Handballprofi Simon Ernst klatscht mit Fans ab
Video: Uri Zahavi | Bild: imago/Jan Huebner

Comeback von Füchse-Handballer Simon Ernst - Ein Knie, das eine Geschichte erzählt

Es ist ein besonderes Comeback. Drei Mal hat sich Simon Ernst von den Füchsen Berlin das Kreuzband gerissen, drei Mal kehrte der Handballer zurück in die Mannschaft - eine Karriere, die zuletzt mehr im Kraft- und Physioraum gespielt hat, als auf dem Feld.

Eine lange Narbe zieht sich über seine Kniescheibe. An manchen Stellen wachsen keine Haare mehr, manche Stellen sind taub. Kleine, punktartige Narben sind dort um das Knie gezeichnet. Sie alle beschreiben den langen Leidensweg von Rückraumspieler Simon Ernst. Der Handballprofi liegt zur Narbenmassage auf der Physiobank im Sportforum Hohenschönhausen. Therapeut Tim Schilling drückt die Haut des Füchse-Spielers zusammen und dehnt sie wieder auseinander.

Es ist bereits der dritte Kreuzbandriss, den der 26-Jährige überstanden und sich zurück ins Team gekämpft hat. Er liegt breit grinsend auf der Liege im Fuchsbau, scherzt mit dem Physiotherapeuten. Simon Ernst kann wieder lachen, nur eine Frage kann er nicht mehr hören, die ob er endlich schmerzfrei sei: "Ohne jemandem zu nahe zu treten, das nervt. Aber ich freue mich natürlich auch, wenn sich jeder dafür interessiert. Ich kann heute sagen, mir geht es gut."

Öfter auf der Physiobank als auf dem Spielfeld

Am 13.10.2019, also vor genau einem Jahr drohte Simon Ernst das Karrierende. Im Spiel gegen den Bergischen HC riss sich der 1,96 Meter große Rechtshänder das vordere Kreuzband, zum dritten Mal in Folge, zum dritten Mal im rechten Knie. Ans Aufhören hat er nicht wirklich gedacht, auch wenn er gezweifelt hat: "Im Nachhinein ist es schwer zu sagen. Hätte mir vorher einer gesagt, was alles ansteht, hätte ich vielleicht darauf verzichtet. Aber irgendwie schafft man es doch sich zu motivieren und so doof das auch klingt, man sieht immer wieder Licht am Ende des Tunnels."

Viele Wochen und Stunden im Reha Training liegen hinter dem Europameister von 2018. Es ist aktuell bereits die dritte Saison für Simon Ernst bei den Füchsen Berlin. In der Bundesliga für den Hauptstadtclub gespielt, hat er allerdings erst elfmal. Schon bei seiner Verpflichtung vor zwei Jahren kam er verletzt nach Berlin, mit einem Kreuzbandriss.

"Den Physio- und den Kraftraum habe ich die letzten Jahre deutlich öfter gesehen als die Halle. Ich glaube dadurch lernt man es auch zu schätzen, wieder voll im Training dabei sein zu können", erklärt Ernst schwer atmend während des Trainings am Montag im Fuchsbau.

Kein Platz mehr für neue Narben

Der Trainer der Füchse, Jaron Siewert, ist froh, dass der Nationalspieler in dieser Saison wieder spielen kann: "Er ist ein Vorzeigeprofi. Wie er mit der Mannschaft arbeitet, in der Halle und im Kraftraum. Man kann ihm keine Vorwürfe machen, er geht als Vorbild voran. Klar, mit der Verletzungshistorie muss er viel arbeiten, aber er nimmt diese Herausforderung perfekt an."

Anatomisch ist der Handballprofi mittlerweile bestens geschult. Beim ersten Mal hat Ernst eine Plastik aus dem "musculus semintendinosus" auf der Oberschenkelrückseite bekommen, beim zweiten Mal aus der Quadrizeps-Sehne und beim dritten wurde nur konservativ behandelt. Das bedeutet immerhin: Keine neuen Narben mehr. Platz dafür wäre auf dem geschichtsträchtigen Knie sowieso keiner mehr.

"Mit dem Handball bin ich noch nicht fertig"

Das nächste Spiel gegen Hannover will der 39-malige Nationalspieler mit seinem Team, den Füchsen gewinnen, mit dem Team, welches immer hinter ihm stand: "Die Mannschaft war extrem wichtig. Es macht alles einfacher, wenn man weiß, da sind Leute, die dich unterstützen und bei einer schweren Verletzung mitleiden."

Simon Ernst will es noch einmal wissen und blickt kampfeslustig in die aktuelle Saison: "Ich wollte selber entscheiden, wann Schluss ist. Ich habe immer noch Bock Handball zu zocken und Teil des Teams hier zu sein. Mit dem Handball bin ich noch nicht ganz fertig."

Sendung: rbbUM6 | 12.10.2020 | 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Schützeberg

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