Torsten Mattuschka jubelt (Quelle: imago images/Contrast)
Audio: Inforadio | 04.10.2020 | Interview mit Torsten Mattuschka | Bild: imago images/Contrast

Interview | Torsten Mattuschka wird 40 - "Ich konnte nie schnell laufen, aber ich konnte lange laufen"

Es gibt einen Song über ihn und beim 1. FC Union Berlin gilt er als Fußball-Gott: Am Sonntag feiert Torsten Mattuschka seinen 40. Geburtstag. Im Interview blickt er auf den ungewöhnlichen Beginn seiner Profi-Karriere zurück - und kritisiert die jungen Spieler.

Bei Union Berlin gilt er als Fußball-Gott, auch die Fans von Energie Cottbus haben ihn in guter Erinnerung. Dabei begann die Karriere von Torsten "Tusche" Mattuschka alles andere als gewöhnlich. Als junger Spieler aus der siebten Liga wurde er beim damaligen Bundesligisten Energie Cottbus vorstellig - und das ohne den durchtrainierten Körper eines Leistungssportlers. In einem Interview mit "11Freunde" sagte er einmal: "Ich hatte 97 Kilo und so eine Trommel". Trotzdem ging er seinen Weg, unter Ede Geyer wurde er Bundesliga-Spieler, bei Union Berlin Derby-Held. Am Sonntag wird Torsten Mattuschka 40 Jahre alt.

rbb|24: Torsten Mattuschka, beim 1. FC Union gelten Sie als Fußball-Gott, haben ein eigenes Lied. Mehr kann ein Fußballprofi eigentlich nicht erreichen. Wann haben Sie den Song zum ersten Mal gehört?

Torsten Mattuschka: Ich glaube, es war ein Auswärtsspiel bei Greuther Fürth. Da habe ich irgendwie meinen Namen gehört, aber ich habe das Lied nicht komplett verstanden. Beim nächsten Heimspiel, ich glaube, dass war gegen Alemania Aachen, gab es einen Freistoß in zentraler Position und dann hat gefühlt schon das halbe Stadion gesungen. Bei mir verursacht das immer wieder Gänsehaut.

Als Sie bei Energie Cottbus angefangen haben, sollen Sie 97 Kilogramm gewogen haben. Wie viele sind es denn heute?

Ich hab gerade ein bisschen abgeschmissen. Aktuell sind es 88 Kilogramm. Das ist noch okay, muss ich sagen.

Trotzdem fehlen sechs bis zum Wettkampfgewicht.

Ja, das stimmt (lacht). Da hast du Recht. Aber in Corona-Zeiten hatte ich auch mal zwischendurch 92 Kilo. Da war wenig Bewegung, viel essen, viel trinken und das ist dann bei mir schwierig.

Torsten Mattuschka jubelt 2002 mit seinen Teamkollegen von Energie Cottbus (Quelle: imago images/Dehlis)Torsten Mattuschka gab 2002 sein Bundesliga-Debüt für Energie Cottbus.

Ede Geyer, ihr Trainer in Cottbus, hatte den Ruf eines erbarmungslosen Schleifers. Was dachten Sie, als der sagte: "Ein bisschen abnehmen, dann darfst du spielen."?

Da dachte ich: Wow, das ist eine Chance, die ich unbedingt wahrnehmen will. Und habe dann in vier Wochen zehn Kilo abgenommen. Ich habe dann knapp 82 Kilo gewogen und war ein komplett anderer Mensch. Man selber bekommt das ja nur ein bisschen mit, aber die Leute drumherum, die einen lange nicht gesehen haben, fragen: Was ist mit dir passiert? 15 Kilo in einem halben Jahr. Das macht dann schon etwas mit einem Menschen. Man sieht schon anders aus.

Und war Eduard Geyer wirklich so ein harter Hund?

Zu 100 Prozent. Ich glaube, eine Vorbereitung bei Ede Geyer ist heutzutage mit drei Vorbereitungen bei einem normalen Trainer zu vergleichen. Aber es hat mich geprägt, weil ich bei ihm den Schweinehund überwinden musste. Das konnte ich immer. Ich konnte nie schnell laufen, aber ich konnte lange laufen. Das habe ich in den Jahren bei Ede Geyer mitbekommen - und natürlich Disziplin.

Deutschland feiert in diesen Tagen 30 Jahre Deutsche Einheit. Zur Wende waren Sie neun Jahre alt. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn die Mauer nicht gefallen wäre?

Das ist echt eine gute Frage. Ich hoffe, ich wäre trotzdem Fußballer geworden. Ich hätte es zumindest probiert. Keine Ahnung, ob es geklappt hätte. Deswegen ist es cool, dass die Mauer gefallen ist und wir eins geworden sind. Ich glaube, das hat dann vielen auch mehr Möglichkeiten gegeben.

Derzeit sind Sie als Co-Trainer bei der VSG Altglienicke in der Regionalliga Nordost sehr erfolgreich. Wollen Sie eines Tages vielleicht sogar Cheftrainer werden oder dann doch als TV-Experte weiterarbeiten oder irgendwann mal etwas ganz anderes machen?

Beides macht mir Spaß. Der Job als TV-Experte bei Sky macht mir sehr, sehr viel Freude. Ich bin mit meiner Co-Trainer-Beschäftigung echt zufrieden. Ich traue es mir auch zu, mal vor der Matte zu stehen, aber ich muss, wenn ich mal Zeit finde, erstmal meinen A-Schein machen, damit ich überhaupt mal eine Regionalliga-Mannschaft trainieren darf. Aber ich finde seit zwei Jahren gar keine Zeit, gerade, weil ich durch Sky auch jedes Wochenende unterwegs bin. Ich komme auch als Co-Trainer gut klar.

Sie sind gelernter Maler und sind vor Kurzem umgezogen. Haben Sie selbst tapeziert?

Natürlich. Tapezieren musste ich nicht, aber streichen. Ich habe letztens auch mit meinem Kumpel eine Wohnung gestrichen. Also ich mache das schon gerne. Das hat mich meine ganze Karriere über geerdet, dass ich einen Job gelernt habe und weiß wie es ist, früh um fünf Uhr aufzustehen und bis 15 Uhr zu arbeiten. Das hat mir sehr geholfen. Das fehlt glaube ich heutzutage vielen Fußballern. Gerade den jungen Spielern, die zu schnell hochgehyped werden, sehr viel Geld verdienen aber oft die Realität vergessen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Kroh für den rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 04.10.2020, 16:24 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Zitat: "Werde ich nie vergessen und dann das 2 : 1 in diesem großen Leichtathletikstadion."

    Volle Hütte mit ca. 30.000 Unionern in der Marathontor Kurve . . . oh, wie war das schön! ;-)

    https://s12.directupload.net/images/201006/lfue69pm.jpg

  2. 4.

    Glückwunsch Tusche! War beim Abschiedsspiel von Dir und Karim. Werde ich nie vergessen und dann das 2 : 1 in diesem großen Leichtathletikstadion. Einmal Unioner, immer Unioner.

  3. 3.

    Cooler Typ der Tusche! Glückwünsche

  4. 2.

    Happy Birthday, Tusche!

    Als Schlitzohr mit feinem Füsschen und ansteckendem Humor wird er in den Herzen der Union Fans auf ewig seinen Platz haben. Einfach ein guter Typ, wie auch ein anderer, sehr sympathischer Spieler zu berichten weiss. :-)

    https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2020/09/interview-christoph-kramer-fussball-bundesliga-borussia-moenchengladbach-union-berlin.html

  5. 1.

    happy Birthday "alter Junge"! Solche Spieler, bodenständige Kämpfertypen haben Union "groß" gemacht und sind Markenzeichen für Union, nicht die "Millionenschweren" ! Gesund bleiben und weiterhin so... :))

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