Urs Fischer und Christian Gentner klatschen sich ab (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 02.11.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Bernd König

Union vor dem Spiel in Sinsheim - Mit Mut zu einer Premiere gegen Hoffenheim

Union Berlin hat nach vier Spielen ohne Niederlage allen Grund, selbstbewusst ins Spiel gegen die TSG Hoffenheim am Montagabend zu gehen. Vor der Partie in Sinsheim gibt es auf beiden Seiten personell aber noch einige Fragezeichen. Von Simon Wenzel

Personal

Vor dem Gastspiel in Sinsheim bei der TSG Hoffenheim (Montag, 20.30 Uhr) muss Union Berlin um zwei potentielle Stammspieler bangen: Kapitän Christopher Trimmel und Stürmer Marcus Ingvartsen konnten in dieser Woche nicht alle Einheiten absolvieren, trainierten teilweise nur individuell. Fischer wollte sich vor dem Abschlusstraining nicht festlegen, ob die beiden in Hoffenheim zum Kader gehören. Besonders ein Ausfall von Trimmel würde Union hart treffen, für ihn stünde Julian Ryerson als Ersatz bereit. In der Offensive hat Urs Fischer ohnehin mehr Kandidaten als Plätze, sodass ein Ausfall von Ingvartsen zu verschmerzen wäre.

Ein Kaderplatz in Hoffenheim dürfte auch für Ersatztorwart Loris Karius und Innenverteidiger Nico Schlotterbeck noch zu früh kommen. Beide sind nach ihren Verletzungen allerdings auf einem guten Weg und konnten Ende der Woche erstmals Teile des Mannschafts- bzw. Torwarttrainings mitmachen.

Es fehlen: Grischa Prömel (Muskelverletzung), Anthony Ujah (Aufbautraining nach Knie-OP)

Die Form

Die Köpenicker zeigten sich in Freiburg so spielfreudig wie vielleicht noch nie in dieser Saison. 22 Torschüsse waren ein neuer Rekord für Union, insgesamt hat die Mannschaft schon 76 Mal in dieser Saison auf das gegnerische Tor geschossen, das war vor diesem Spieltag der dritthöchste Wert der Liga (hinter Bayern und Leipzig). Die Offensive hat ohne Zweifel eine neue Qualität und die Defensive scheint ähnlich stabil wie in der letzten Saison. Vier Spiele ohne Niederlage in Serie gelangen den Eisernen zum ersten Mal in ihrer noch jungen Bundesligageschichte.

Mit der Punkteausbeute ist man dennoch nicht ganz zufrieden - bei den Unentschieden auf Schalke und gegen Freiburg wäre für Union gefühlt mehr drin gewesen. "Ich glaube wir haben den ein oder anderen Punkt liegen gelassen, also so gut läuft es jetzt noch nicht", sagte Trainer Urs Fischer angesprochen auf die Statistiken - schob aber nach: "Ich glaube, wir sind zufrieden mit dem, was wir bis jetzt an Punkten geholt haben." Schließlich geht es auch im zweiten Bundesligajahr erstmal um den Klassenerhalt und da ist Union früh in der Saison auf einem guten Weg, ein kleines Polster zwischen sich und die Abstiegsplätze zu bringen. Das wichtigste, so Fischer, sei es jetzt, die Leistungen der letzten Wochen zu bestätigen.

Der Gegner

Hoffenheim startete spektakulär in die Saison und übernahm nach dem 4:1-Sieg gegen den FC Bayern am zweiten Spieltag die Tabellenführung. Danach schwankte die Form der Kraichgauer allerdings - die letzten drei Ligaspiele konnte die TSG allesamt nicht gewinnen, in der Europa League gab es zwischendrin zwei Siege. Das Hoffenheimer Spiel leidet auch darunter, dass Topstürmer Andrej Kramaric seit zwei Wochen fehlt. Er war an Corona erkrankt (mit leichten Symptomen) und in Quarantäne. Ob er diese rechtzeitig vor dem Spiel gegen Union am Montag beenden kann, ist noch nicht bekannt - die üblichen zwei Wochen sind am Donnerstag abgelaufen. Seit Freitag wieder auf dem Trainingsplatz ist Pavel Kaderabek. Der Außenverteidiger war ebenfalls zuletzt in Corona-Quarantäne wegen eines Falles im familiären Umfeld, er selbst wurde allerdings nicht positiv getestet.

Ob er und vielleicht auch Kramaric schon am Montag wieder auf dem Platz stehen ist fraglich. Trainer Sebastian Hoeneß sagte dem "Kicker" rund um das Europa League Spiel der Hoffenheimer am Donnerstag (4:1-Sieg gegen Gent), dass die Spieler zunächst sorgsam getestet werden sollen, bevor sie wieder ins Aufgebot genommen werden. "Dann muss man sehen, wie sie nach zwei Wochen Pause und Andrej nach einer Erkältung körperlich beieinander sind. Wir werden sie da in nichts reinjagen", wird Hoeneß in dem Bericht vom Donnerstag zitiert. Das spricht zumindest bei Kramaric dafür, dass er auch gegen Union noch fehlen könnte. Weil Hoffenheim in den Europa-League-Wochen zuletzt personell viel rotierte, muss Trainer Fischer sein Team ohnehin auf mehrere Möglichkeiten vorbereiten. "Ich glaube ihre Organisation sieht man trotzdem, egal wer dann spielt. Wir kennen die Jungs, die da möglich wären, da gilt es sich dann auch mal individuell auf seinen direkten Gegenspieler einzustellen", sagte Fischer zur Vorbereitung auf das Spiel.

Unioner im Fokus

Sheraldo Becker fehlt nur noch eine Sache, um der Gewinner dieses Saisonstarts bei Union Berlin zu sein: ein Tor. Der niederländische Flügelstürmer blüht in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga auf und ist momentan kaum wegzudenken aus der Startelf. Bei Sportschau.de gehörte Becker nach dem 5. Spieltag zur "Elf des Spieltags", auch eine Vorlage gelang ihm schon - am dritten Spieltag gegen Mainz. Vielleicht gelingt ja im 21. Pflichtspiel für Union das erste Tor. "Ich warte auch darauf", sagte Sheraldo Becker lachend im Interview in dieser Woche.

Gegen Hoffenheim könnten sich für Sheraldo Becker durchaus Räume bieten, mit seinen explosiven Antritten zu Chancen zu kommen. Zuletzt stellte sich die TSG meist im 3-5-2 oder 3-4-3 System auf, wobei die offensiven Skov und Sessegnon als hochstehende Außenverteidiger agierten. Umgekehrt wird der Flügelstürmer deshalb aber auch viel in der Defensive gefordert sein. Wie gut er und sein Pendant auf der linken Seite die Aufgabe in Hoffenheim erledigen, könnte deshalb entscheidend für den Erfolg sein.

Besonderheiten

Union Berlin wartet im zweiten Bundesligajahr immer noch auf ein Tor gegen die TSG Hoffenheim. In der vergangenen Spielzeit gab es eine 0:2-Niederlage zu Hause und ein 0:4 in Sinsheim. Nach den vergleichsweise moderaten Aufgaben gegen Freiburg, Schalke und Mainz wird das Spiel beim Tabellenneunten (vor dem Spieltag) ein deutlich härterer Test für Union Berlin. "Das wird wieder eine Bewährungsprobe für uns sein", sagte Trainer Fischer vor der Reise in den Kraichgau. Ihm sei wichtig, dass seine Mannschaft den Mut der letzten Spiele beibehalte und weiterhin den spielerischen Ansatz wähle. Eine gute Grundlage, um endlich das erste Tor gegen Hoffenheim zu erzielen und vielleicht einen Punkt mitzunehmen.

Sendung: Inforadio, 31.10.2020, 16:30 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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