Collage: Jürgen Röber als Trainer von Hertha BSC (li.) und als Trainer des VfL Wolfsburg (re.) (Quelle: imago images/Höhne/Sven Simon)
Bild: imago images/Höhne/Sven Simon

Ex-Trainer Jürgen Röber glaubt an die Wende - "Hertha sollte sich noch nicht verrückt machen"

Jürgen Röber hat Hertha als Trainer einst von der Zweiten Liga in die Champions League geführt. Auch beim kommenden Gegner VfL Wolfsburg saß Röber auf der Trainerbank. Vor dem Duell seiner Ex-Clubs vertraut er auf Hertha BSC.

rbb|24: Herr Röber, Sie haben dieses Jahr nach fast fünf Jahrzehnten als Profi, Trainer und Manager aufgehört, sind mit 66 Jahren in Fußball-Rente gegangen. Wo erreichen wir Sie gerade?

Jürgen Röber: Ich komme gerade vom Joggen rein. Jetzt bin ich zu Hause in Korschenbroich, das liegt zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach. Hier in der Gegend bin ich groß geworden. Ich war so viele Jahre unterwegs. Jetzt bin ich wieder zurückgekommen.

Hertha BSC spielt am Sonntag (18 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg. Beide Vereine haben Sie trainiert. Bei Hertha waren Sie von 1996 bis 2002. Woran denken Sie, wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken?

An den Aufstieg und die Champions League. Wir haben damals vor 4.000 Zuschauern in der Zweiten Liga angefangen. Und haben dann in der Champions League gespielt und teilweise 75.000 Leute im Olympiastadion gehabt. Klar, Hertha ist mein Verein. Da hatte ich meine schönste Zeit als Trainer.

Von 2003 bis 2004 waren Sie Trainer beim VfL Wolfsburg. Woran denken Sie, wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken?

Wir hatten damals noch nicht die finanziellen Möglichkeiten, die Wolfsburg heute hat. Volkswagen hat damals Mitarbeiter entlassen, da wurde natürlich kein Geld für Spieler ausgegeben.

Im Nachhinein habe ich den Verantwortlichen in Wolfsburg mal gesagt: "Wenn Ihr damals so viel Geld reingesteckt hättet, wäre das auch anders gelaufen." (Wolfsburg war nach der Saison 2002/03 Tabellenachter. Im April 2004 wurde Röber entlassen, als der Verein auf dem elften Tabellenplatz stand/Anmerkung der Redaktion).

Kommen wir zur aktuellen Saison: Es sind fünf Spiele gespielt. Hertha ist Fünfzehnter. Warum ist der Start nicht geglückt?

Es ist viel unglücklich gelaufen. Nach dem starken 4:1 in Bremen verlierst du gegen Frankfurt. Dann kommt das Spiel bei Bayern München. Das verliert die Mannschaft in der Nachspielzeit. Dann verlierst du gegen Stuttgart, den Aufsteiger. In Leipzig kommt der Platzverweis dazu. Und jetzt stehst du mehr oder weniger schon mit dem Rücken zur Wand.

Was sich bisher durchzieht, sind individuelle Fehler bei Hertha. Nach fast jedem Spiel beklagt Trainer Labbadia "billige Gegentore". Wie kann man solche Fehler abstellen?

Ich kenne das aus meiner Zeit als Profi. Du hast immer mal Phasen, da passt es einfach nicht. Da hast du dumme Fehler und verlierst dadurch die Spiele. Als Trainer stehst du draußen und sagst dir: "Das und das haben wir alles abgesprochen. Und dann passiert es trotzdem." Es gibt solche Phasen, aber die sind schwer zu erklären. Wenn man lange da unten in der Tabelle drin ist, dann verliert man irgendwann das Selbstvertrauen. Dann kommt der Druck von außen. Damit musste ich in Berlin auch lange genug leben.

Hertha hat jetzt vier Mal nacheinander verloren. Wie würde sich Ihre Kabinenansprache vor dem Spiel gegen Wolfsburg anhören?

(lacht). Man weiß ja, dass man schon in einer gewissen Drucksituation ist. Man muss das Spiel gewinnen. Da arbeitet man die ganze Woche drauf hin, spricht gewisse Punkte unter vier Augen oder in der Gruppe an. Aber: Man sollte sich nicht verrückt machen, man ist ganz am Anfang der Saison. Man muss zusehen, dass man da unten rauskommt, dass man in ruhiges Fahrwasser kommt. Das Potential ist da. Der Verein kann wesentlich besser dastehen als im Moment.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dennis Wiese, rbb Sport

Sendung: Inforadio, 28.10.2020, 14 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Mich auch mal bei Robert dake sagen!!! War ne schwere aber Geilenkirchen Zeit!!!!........ha ho he......:)

  2. 2.

    Jürgen Röber, einer der besten Trainer bei Hertha BSC. Danke für die schöne Zeit mit Ihnen.

  3. 1.

    Ach, die sind doch schon längst verrückt, Herr Röber
    ..
    Denn: hat mal jemand die Zahl der Fans gezählt, die sich insgeheim den Bundesligaabstieg wünschen, damit sich vielleicht endlich mal etwas ändert bei der Alten Dame?

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