Markus Zschiesche , Trainer von Tennis Borussia, enttäuscht während eines Spiels. Quelle: imago images/opokupix
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Shutdown oder nicht - Unsicherheit in der Fußball-Regionalliga

Der organisierte Freizeitsport in Deutschland wird im November in einen coronabedingten Shutdown versetzt, Profiligen dürfen nur noch ohne Zuschauer weitermachen. Doch was heißt das für die Fußball-Regionalliga Nordost? Von Philipp Büchner

Auf die Frage, ob seine Mannschaft ab Montag noch trainieren oder spielen darf, lacht Rocco Teichmann, Spordirektor des Tabellenführers FC Viktoria Berlin, süffisant: "Gute Frage!" Tatsächlich herrschen in der Fußball-Regionalliga Nordost nach den gestrigen Beschlüsse von Bund und Ländern ganz unterschiedliche Emotionen: Verwirrung, Hoffnung, sicher auch Ärger.

Das liegt vor allen Dingen daran, dass noch niemand ganz sicher weiß, was die neuen Einschränkungen für die vierte Liga bedeuten. Der organisierte Freizeit- und Amateursportbetrieb wird für den November heruntergefahren und die Profis werden vor leeren Rängen spielen, so viel ist klar. Doch die Regionalliga befindet sich in einem Grenzbereich zwischen Profi- und Amateursport - und dieser Grenzbereich wird in allen bisherigen Veröffentlichungen ausgespart.

Viele Viertligisten arbeiten und wirtschaften unter Profi-Bedingungen, werden jetzt aber wohl behandelt wie Feierabend-Kicker. "Für mich ist klar, dass wir keinen Profisport betreiben," räumt Teichmann ein. "Aber natürlich ist das Berufssport und keine Freizeitbeschäftigung". Das sieht der Geschäftsführer des zuständigen Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), Holger Fuchs, ähnlich: "Per Definition ist die Regionalliga keine Profiliga. Also müssen wir damit rechnen, dass auch hier ab Montag erst einmal keine Spiele stattfinden können."

Bleibt die Frage, ob zumindest Training möglich ist. Da besteht noch eine kleine Hoffnung. Der Verband berät bereits intensiv das weitere Vorgehen. Auf die Frage, ob der NOFV nun in Alarmbereitschaft sei, sagt Fuchs: "Von Alarm kann nicht die Rede sein, wir machen jetzt einfach unsere Arbeit. Und da geht es übrigens nicht nur um die Regionalliga. Wir haben ja auch noch zahlreiche andere Spielklassen, um die wir uns kümmern müssen."

Vereine warten auf neue Verordnungen

Die Regionalligisten bleiben noch gelassen. Der Ex-Bundesligist Energie Cottbus möchte erst einmal abwarten, bis am Freitag die neue Infektionsschutzverordnung des Landes Brandenburg verabschiedet wird. Die möchte sich Präsident Auth genau ansehen und erörtern, was möglich ist. Hilfreich wäre es sicher, wenn im Gegensatz zu den Veröffentlichungen der Bundesregierung das Wort "Regionalliga" darin auftaucht. Der FC Energie sehe sich weiter in der Lage, "den Trainings- und Spielbetrieb im Sinne der Gesundheit aller Beteiligten zu organisieren."

Auch in Berlin soll vor dem Wochenende eine neue Verordnung verabschiedet werden. Bestenfalls lässt diese wie im Frühjahr Ausnahmeregelungen für das Training der Regionalligisten zu. Für die neuen Einschränkungen zeigt Rocco Teichmann grundsätzlich Verständnis: "Ich bin niemand, der immer alles in Frage stellt. Aber was wir in den letzten Monaten an Hygienemaßnahmen und Schutzkonzepten entwickelt und auch erfolgreich umgesetzt haben ... Da ist es schon extrem ärgerlich, dass der Sport jetzt insgesamt runterfahren muss und damit meine ich besonders unsere Jugendmannschaften". Für die Regionalliga sieht Teichmann den drohenden Shutdown differenzierter: "Da waren wir alle auf eine extrem anstrengende Saison vorbereitet, in der sich immer wieder neue Situationen ergeben können. Da bleibe ich auch jetzt entspannt".

Komplizierte Situation

Wie kompliziert die Lage ohnehin ist, zeigt ein Blick zum Ligakonkurrenten Tennis Borussia Berlin. Die Mannschaft befindet sich bis einschließlich 6. November noch in Quarantäne, darf also weder spielen noch trainieren. Am Tag nach Ablauf der Quarantäne ist ein Ligaspiel in Jena angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Mannschaft von Trainer Markus Zschiesche bereits vier Spiele nachzuholen - und das in einer aufgestockten Liga mit einer straff organisierten Saison-Planung. "Irgendwie bekommen wir natürlich alles hin, aber ob das fair ist, ist eine andere Frage." Auch wenn ein Shutdown ab Montag weitere einzelne Spielausfälle und eine damit verbundene Verzerrung der Tabelle verhindern würde, ist Zschiesche kein Freund einer weiteren "Zwangspause", wie er es nennt. "Ist doch klar, dass man lieber trainiere und spielen möchte. Der Rhythmus geht doch total verloren."

Sobald die Länder ihre Infektionsschutzverordnungen angepasst haben, steht fest, ob in den vierten Ligen überhaupt noch trainiert oder gar gespielt werden darf. Dann schließen sich noch Überlegungen an, wie die Regionalligisten unter den neuen Bedingungen überhaupt weitermachen können und wollen. Denn ohne Zuschauer brechen wichtige Einnahmen weg. Gegenüber dem MDR kündigte Wilfried Riemer, Spielleiter der Regionalliga Nordost an: "Wir werden nächste Woche eine Videokonferenz mit den Vereinen machen und danach sehen wir weiter."

Sendung: rbb UM6, 29.10.2020, 18 Uhr

Fußball Regionalliga und Oberligen

  • Das Präsidium des Nordostdeutschen Fuß- ballverbands hat den Saisonabbruch in der Regionalliga Nordost bestätigt. Das NOFV-Gremium folgte damit dem Mehr- heitswillen der Klubs. Für Regional- liga-Spitzenreiter Viktoria Berlin ist damit der Aufstieg in die 3. Liga per- fekt.


    Allerdings muss Viktoria noch ein den Drittliga-Ansprüchen genügendes Stadion finden. Sollte das nicht gelingen, wür- de die VSG Altglienicke nachrücken - dort gibt es aber auch ein Stadion- problem. Selbst Jena wäre als Aufstei- ger denkbar. Absteiger ist per Quotien- tenregel der Bischofswerdaer FV.

    PlVereinSpguvToreDiffPkt
    1.FC Viktoria 188911110026:9+1733
    2.VSG Altglienicke1181229:14+1525
    3.Chemie Leipzig1373325:12+1324
    4.FC CZ Jena1263324:16+821
    5.Berliner AK 071262425:21+420
    6.FC Lok Leipzig1254320:17+319
    7.BFC Dynamo1153326:17+918
    8.Energ.Cottbus1353518:19-118
    9.Chemnitzer FC1352620:17+317
    10.SV Babelsberg 031345418:20-217
    11.Union Fürstenwalde1151522:20+216
    12.Lichtenberg 471344515:20-516
    13.FSV Luckenwalde1343614:22-815
    14.Hertha BSC II1135312:15-314
    15.Germania Halberstadt1325612:18-611
    16.VfB Auerbach1232718:26-811
    17.ZFC Meuselwitz1325614:22-811
    18.Optik Rathenow1325615:25-1011
    19.TeBe Berlin1023515:20-59
    20.Bischofswerdaer FV1221912:30-187
    PL
    Platz
    SP
    Spiele
    G
    gewonnen
    U
    unentschieden
    V
    verloren
    DIFF
    Tordifferenz
    PKT
    Punkte

    (ARD Text)

    • Aufstiegsrunde
    • mögl. Absteiger
    • Absteiger
  • Das Präsidium des Nordostdeutschen Fuß- ballverbands hat das lange Warten der Vereine beendet und den Saisonabbruch in der Regionalliga Nordost und den beiden Oberligen Nord und Süd wegen der Corona-Pandemie bestätigt.


    Damit verbunden sind Auf- und Abstiegs- entscheidungen. In die Oberliga steigt der Bischofswerdaer FV ab. Aufsteiger in die Regionalliga sind die Oberliga- Spitzenreiter Eilenburg und Tasmania.


    Absteigen sollen je Oberliga-Staffel zwei Teams. Dagegen protestierten schon im Vorfeld der BSC Süd und Wacker Nordhausen, hier ist alles noch offen.

    PlVereinSpguvToreDiffPkt
    1.SV Tasmania Berlin970221:7+1421
    2.Greifswalder FC952221:7+1417
    3.SC Staaken 1919851217:6+1116
    4.RSV Eintracht 1949951318:16+216
    5.Torgelower FC Greif843117:8+915
    6.F.C. Hertha 03 Zehlendorf943225:17+815
    7.TSG Neustrelitz941419:15+413
    8.Sp. Vg. Blau-Weiß Berlin934211:7+413
    9.MSV Pampow941418:17+113
    10.F.C. Hansa Rostock II841314:13+113
    10.SFC Stern 1900841314:13+113
    12.Rostocker FC1040616:26-1012
    13.FC Strausberg931515:18-310
    14.Charlottenburger FC Hertha 06930612:25-139
    15.SV Victoria Seelow91358:24-166
    16.1.FC Lok Stendal91269:18-95
    17.Brandenburger SC Süd 0591267:25-185
    PL
    Platz
    SP
    Spiele
    G
    gewonnen
    U
    unentschieden
    V
    verloren
    DIFF
    Tordifferenz
    PKT
    Punkte
  • Das Präsidium des Nordostdeutschen Fuß- ballverbands hat das lange Warten der Vereine beendet und den Saisonabbruch in der Regionalliga Nordost und den beiden Oberligen Nord und Süd wegen der Corona-Pandemie bestätigt.


    Damit verbunden sind Auf- und Abstiegs- entscheidungen. In die Oberliga steigt der Bischofswerdaer FV ab. Aufsteiger in die Regionalliga sind die Oberliga- Spitzenreiter Eilenburg und Tasmania.


    Absteigen sollen je Oberliga-Staffel zwei Teams. Dagegen protestierten schon im Vorfeld der BSC Süd und Wacker Nord- hausen, hier ist alles noch offen.

    PlVereinSpguvToreDiffPkt
    1.FC Eilenburg962122:9+1320
    2.VfL 96 Halle962121:10+1120
    3.FC Rot-Weiß Erfurt1062217:7+1020
    4.FC Oberlausitz Neugersdorf1062216:10+620
    5.SG Union Sandersdorf1060416:18-218
    6.FC Grimma952219:10+917
    7.VfB 1921 Krieschow851221:12+916
    8.VFC Plauen1051418:16+216
    9.FC Einheit Rudolstadt942316:11+514
    10.FC An der Fahner Höhe104158:17-913
    11.FC International Leipzig1031613:15-210
    12.1.FC Merseburg93159:16-710
    13.SV Blau-Weiß Zorbau1131712:22-1010
    14.Ludwigsfelder FC822414:16-28
    15.FSV Martinroda922513:20-78
    16.FC Carl Zeiss Jena II110476:20-144
    17.FSV Wacker Nordhausen80266:18-122
    PL
    Platz
    SP
    Spiele
    G
    gewonnen
    U
    unentschieden
    V
    verloren
    DIFF
    Tordifferenz
    PKT
    Punkte

3 Kommentare

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  1. 3.

    Natürlich geht es um die Lobby, die Wirtschaftlichen Intreressen gehen doch da vor. Wie anders ist es zu erklären, dass die Bundesligaspieler regelmäßig getest werden, die Pflegekräfte die unsere Risikogruppen pflegen jedoch nicht systematisch. Mit Fragen der Systemrelevanz hat das jedenfalls gar nichts zu tun. Sport Frei show must go on

  2. 2.

    Ob überhaupt nochmal in dieser Saison gespielt wird, steht auch noch in den Sternen!

  3. 1.

    Ich verstehe nicht wieso nur der Amateursport in eine Zwangspause gehen sollen aber der Profisport nicht. Ist Profisport was besseres wie Amateursport oder haben die Profivereine eine Lobby. Was ist mit den ganzen Kindern die in Vereinen trainieren zu Schule ja aber Training im Verein und Wettkämpfe Nein. Liebe Politik darüber würde ich noch mal nachdenken dadurch gehen auch soziale Kontakte verloren.

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