Hürdenläufer Emil Agyekum beim Training (Quelle: imago images/Beautiful Sports)
Video: Mittagsmagazin | 07.10.2020 | Jonas Schützeberg | Bild: imago images/Beautiful Sports

Berliner Leichtathlet setzt auf Neurowissenschaft - Mit Hirntraining zum Hürden-Star

Emil Agyekum ist Hürdenläufer und trainiert neben seinem Körper auch den Kopf. Der Berliner setzt auf neurowissenschaftliches Mentaltraining. Damit will er die letzten Prozente aus sich herauskitzeln, um sich seinen großen Traum zu erfüllen.

Wenn Emil Agyekum sich in den Startblock begibt, schaut Dr. Niklas Häusler besonders genau hin. Doch der Neurowissenschaftler achtet nicht etwa auf die richtige Körperhaltung des Athleten. Ihn interessiert, was in diesem Moment im Gehirn des Sportlers passiert - und das kann er sogar hören.

"Drei, zwei, eins", zählt Niklas Häusler herunter und ein tiefes aber angenehmes Geräusch ertönt. Emil Agyekum ist jetzt im sogenannten Flow, also in dem Zustand, in dem sein Körper maximal leistungsfähig ist. "Es ist ganz schwer, das zu erklären", sagt der 21-Jährige und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: "Man fühlt sich einfach mit sich im Reinen, als ob man auf sich selber oder seinen Körper horchen würde."

Dr. Niklas Häusler misst den Hirnzustand von Leichtathlet Emil Agyekum (Quelle: rbb)
Ein Blick ins Gehirn: Dr. Niklas Häusler misst den Hirnzustand von Leichtathlet Emil Agyekum. | Bild: rbb

Auf Knopfdruck in den Flow

Was der Leichtathlet nur schwer beschreiben kann, wird auf dem Laptop des Wissenschaftlers sichtbar. Anhand von Elektroden misst der neurowissenschaftliche Mentaltrainer den Hirnzustand von Agyekum. Die Hirnzellen kommunizieren elektrisch untereinander und nutzen dabei unterschiedliche Frequenzen. Die liegen in der Regel zwischen drei und dreißig Herz, abhängig davon, wie aktiv der Körper ist. Der Bereich für sportliche Höchstleistungen liegt irgendwo dazwischen.

"Was ich mit Emil trainiere, ist, dass er sich in diesen Hirnzustand begibt", erklärt Niklas Häusler, der das Start-Up "neuro11" gegründet hat. "Das bedeutet, dass man nicht grübelt. Dass man nicht überlegt, was es heute Abend zu essen gibt, wenn man im Startblock ist. Sondern es bedeutet, dass man jetzt in diesem Moment voll anwesend und fokussiert darauf ist, was jetzt passieren wird." Noch befindet sich das Verfahren in einer Testphase, "neuro11" stellt es daher kostenlos zur Verfügung.

"Ich will mich verbessern, bis ich immer im Flow sein kann."

Seit einem halben Jahr setzt der Berliner, dessen Spezialdisziplin die 400 Meter Hürden sind, nun schon auf das neurowissenschaftliche Mentaltraining - mit Erfolg. Bei den deutschen Meisterschaften Anfang August gewann der 21-jährige Lichtenberger die Silbermedaille. Doch das soll erst der Anfang gewesen sein. "Das große Ziel ist natürlich Olympia", sagt Agyekum und seine Augen fangen an zu strahlen. "Ich will immer mehr an meine Grenzen rankommen, mich verbessern, bis ich immer im Flow sein kann."

Bis zu 20 Prozent mehr aus sich rausholen

"Dass er weiß, wie er sich in diesen Zustand bringen kann, wenn er unruhig ist. Das ist weltweit einzigartig", meint Niklas Häusler. Erfahrene Sportler eignen sich diese Fähigkeit anhand ihrer jahrelangen Erfahrung an. "Wir geben jungen Athleten die Möglichkeit, dieses Wissen schon in frühen Jahren zu bekommen. Weil wir wissen, wie man es misst und wie man es beibringen kann", so der Wissenschaftler.

Bis zu 20 Prozent könnten junge Talente wie Agyekum so noch aus sich herausholen. "Das ist natürlich besonders im Elitebereich interessant, weil da oft die Technik schon sehr gut ist. Man hat viele Bereich, wo sich die Athleten schon sehr weit entwickelt haben, aber vom Kopf her einfach noch nicht diese Extraprozente rausholen konnten", meint Niklas Häusler. Mentaltraining im Spitzensport werde seiner Meinung nach unterschätzt. "Deswegen haben wir letztlich auch das Start-Up gegründet, weil wir gesagt haben, hier liegt einfach die Zukunft." Für Emil Agyekum ist diese Facette des Trainings schon jetzt Realität. Und so versucht der Berliner weiter, in den Flow zu kommen - für seinen großen Traum von den Olympischen Spielen.

Sendung: rbb UM6, 07.10.2020, 18 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Tennis Borussia-Trainer Markus (Quelle: imago images/opokupix)
imago images/opokupix

Tennis Borussia gegen den BFC Dynamo - Flutlicht-Derby im Livestream

Tennis Borussia gegen den BFC Dynamo: Dieses Duell gab es früher regelmäßig. Erstmals seit fast zehn Jahren treffen beide Teams nun wieder in einem Punktspiel aufeinander. Ein brisantes Duell unter Flutlicht.

 

rbb|24 zeigt das Spiel am Freitag ab 18:55 Uhr im Livestream.