Die Hertha-Stürmer Matheus Cunha und Krzysztof Piatek (Quelle:imago images/Metodi Popow)
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Spiele in Risikogebieten - Wie die Länderspielreisen Hertha und Union herausfordern

UEFA Nations League, WM-Qualifikation, U21-EM-Quali: Hertha BSC und Union Berlin stellen ihre Nationalspieler dafür ab und lassen sie auch in Risikogebiete fahren. Doch wie sieht ihre Rückkehr aus? Von Friedrich Rößler und Götz Gringmuth-Dallmer

Wer auf den aktuellen Kader von Hertha BSC schaut, entdeckt elf einsatzbereite Nationalspieler - eigentlich ein Grund zur Freude für jeden Hertha-Fan. Doch diese Qualität bringt in der aktuellen Pandemie-Situation einen erheblichen Nebeneffekt mit sich: Stichwort Länderspiele.

Das Robert-Koch-Institut stuft aktuell (Stand 06. Oktober 2020) fast 140 Länder [www.rki.de] ganz oder teilweise als Risikogebiete ein. Da kommen Länderspielreisen für die beteiligten Fußballer der Bundesligisten eher ungelegen. Laut der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung müssen sich Rückkehrer aus Risikogebieten in eine 14-tägige Quarantäne begeben, einen Corona-Test durchführen lassen und das Ergebnis dem Gesundheitsamt mitteilen.

Hertha geht von Sonderregelung aus

Bis zum Testergebnis bleibt die Quarantäne-Pflicht bestehen, die Senatsverwaltung [www.berlin.de] empfiehlt dringend bei einem negativen Befund einen zweiten Test nach fünf bis sieben Tagen. Dies gilt laut einer Sprecherin auf Nachfrage von rbb|24 für alle Reisenden. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel Matheus Cunha von Hertha BSC nach seiner Rückkehr von seinen beiden WM-Qualifikations-Spielen in Brasilien und Peru seinem Arbeitgeber für die Heimpartie gegen den VfB Stuttgart am 17. Oktober fehlen dürfte.

Davon ist aber nicht auszugehen, da Herthas Geschäftsführer Michael Preetz bereits am Freitag auf einer Pressekonferenz verkündete, dass "es nach engem Austausch mit den örtlichen Behörden eine Verbesserung gibt". Man habe sich mit dem Gesundheitsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf auf eine schnelle Rückkehr der betreffenden Nationalspieler in den Trainings- und Spielbetrieb geeinigt. Das bedeute, dass zum Beispiel Cunha sich während seiner Reise an alle Hygieneregeln halten und nach seiner Ankunft aus Brasilien in Berlin einen negativen Test vorlegen müsse, der nicht älter als 48 Stunden ist. Damit wäre der Nationalspieler sofort wieder einsatzbereit. Diese Regelung bestätigte Herthas Pressesprecher Marcus Jung auf Nachfrage von rbb|24.

FIFA ändert Abstellungsregeln

Der Weltfußballverband FIFA hatte im Vorfeld seine Abstellungsregeln für Nationalspieler modifiziert. So müssen die Vereine ihre Fußballer nicht bereit stellen, wenn am Ort des Vereins oder am Ort des Länderspiels "eine zwingende Quarantäne oder Selbstisolation von mindestens fünf Tagen" einzuhalten ist oder "eine Reisebeschränkung" für eine dieser Städte besteht. Wenn die Behörden den jeweiligen Nationalteams für diese Fälle eine "spezifische Ausnahmebewilligung" ausgestellt haben, müssen die Klubs ihre Nationalspieler hingegen abstellen. Da dies bei Hertha BSC der Fall ist, hofft Michael Preetz, "dass wir alle Nationalspieler so zurückbekommen, dass wir sie im nächsten Bundesligaspiel einsetzen können."

Bundesligist Werder Bremen zum Beispiel gibt mit einer Ausnahme seine Nationalspieler nicht für die Länderspiele frei, da das Bremer Gesundheitsamt nach Rückkehr eine fünftägige Quarantäne angeordnet hat. Beim Zweitligisten Hamburger SV verzichtete der albanische Nationalspieler Klaus Gjasula wegen "Infektionsrisiken und einer möglichen Quarantäne-Anordnung" auf seinen Einsatz in der National-Elf.

Bierhoff: "Verantwortung gegenüber den Vereinen"

Beim Nations-League-Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 10. Oktober in der als Risikogebiet eingestuften Ukraine wird sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw abgeschottet in einer Blase bewegen. Das Hotel soll nur zum Training und Spiel verlassen werden. Das betrifft auch den nominierten Niklas Stark von Hertha BSC. "Die Verantwortung gegenüber den Vereinen ist uns sehr wichtig", betonte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Beim Gegner wurden am Montag zwei Corona-Fälle bekannt, vier weitere Profis seien vorsichtshalber isoliert.

Beim 1. FC Union Berlin muss nur Kapitän Christopher Trimmel mit seiner Nationalmannschaft in einem Risikogebiet antreten - am 14. Oktober mit Österreich in Rumänien. Sein Vereins-Kollege Joel Pohjanpalo spielt seine Partien am 11. Oktober gegen Bulgarien und am 14. Oktober gegen Irland beide im finnischen Helsinki aus, das nicht als Risikogebiet gilt (Stand: 06. Oktober 2020). Auf Nachfrage von rbb|24 sagte Unions Pressesprecher Christian Arbeit: "Wir kümmern uns gerade um eine schnelle Rückreise des Spielers (Christopher Trimmel, Anm. d. Red.) und sind ansonsten noch in Gesprächen mit allen Beteiligten".

Sendung: rbbUM6, 06.10.20, 18:00 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler und Götz Gringmuth-Dallmer

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