Energie Cottbus-Fans im Stadion/imago images/Steffen Beyer
Bild: imago images/Steffen Beyer

DFB-Reformpläne für Fanprojekte - Die Helden im Hintergrund

Fanprojekte haben in der Vergangenheit erfolgreich zur Reduzierung von Gewalt und Diskriminierung in den Fußballstadien beigetragen. Nun sollen die Fördermaßnahmen des DFB für Fanprojekte reformiert werden. Die Furcht vor Kürzungen wächst. Von Lukas Scheid

In Cottbusser Fußballkreisen lösen die Namen von Fangruppen wie "Inferno Cottbus" oder "Unbequeme Jugend" noch immer Unbehagen aus. Obwohl die beiden rechtsextremistischen Hooligan-Gruppierungen offiziell seit 2017 aufgelöst sind, schwelt weiterhin die Erinnerung an Zeiten, in denen gewaltbereite Neonazis auf der Tribüne im Stadion der Freundschaft das Sagen hatten.

Die Aufarbeitung und Prävention solcher rechten Strukturen in den Fanszenen der Vereine ab der 3. Liga abwärts sind wichtige Bestandteile der Arbeit von den Fanprojekten des DFB – vor allem auch im Hinblick auf deren Arbeit mit jungen Menschen. "Fanprojekte werden dort eingerichtet, wo Vereine regelmäßig große Zuschauerzahlen anziehen und dadurch Jugendkulturen entstehen", erklärt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), den Auftrag von Fanprojekten. "Fußballstadien sind an Wochenenden die größten Jugendhäuser", so Gabriel weiter, "da macht es natürlich Sinn, dort auch pädagogisch zu arbeiten."

Das weiß auch DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius und stellte erst im September klar: "Die Bedeutung der Fanprojekte für die Förderung und den Erhalt einer friedlichen, lebendigen Fan- und Jugendkultur ist allgemein anerkannt und steht auch für den DFB außer Frage." Dennoch gebe es Reformbedarf, sagte Curtius, weil sich die Fanprojektlandschaft in den vergangenen Jahren stark verändert habe.

Die Ausarbeitung der Reformen steht noch aus

Was es mit diesen Reformen im Detail auf sich hat, ist derzeit noch nicht bekannt und so fürchten sowohl Vereine als auch die an den Projekten beteiligten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, dass ihnen in Zukunft Gelder für den Erhalt von Fanprojekten gestrichen werden könnten. "Für die langfristige und konzeptionelle Weiterentwicklung der Projekte ist es notwendig, dass die Förderung sicher ist", betont Mirjam Lüder, Leiterin des Cottbusser Fanprojekts. Zwar hat der DFB eine Fördergarantie bis Juni 2022 beschlossen, doch was darüber hinaus geschieht, ist offen. Zudem gilt die Fördergarantie nur für bereits bestehende Projekte. Neue Projekte oder Projektausweitungen sollen auch bis dahin nicht mehr finanziert werden.

Die Unsicherheit ist ein großes Problem

Für die Fanprojekte wie das in Cottbus ist diese Unsicherheit ein großes Problem, denn der DFB ist nicht der einzige Geldgeber. "Es sind jugendliche Menschen aus einer Kommune, die in einem Bundesland wohnen und ins Stadion gehen. Es gibt also drei Faktoren, die ihre Verantwortung wahrnehmen müssen: Die Stadt, das Land und der Fußball", sagt Sven Graupner vom Fanprojekt in Cottbus.

Um diese Verantwortung wahrzunehmen, engagieren sich Städte, Länder und DFB gemeinsam in Fanprojekten, wo Pädagogen mit den Fanszenen arbeiten. Geht es nach den Verantwortlichen des Fanprojekts in Cottbus, soll das auch so bleiben. Für die Reformankündigung eines finanziell angeschlagenen DFB habe er zwar Verständnis, betont Graupner, dennoch appelliert er an den DFB, die Förderung zusammen mit den anderen beiden Partnern fortzusetzen. Derzeit bezuschusst der DFB die Fanprojekte mit dem selben Betrag, den Städte und Länder für die pädagogische Arbeit in den Fanszenen aufwenden. Sprich: Die Hälfte des Budgets für Fanprojekte kommt vom DFB.

NASS berät zu Reformplänen des DFB

Der DFB hat derweil angekündigt, den Reformprozess auch in den Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) einzubringen. Das Gremium besteht unter anderem aus der Innenministerkonferenz, der Jugend- und Familienministerkonferenz und dem Deutschen Städtetag. Außerdem wird der Ausschuss von der Bundespolizei beraten. Der NASS tagt am kommenden Donnerstag (22.10) und wird voraussichtlich auch über die Reform der Fanprojektförderung beraten.

Derzeit gibt der DFB 3,4 Millionen Euro für die Fanprojekte aus. Die Innenministerkonferenz hatte jedoch 2012 mit dem DFB vereinbart, dass der Fußballverband insgesamt fünf Millionen Euro für sozialpädagogische Fanprojekte zur Prävention von Gewalt im Stadion zur Verfügung stellen muss. Demnach müsste der DFB künftig eher mehr statt weniger Geld für die Fanprojekte ausgeben. Dementsprechend interessant dürften die Reaktion des NASS auf die Reformpläne des DFB werden. Zwar wird bei dieser Ausschusssitzung noch keine endgültige Entscheidung erwartet, jedoch könnten weitere Details zu den geplanten Reformen öffentlich werden.

Beim Fanprojekt in Cottbus hofft man, dass die angekündigten Änderungen schnellstmöglich ausdifferenziert werden und mit allen Akteuren diskutiert werden, sodass man sich auch weiterhin gegen Hass und Hetze im Stadion der Freundschaft einsetzen kann.

Sendung: rbb UM6, 20.10.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

2 Kommentare

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  1. 2.

    An welcher Stelle im Text wird diese von Ihnen behauptete Heuchelei betrieben? In dem Bericht geht es um die Reformierung der Fördermaßnahmen des DFB für Fanprojekte am Beispiel von Energie Cottbus, einem Club aus der Region.

    Und dass Sie offenbar "mutige Stimmen" vermissen, die linksextreme Gewalt verurteilen, zeigt einiges an Realitätsferne Ihrerseits.

  2. 1.


    hier herrscht leider viel Heuchelei

    gewaltättige Cottbus-Fans - pööhse, weil rechts

    gewaltättägige St Pauli Fans - gut, weil links


    es fehlen hier mutige stimmen, die Gewalt von links und rechts verurteilen.

    .

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