritt aus den Niederlanden in die Bundesliga ist groß. Hier musst du auch sehr viel defensiv arbeiten. Es war nicht einfach am Anfang", sagt er rückblickend. Umso mehr kommt ihm entgegen, dass Union sein Spiel in der neuen Saison etwas verändert hat, jetzt etwas offensiver spielt und statt auf lange Bälle mehr auf Pässe setzt. "Wir haben viel verändert und spielen offensiver. Ich mag das. Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich mehr spiele. Wir wollen hoch pressen und dann auch schnell umschalten. Ich hoffe, dass ich dem Team da mit meiner Geschwindigkeit helfen kann."

Auf dem Platz hat er das Spiel zuletzt belebt und ist angekommen - und auch privat fühlt er sich mittlerweile wohl in Berlin. Das liegt auch an seinem Cousin. Mit Javairo Dilrosun, der bei Hertha BSC spielt, trifft er sich gern in seiner Freizeit. Nur eines vermisst er aus seiner Heimat: das Essen. "Jetzt muss meine Freundin öfter kochen", erzählt er und lacht.

Und auch die Union-Fans vermissen noch etwas von ihm: ein Tor. "Ja, ich auch", schießt es gleich aus ihm heraus. Auch dafür braucht es keine übersinnlichen Kräfte, aber die aktuelle Form könnte helfen.

Sendung: rbb UM6, 31.10.2020, 18:00 Uhr

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