Union trifft in Bielefeld auf Ex-Coach - Leise Wiedersehensfreude

Uwe Neuhaus als Trainer von Union Berlin. Quelle: imago images/Contrast
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Mit neun Punkten aus sechs Spielen ist der 1. FC Union stark in die Saison gestartet. Gegen Bielefeld dürfen erstmals seit Wochen keine Fans mehr ins Stadion, Kapitän Trimmel ist wieder fit - und es gibt ein Wiedersehen mit Ex-Coach Neuhaus. Von Stephanie Baczyk

Das Personal

Der Kapitän ist wieder an Bord: Gegen Hoffenheim musste Christopher Trimmel noch wegen muskulärer Problemen pausieren, jetzt ist der Rechtsverteidiger fit und hat unter der Woche normal mittrainiert. In Sinsheim beim 3:1-Sieg wurde der Österreicher von Julian Ryerson vertreten.

Auch die zuletzt angeschlagenen Loris Karius und Nico Schlotterbeck dürften wieder eine Option für den Kader sein. Letzterer hatte sich Anfang Oktober beim 4:0-Erfolg gegen Mainz 05 am Oberschenkel verletzt und daraufhin die Länderspielreise mit der deutschen U21-Nationalmannschaft verpasst. Trainer Urs Fischer deutete auf der Spieltags-Pressekonferenz an, dass eine Abstellung des jungen Innenverteidigers für die kommende Länderspielpause nächste Woche durchaus eine Option sei – er stehe "mit Coach Stefan Kuntz in Kontakt".

Interessant dürfte werden, ob Fischer in seiner Abwehrformation – sollte er mit einer Dreierkette spielen – anstelle von Schlotterbeck Florian Hübner von Beginn an spielen lässt. Der in der Aufstiegssaison 2018/19 gesetzte Innenverteidiger hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, aber in Hoffenheim mit einem guten Auftritt auf sich aufmerksam gemacht. Zurück in den Kader dürfte Sheraldo Becker beordert werden. Der Flügelflitzer stand gegen die TSG nicht im Aufgebot, "das war ein bisschen dem System geschuldet", so Fischer.

Es fehlen: Anthony Ujah (Aufbautraining nach Knie-Op), Marcus Ingvartsen, Grischa Prömel (beide mit Muskelverletzungen)

Die Form

… ist stark. Die Köpenicker haben eine Serie, sind seit fünf Partien ohne Niederlage – und haben in Selbigen neun Zähler geholt. Eine ordentliche Quote, die Trainer Urs Fischer nicht dazu veranlasst, frei zu drehen. "Leistungen zu bestätigen – das ist für mich ein Punkt, auf den ich Wert lege", so der Schweizer. "Wir machen es im Moment nicht schlecht. Ganz wichtig für unser Spiel ist es, diese Ekligkeit beizubehalten, das ist uns zuletzt sehr gut gelungen."

Gegen Hoffenheim schaffte es das Team trotz des hohen Pressings der TSG in der Anfangsphase Ruhe zu bewahren und sich Chancen nach Balleroberungen und über einige schnelle Kombinationen rauszuspielen. Der schnelle Taiwo Awoniyi zirkelte einen Versuch mit rechts über das Tor und vergab eine gute Kopfballchance nach einer Ecke. Sowohl Kruse als Bindeglied als auch Sebastian Griesbeck mit seinem ersten Startelfeinsatz im zentralen, offensiven Mittelfeld überzeugten.

Union agierte clever, sicherte das Mittelfeld, um mehr Zugriff im Zentrum zu bekommen – Joel Pohjanpalo traf erneut als Joker. Zudem war das 3:1 in Hoffenheim der erste Auswärtssieg für die Eisernen in der laufenden Saison. "Natürlich nehmen wir das auch war: seit fünf Spielen nicht verloren", so Fischer. "Das gibt uns ein gewisses Selbstvertrauen. Ich glaube, im Moment ist die Mischung ne gute. Wir versuchen in Drucksituationen eine spielerische Lösung hinzubekommen, haben aber nach wie vor Situationen, in denen wir versuchen, schnellstmöglich das Mittelfeld zu überspielen und über den zweiten Ball gefährlich zu werden."

Funfact am Rande: Zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Spielzeit hatten die Köpenicker gerade einmal vier Zähler auf dem Konto.

Der Gegner

Der 1. FC Union aus dem letzten Jahr erinnert Urs Fischer in gewisser Weise an Arminia Bielefeld im Herbst 2020. "Für sie gilt es, sich schnellstmöglich zu adaptieren, sich an die Liga zu gewöhnen", so der 54-Jährige. "Weil es doch einfach ein Unterschied ist. Ich mag mich zurückerinnern, wenn ich unsere ersten sechs oder sieben Spiele nehme – das war ein Auf und Ab." Die Arminia hat ihre letzten vier Partien verloren, musste sich zuletzt gegen Borussia Dortmund mit 0:2 geschlagen geben.

Für Fischer sind die Ostwestfalen ein spielstarkes Team, für Mittelfeldmann Robert Andrich setzen die Bielefelder "brutal auf Ballbesitz, schon vom Torwart aus." Der DSC agiert aus einer kompakten Defensive heraus, hat mit dem langgewachsenen Fabian Klos den Torschützenkönig der abgelaufenen Spielzeit im Sturm, der allerdings noch auf seinen ersten Bundesligatreffer wartet. Es hakt noch ein wenig in der Spitze, die Arminia hat bislang erst vier Treffer erzielt.

An der Seitenlinie steht übrigens ein guter alter Bekannter der Eisernen: Trainer Uwe Neuhaus war von 2007 bis 2014 Union-Coach, stieg mit dem Verein erst in die Dritte, dann in die Zweite Liga auf. "Natürlich fiebere ich noch ein wenig mit ihm mit", sagt der 60-Jährige vor dem Duell über seinem Ex-Klub. Zu verschenken hat der Rekord-Coach der Berliner selbstredend keine Zähler.

Ein starkes Puzzleteilchen in Arminias Aufstiegself der vergangenen Spielzeit war dagegen ein anderer Ex-Unioner: Für den laufstarken und technisch versierten Marcel Hartel ist es das erste Aufeinandertreffen im Profibetrieb seit seinem Wechsel im Sommer 2019. "Natürlich habe ich seinen Weg verfolgt", so Fischer. "Ich habe ihm auch zum Aufstieg gratuliert. Er hat das sehr gut gemacht, seine Position gefunden in Bielefeld." Und wer jetzt meint, der 1. FC Union sei der klare Favorit in diesem Match – Urs Fischer prognostiziert "ein Duell auf Augenhöhe".

Unioner im Fokus

Auf ein interessantes Wiedersehens-Duell stellt sich vermutlich auch Robert Andrich auf Seiten von Union ein. Der 26-Jährige kickte in der Saison 2015/16 unter Neuhaus in Dresden, stieg mit Dynamo in die Zweite Liga auf. "Auch wenn ich sportlich jetzt nicht unbedingt so viel Anteil daran hatte", erinnert er sich. "Unter ihm als Trainer hatte ich jetzt nicht so eine einfach Zeit, weil ich nicht so viel gespielt habe. Aber er war erfolgreich, von daher kann man ihm nicht wirklich einen Vorwurf machen. Waren wenig verletzte, wenig gesperrte Spieler – es lief einfach."

In Köpenick ist Andrich bekanntlich Stammspieler, eine Art 'Bad Boy' im defensiven Mittelfeld, der durch Zweikampfhärte, viel Laufarbeit und Präsenz becirct. Max Kruse überzeugt derzeit auf dem Platz mit Toren, feinen Pässen und klugen Zuspielen. "Wenn Du wie im letzten Spiel gegen Hoffenheim ein Tor schießt und zwei auflegst, hast Du vieles richtig gemacht", sagt Coach Fischer. "Trotzdem bin ich der Meinung, dass er noch Luft nach oben hat, vor allem wenn es um seine Fitness geht."

Kruse machte seine ersten Bundesligaschritte bei Werder gegen Bielefeld – mit 19 Jahren wurde er damals im September 2007 eingewechselt und legte nur vier Minuten später eine Bude auf.

Besonderheiten

Jetzt sind tatsächlich keine Fans mehr im Stadion An der Alten Försterei erlaubt – das Zuschauerverbot aufgrund der steigenden Covid-19-Infektionszahlen gilt ja seit dem 2. November bekanntlich bundesweit. Beim letzten Heimspiel gegen den SC Freiburg durften noch 4.500 Anhänger dabei sein – mit Maske und klatschend statt singend. Uwe Neuhaus jedenfalls schwelgt, auf die Atmosphäre in Köpenick angesprochen, in Erinnerungen. "Wer die Fans kennt, weiß, dass sie die Mannschaft bedingungslos unterstützen", so der ehemalige Union-Coach. "Das ist beeindruckend und kann es dem Gegner schwer machen."

Ob sich die etwas andere, leise Kulisse am Samstag auf die Partie auswirkt, bleibt abzuwarten. So oder so wird es eine besondere Rückkehr von Neuhaus an die Alte Försterei werden – die erste in der ersten Fußball-Bundesliga.

Sendung: rbb Inforadio, 06.11.2020, 10.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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