Albas Spielmacher Peyton Siva (imago images/Tilo Wiedensohler)
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Video: rbb UM6 | 26.11.2020 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Tilo Wiedensohler

Comeback nach Corona-Erkrankung - Mit Siva und Köpfchen

Peyton Siva ist einer der absoluten Schlüsselspieler bei Alba Berlin und Krankheiten und Verletzungen leider gewohnt. Warum ihn die Corona-Infektion dennoch härter erwischt hat als erwartet und wieso er von dieser Saison seinen Enkeln erzählen wird. Von Ilja Behnisch

Die Krankenakte von Alba Berlins Spielmacher Peyton Siva, sie liest sich wie das Stichwortverzeichnis eines Anatomie-Lehrbuchs: Sprunggelenke, Knie, Ellenbogen, Leiste, Rippe, Schulter, Muskelfasern. War alles schon mindestens einmal lädiert beim 30-Jährigen US-Amerikaner. Seit diesem Jahr kommt auch noch eine Corona-Infektion dazu.

Gestörte Atmung und ein "komisches" Hautgefühl

Selbst für ihn, den Dauer-Patienten, war das eine außergewöhnliche Erfahrung. "Das hat mir echt Angst gemacht. Viele Leute, die Covid haben, haben keine Symptome. Gerade als Sportler dachte ich: Das wird schon nicht so schlimm. Aber das war es. Am ersten Tag konnte ich nicht mal ein T-Shirt anziehen. Meine Haut hat sich ganz komisch angefühlt, ich konnte kaum richtig atmen. Ich bin aufs Fahrrad gestiegen, dachte ich könne es ausschwitzen wie eine normale Erkältung. Nach fünf Minuten hatte ich überhaupt keine Luft mehr", sagt Siva im Gespräch mit rbb|24.

Inzwischen hat er die Krankheit - rund einen Monat nach dem positiven Test am 23. Oktober - überstanden und zumindest körperlich sei er bei "vielleicht etwas über 80 Prozent. Aber es ist hart. Ich kann immer noch nicht richtig gut atmen, ich habe Kopfschmerzen. Es gibt Momente, in denen ich mich richtig gut fühle. Aber ich muss dran bleiben: richtig gesund werden, richtig in Form kommen."

Für ein erstes Ausrufezeichen reichte es auch so. Beim Euroleague-Erfolg über Lyon-Villeurbanne war es Siva, der 2,4 Sekunden vor dem Spielschluss die entscheidenden drei Punkte warf. Zur Wahrheit gehört allerdings ebenso, dass die fünf Drei-Punkt-Würfe zuvor nicht ins Ziel gefunden hatten. "Aber ich hatte das Selbstvertrauen: Ich kann etwas bewegen. Die Instinkte waren wieder da", so Siva.

Siva ist Anführer und Kopf von Alba

Ein Selbstvertrauen, gespeist auch aus Erfahrung. So oft der 24-fache NBA-Spieler (2013/14 für die Detroit Pistons) verletzt war, so oft drückte er dem Alba-Spiel wieder seinen Stempel auf, sobald er zurück war im "sicheren Hafen", wie er einst im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" sagte: "Wenn ich auf dem Platz stehe, ist das eine ganz andere Welt für mich. Ich denke über nichts anderes nach, konzentriere mich nur auf das Spiel." Ein gedankliches Exil, das ihm schon durch ganz andere Phasen seines Lebens geholfen hat.

Auf dem Feld ist Siva der "Funke, der alles in Gang bringt". So jedenfalls sagte es Mitspieler Luke Sikma einmal über seinen Landsmann. Oder anders: Ist Siva in Form, liegen die Chancen gut, dass Alba in Form ist. Auch, weil kaum einer wie er für die Art von Basketball steht, die Erfolgscoach Aíto García Reneses vorschwebt. Da passt es ins Bild, wenn der 1,83 Meter kleine Point Guard über den 73-jährigen Spanier sagt: "Wir haben eine besondere Chemie. Ich habe oft bewiesen, dass er sich auf mich verlassen kann."

Der Trainer und das Schwimmbecken

Zumindest seinen Ehrgeiz hat Siva während der Corona-Erkrankung nicht verloren. "Wir wollen weiter erfolgreich sein und unseren Titel verteidigen", sagt er. Und das in einer Saison, von der "ich meinen Kindern und Enkeln erzählen kann. Du weißt nicht, was passiert, wie es weitergeht. Vielleicht hat einen Tag jemand Corona, das Spiel wird abgesagt, dann musst du einmal zwei Spiele kurz nacheinander spielen. Wir müssen die Dinge akzeptieren, wie sie sind, auf bessere Zeiten hoffen. Aber erstmal müssen wir alles so akzeptieren und vom Kopf her bereit sein."

Dass Siva bereit ist, davon dürfte auszugehen sein. In seinen nunmehr vier Jahren hat er sich stetig weiterentwickelt. Das von Risiko und Dynamik geprägte Spiel der früheren Jahre hat er noch immer im Repertoire. Doch Reneses lehrte Siva zudem, das Spiel zu lesen: "Aito hat mir beigebracht, meinen Stil anzupassen. Er nennt es: In das Schwimmbecken springen. Das bedeutet, Schmerz zu vermeiden, wo es geht und besser zu wählen, wann du attackierst und wann du draußen bleibst."

"Es fühlt sich gut an, wieder auf dem Platz zu stehen. Es ist toll, zurück zu sein", sagt Siva. "Ich bin einfach froh, dass ich noch einen Job habe, dass ich noch meinen Sport machen kann." Der Mann gehört schließlich in die Geschichtsbücher des Basketballs, nicht ins Anatomie-Lehrbuch.

Sendung: rbb UM6, 26.11.2020, 18:00 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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