Union-Fans beim Testspiel gegen Hannover 96 (Quelle: imago images/Andreas Gora)
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Video: rbb24 | 14.10.2020 | Max Zobel | Bild: imago images/Andreas Gora

rbb exklusiv - Keine Strafe für den 1. FC Union wegen Fan-Gesängen

Das Singen der Fans des 1. FC Union im Test gegen Hannover 96 bleibt finanziell folgenlos. Eine Lücke im Bußgeldkatalog lasse keine Bestrafung zu, sagte der zuständige Gesundheitsstadtrat dem rbb. Derweil rechnet er mit baldigen Geisterspielen.

Der 1. FC Union wird nach den Fan-Gesängen im Testspiel gegen Hannover 96 mit keiner Strafe belegt. Das teilte Bernd Geschanowski (AfD), Gesundheitsstadtrat in Treptow-Köpenick, dem rbb auf Anfrage mit. Man habe Sanktionen "selbstverständlich geprüft" und geschaut, "welche Möglichkeiten bestehen, dort ein Bußgeldverfahren einzuleiten", sagte er.

Das Ergebnis: Eine finanzielle Bestrafung könne es derzeit nicht geben. "Die Unterlassung der Gesänge steht zwar in der Berliner Infektionsschutzverordnung, es gibt aber keinen Passus im Bußgeldkatalog, der dazu passt", sagte Geschanowski. Das Bezirksamt könne daran wenig ändern - Geschanowski verweist auf den Berliner Senat. Er habe den zuständigen Staatssekretär informiert, "dass es dort eine Lücke gibt und diese nachzubessern wäre".

Seit 3. Oktober keine Ausnahmen mehr

Seit dem 3. Oktober sieht die Infektionsschutzverordnung vor, dass keine Fan-Gesänge oder Sprechchöre bei Sportveranstaltungen mehr erlaubt sind. "Der sportliche Wettkampfbetrieb ist zulässig, soweit er im Rahmen eines Nutzungs- und Hygienekonzeptes des jeweiligen Sportfachverbandes stattfindet", heißt es dort in Paragraph fünf. Im weiteren Verlauf ist klar - und ohne Ausnahme - formuliert: "Fan-Gesänge und Sprechchöre sind zu unterlassen." In der vorherigen Fassung hatte es noch Sonderregelungen gegeben.

Das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick hatte den 1. FC Union vor dem Test gegen Hannover 96 am vergangenen Donnerstag über diese Änderung informiert. Der Verein machte jedoch keine Durchsagen für die 1.795 Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei - und diese unterstützen ihr Team lautstark.

Arbeit: "Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen"

"Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen", hatte Unions Kommunikationschef Christian Arbeit im rbb|24-Interview nach der Partie argumentiert - und moniert: "Die Frage ist: Bleiben eigentlich die Regeln nachvollziehbar für die Menschen oder kommen wir langsam an seltsame Grenzen." Singen in geschlossenen Räumen sei bei Abstand nach wie vor erlaubt, Singen im Freien plötzlich nicht mehr.

Geschanowski kündigte an, die Lage in Zukunft verschärft im Blick zu behalten. "Gesänge lassen sich relativ leicht kontrollieren. Alleine schon durch die Berichterstattung im Fernsehen ist das ja nachweisbar", sagte er. Zudem werde man "sicherlich nach Möglichkeit aufgrund der Lage - wenn die Spiele mit Publikum stattfinden - dann auch Mitarbeiter aus dem Fachbereich ins Stadion entsenden."

Geschanowski rechnet mit Geisterspielen

Jedoch rechnet Geschanowski - auch mit Blick auf das nächste Heimspiel des 1. FC Union am 24. Oktober gegen den SC Freiburg - damit, dass beim aktuellen Infektionsgeschehen sehr bald gar keine Zuschauer mehr zugelassen sein könnten. "Aufgrund der Lage und der Entwicklung kann es durchaus sein, dass nicht nur von Bezirksseite eine Entscheidung kommt. Ich bin mir fast sicher, dass auch vom Land Berlin Regelungen getroffen werden, dass dann solche Veranstaltungen auch wieder als Geisterspiele stattfinden", sagte er. Geschehe das nicht zeitnah über den Senat, "sind wir (Anm. d. Red.: der Bezirk Treptow-Köpenick) am Zuge, müssen die Lage beurteilen und die Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind: Und das heißt Untersagung von Zuschauern."

Sendung: rbb UM6, 14.10.2020, 18:15 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Müssen Sie sich immer so groß machen, damit man Sie überhaupt beachtet?

    Ich denke mal, das Bezirksamt Treptow Köpenick hat hier ein salomonisches Urteil angestrebt und passend dazu eine Lücke im Bußgeldkatalog gefunden, was mich persönlich freut. Finde das richtig so, zumal die lokalen Gesundheitsbehörden sehr genau die Bestrebungen des Vereins und der Fans nach hygienekonformen Handeln beobachten und einschätzen können.

  2. 15.

    Wie viele Infektionen nach einem Besuch in der Alten Försterei entstanden?

    Na Tausende !!!!
    ... sind in den letzten Jahren mit dem vereinseigenen V.I.R.U.S. infiziert worden,
    müssten wir sonst anbauen bzw. aufstocken?
    ;-)))

  3. 14.

    Für mich ein Witz ERSTEN GRADES SOVIEL ZUR EINHALTUNG DER HYGIENE REGELN IM STADION BEI UNION BERLIN. DANKE GESUNDHEITSAMT TREPTOW KÖPENICK.

  4. 13.

    Nein, ist er gerade nicht! (Dies zur Kenntnis, die über diesen Bereich nicht so groß zu sein scheint.)

  5. 12.

    Singen verboten aber jubeln erlaubt???

  6. 11.

    Ein Schlager aus den 70ern spricht mir aus dem Herzen-Wir lassen uns uns das Singen nicht verbieten.
    Zum anderen-Bei den Einheitsfeiern wurde auch gesungen.

  7. 10.

    Der Senat beschließt, Fangesänge seien zu unterlassen. Für mich klingt das eher wie eine Empfehlung & nicht wie ein drastisches Verbot, von dem Sinn oder Unsinn dieser Bestimmung ganz zu schweigen. Keine Strafe zu verhängen ist damit nur folgerichtig.

  8. 9.

    Keine Ahnung ob das mal jemand überprüft hat .... ich kann mir aber vorstellen das sie annähernd im einstelligen Bereich liegen.... vergleichbar hohes Risiko wie beim schlafen in einem anderen Bundesland ;-)

  9. 8.

    Gar keine, aber psst das darf man hier nicht zu laut sagen, dann ist mein gleich ein Corona Lügner.
    Aber bald haben sie uns auch soweit, dank Angst und Panikmache, dass wir auch draußen an der frischen Luft mit 50 m Abstand eine Maske tragen müssen, die werden wir wohl nie wieder los.

  10. 7.

    So schlecht war der Gesang der Fans nun auch nicht, um ihn zu bestrafen.

  11. 6.

    Mal sehen was man den Menschen demnächst noch alles verbieten wird. Aber wir haben ja für alles Verständnis, was die da oben sagen. Wir tragen sogar noch lustige Hüte und Nasenklammern, wenn mann es uns abverlangt. Wir tun alles um Merkel, Söder & Co glücklich zu machen.

  12. 5.

    Ich hatte gedacht, dass der Beitrag von Ralle Satire ist. Wie dem auch sei: Seit es kein Publikum und keine Fangesänge mehr gibt, gucke ich auch wesentlich seltener bei Sky bei den Bundesligaübertragungen rein. Ich stimme Ihnen vollkommen zu: Geisterspiele haben nicht den gleichen Reiz. Mein Vater sieht das z.B. vollkommen anders. Er meinte: Hauptsache Fußball.

  13. 4.

    Wieviele Infektionen entstanden denn bisher auf Grund der Zuschauergesänge im Stadion an der Alten Försterei?

  14. 3.

    Gesang ist vor allem in Kirchen erlaubt .....

  15. 2.

    Ralle war auch noch nie bei einem Bundesligaspiel. Fangesänge machen den Charme eines Fußballspiels auf höchstem Niveau aus. Das überträgt sich ja selbst noch auf den Zuschauer am Fernseher. Geisterspiele haben nicht den gleichen Reiz.

  16. 1.

    Großartige Berliner Bürokratie, drinnen darf man singen aber draußen nicht. Komplett widersinnig und seit wann braucht man denn Fangesänge, man geht doch dahin um die tollen Trikots zu bewundern. Sowas von weltfremd. Ganz typisch Berliner Senat. Sinnfrei ohne Ende.

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