Ex-Unioner Steven Skrzybski im Trikot von Schalke 04. / imago images/RHR-Foto
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Interview | Steven Skrzybski über Schalke und Union - "Es sind meine beiden Herzensklubs"

17 Jahre lang spielte Steven Skrzybski für den 1. FC Union, bevor er 2018 zu Schalke 04 wechselte. Am Sonntag nun treffen die Vereine aufeinander. Mit rbb|24 spricht Skrzybski über die Situation auf Schalke, die Entwicklung seines Ex-Klubs - und einen Kindheitstraum.

rbb|24: Steven Skrzybski, am Sonntag trifft Schalke 04 auf den 1. FC Union. Es ist das Duell Ihres aktuellen gegen Ihren alten Klub. Ist das für Sie immer noch ein besonderes Spiel?

Steven Skrzybski: Ja, absolut. Jeder weiß, dass diese Vereine etwas ganz Besonderes für mich sind. Es sind meine beiden Herzensklubs. Deswegen freue ich mich sehr auf das Spiel.

Gleich zwei Herzensklubs …

Ja. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch. Aber bei mir trifft das zu - zu 100 Prozent.

Warum?

Ich habe damals angefangen, Fußball zu spielen - auch durch meine Eltern - und wollte unbedingt für Schalke 04 auflaufen. Dann habe ich aber über die Jahre hinweg kennengelernt, was Union für ein Klub ist. Wenn ich da nicht auch diese Liebe gespürt hätte, wäre ich nicht 17 Jahre lang geblieben. Es ist ganz klar, dass es eine Verbundenheit gibt. Und wäre es nicht Schalke gewesen, die mich holen wollten, hätte ich den Verein eher nicht verlassen.

Es war 2018, als Sie nach 17 Jahren Köpenick adé gesagt haben und in den Ruhrpott gegangen sind. Wie haben Sie den Klub seitdem verfolgt und wie bewerten Sie die Entwicklung?

Sie haben in den vergangenen zwei, drei Jahren überragende Arbeit geleistet - und sich dann sowohl mit dem Aufstieg als auch dem anschließenden Klassenerhalt belohnt. Man sieht auch an den Neuverpflichtungen, was für ein Standing Union mittlerweile in der Bundesliga hat.

Sie waren beim Aufstiegsspiel gegen den VfB Stuttgart auch live im Stadion An der Alten Försterei dabei, richtig?

Genau. Ich habe es als große Ehre empfunden, dass der Präsident (Anm. d. Red.: Dirk Zingler) mich damals dazu eingeladen und es mir ermöglicht hat, bei diesem historischen Spiel dabei zu sein.

Auch bei der Party im Anschluss?

(lacht) Also ich sage es mal so: Ich bin jetzt kein fester Bestandteil mehr. Ich habe mich riesig gefreut für den Verein. Aber die Party, die können dann andere machen.

Sie selbst hatten nach Ihrem Weggang immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wie würden Sie die vergangenen beiden Jahre in Ihrer Karriere beschreiben?

Ich habe mir mit dem Wechsel zu Schalke meinen Kindheitstraum erfüllt - und konnte hier auch in der Champions League spielen. Ich glaube, da kann man nicht ganz so viel falsch gemacht haben. Und trotzdem sind die Verletzungen immer wieder Rückschläge gewesen, von denen man versucht, sich zu erholen und neu Schwung zu holen.

Steven Skrzybski jubelt im Mai 2018 im Trikot des 1. FC Union. / imago images/Matthias KochSteven Skrzybski jubelt im Mai 2018 im Trikot des 1. FC Union.

Beim 1. FC Union waren Sie damals Stammspieler. Nun hatten und haben Sie es - auch bedingt durch diese Verletzungen - immer wieder schwer, Ihren (Stamm-)Platz zu finden. Für Union ging es nach Ihrem Weggang nach oben. Hadern Sie in manchen Momenten mit dem Wechsel?

Nein. Ich hatte eine unfassbar schöne Zeit bei Union. Ich habe jeden Moment genossen, schätze den Verein nach wie vor sehr und freue mich für die Leute. Aber ich denke, man muss auch ein Stückweit seinen eigenen Weg gehen. Und wie gesagt: Ich habe Champions League gespielt, auch schon in der Arena (Anm. d. Red.: auf Schalke) getroffen - das sind alles Sachen, die ich nicht missen möchte.

Kommen wir zum Spiel am Sonntag: Wie sah die Vorbereitung auf Union aus?

Die vergangenen zwei Wochen waren sehr intensiv. Wir haben an vielen Punkten gearbeitet - und natürlich viel gesprochen. Jetzt wird es Zeit, dass wir es auch umsetzen.

Auf Schalke ist - vorsichtig ausgedrückt - in den vergangenen Monaten viel passiert. Zuletzt wurde Trainer David Wagner entlassen. Wie erleben Sie diese ganze Situation rund um den Verein?

Natürlich ist die Lage nach so einem Start angespannt. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, uns zu verbessern und wieder in die Spur zu kommen. Aber am besten und einfachsten gelingt das, wenn wir mal wieder ein Erfolgserlebnis haben.

Ihr neuer Coach, Manuel Baum, möchte - so habe ich gelesen - einen Wertekompass mit der Mannschaft entwickeln, weil das Klima im Team wohl nicht immer das beste war. Stichwort: Disziplinlosigkeit. Es geht also in diesen Wochen offenbar nicht nur um Taktik und Laufwege. Wie muss man sich das vorstellen?

Viele Sachen werden oftmals auch ein bisschen hochgekocht, obwohl sie intern gar nicht so ein großes Thema waren. Wenn man viele Spiele in Folge nicht gewinnt, muss man allerdings etwas verändern, damit man die Kurve kriegt. Insofern ist es klar: Ein neuer Trainer hat seine eigenen Ideen und versucht, die schnell umzusetzen. Dazu haben wir die Länderspielpause bis dato auch optimal genutzt. Wir haben jetzt erst zwei, drei Wochen mit dem neuen Coach gearbeitet und versuchen, die Inhalte zu verinnerlichen und dann auch schnellstmöglich umzusetzen. Man kann aber trainieren, wie man will - das Selbstvertrauen und die Belohnung kann man sich nur am Wochenende holen.

Ein Vorhaben, das der 1. FC Union natürlich unterbinden will. Was macht Ihren Ex-Klub so gefährlich?

Ich kenne sie noch sehr, sehr gut - auch wenn ich nicht mehr mit ganz so vielen Spielern aus der aktuellen Mannschaft zusammengespielt habe. Die Standardqualität und die Kompaktheit sind ganz klar die Stärken von Union. Das Umschaltspiel sowohl nach vorne als auch nach hinten und die Zweikampfstärke sind das, was sie auszeichnet. Das wird ein ganz harter Fight. Aber wird sind bereit, ihn anzunehmen.

Haben Sie noch Kontakt zu Mannschaftskollegen oder Vereinsmitarbeitern von damals?

(lacht) Ja! Also dafür empfinde ich zu viel für den Verein, als dass ich das nicht haben würde. Mit den Leuten habe ich jahrelang zusammengearbeitet und da pflegt man mit einigen natürlich schon eine Freundschaft.

Haben Sie sich dann auch vor dem Spiel am Wochenende schon ein bisschen ausgetauscht - oder herrscht Funkstille?

Ich bin eher einer, der - unmittelbar vor dem direkten Duell - die Zeit walten lässt. Wir sprechen danach wieder.

Was meinen Sie: Gibt es die ersten Punkte für Blau-Weiß?

Natürlich glaube ich das. Aber wir als Mannschaft brauchen nicht immer darüber reden, sondern müssen es auf den Platz bringen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Astrid Kretschmar, rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 17.10.2020, 14:24 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ja, genau. Und deswegen konntest du nur entweder deinen Vater oder deine Mutter lieben. Ach, du Armer!

  2. 3.

    Man hat nur ein Herz ...

  3. 2.

    Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Solche Spieler brauchen wir hier in Berlin!

  4. 1.

    Ein interessantes Interview mit einem Fussballer, der weiss, wo er herkommt und in keinster Weise abgehoben erscheint. Das mögen die Fans.

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