Alba-Profi Luke Sikma in der Partie bei Olympiakos Piräus. / imago images/ANE Edition
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71:75-Pleite in Piräus - Alba startet stark und verliert doch knapp

Eine Halbzeit lang schien die Überraschung möglich: Alba Berlin führte bei Olympiakos Piräus und machte dem griechischen Top-Team das Leben schwer. Am Ende verlor der Hauptstadt-Klub in der Euroleague mit 71:75 (35:24). Trotzdem war es ein Schritt nach vorn.

Am Ende stand auf dem Papier für Alba Berlin die fünfte Niederlage im sechsten Euroleague-Spiel der Saison: Der Hauptstadt-Klub verlor in der Königsklasse des Basketballs am Donnerstagabend knapp mit 71:75 (35:24) beim griechischen Top-Team Olympiakos Piräus. Und doch war es für Alba ein weiterer Fortschritt - die Berliner schienen in der ersten Halbzeit ganz dicht an der Überraschung. Bester Alba-Werfer war Kapitän Nils Giffey mit 13 Punkten.

Alba führt früh

Die Voraussetzungen für die Albatrosse hätten - vorsichtig gesagt - deutlich besser sein können. Nach dem umkämpften Pokal-Sieg in Bonn am Dienstag war das Team über Düsseldorf direkt nach Griechenland gereist. Es war bereits das vierte Spiel binnen acht Tagen - und das für eine Mannschaft, die gerade erst eine 17-tägige Zwangspause mit sieben Corona-Fällen hinter sich hat. Es war dementsprechend kein Understatement, als Trainer Aito Garcia Reneses vor der Partie sagte: "Ohne richtiges Training und mit unseren Personalproblemen sind unsere Chancen bei so einem starken Gegner wie Olympiakos natürlich nicht die besten, aber wir versuchen alles."

Und dieser Versuch glückte gleich von Beginn an. Die Berliner führten nach vier Minuten mit 7:0. Dabei profitierten sie auch davon, dass bei Piräus noch rein gar nichts zusammenlief. Beim Tabellensechsten reihte sich Fehlwurf an Fehlwurf und Ballverlust an Ballverlust; der Vorletzte Alba - vor dem Duell mit vier Pleiten und einem Sieg in der Euroleague - wusste diese Nachlässigkeiten immer konsequenter auszunutzen. Mit der Schlussirene des ersten Viertels tippte der deutsche Nationalspieler Johannes Thiemann den Ball zum 22:10 für den Hauptstadt-Klub in den Korb. Die zweistellige Führung war ein Achtungserfolg für die Albatrosse.

Hohe Intensität in der Defensive

Es bahnte sich - nach den Siegen in der Liga gegen Frankfurt und im Pokal in Bonn - der nächste Fortschritt auf dem Weg zurück zum (Spiel-)Rhythmus an. Und die eigene Performance gegen ein europäisches Top-Team gab den Berlinern Rückenwind. Noch auffälliger als die offensive war die defensive Leistung des Underdogs. Piräus fand nur äußerst selten Mittel gegen Kompaktheit und Intensität der Albatrosse. Die Punkteausbeute? Schwach. Nie konnten die Griechen den Rückstand auf unter zehn Punkte drücken. 24 gelangen ihnen bis zur Halbzeit, Alba 35.

In der Pause hatte sich Piräus dann spürbar etwas vorgenommen. Sie spielten defensiv mit mehr Aggressivität und offensiv mit mehr Tempo. Sollten sie das Euroleague-Kellerkind Alba zu Beginn der Partie noch unterschätzt haben, war das nun Geschichte. Nach einem 6:2-Lauf für die Hausherren nahm Aito Garcia Reneses eine Auszeit. Stoppen konnte er den Trend aber nicht. Alba kam nun seltener zu guten Abschlüssen und Piräus immer näher.

Spiel kippt im dritten Viertel

Gut eine Minute vor dem Ende des dritten Viertels ging der Gastgeber beim 45:44 erstmals in der Partie in Führung - und baute diese direkt aus. Vor dem abschließenden Spielabschnitt lag Piräus mit sieben Punkten vorne und hatte nach der Halbzeit in zehn Minuten 27 Punkte erzielt. Es waren damit mehr als in der gesamten ersten Hälfte zusammen. Viel sprach nun nicht mehr für Alba. Die Kräfte ließen nach Quarantäne-Zeit und Vielfach-Belastung deutlich nach - und Piräus lieferte nun mehr von dem ab, was es zu liefern im Stande ist.

Umso erstaunlicher war das, was sich zu Beginn des vierten Viertels abspielte. Die Albatrosse kamen schnell bis auf einen Punkt heran - und es schien für einen kurzen Moment noch einmal alles möglich. Doch in der entscheidenden Phase war es dann das griechische Top-Team, das wieder davonzog. Wirklich spannend wurde es daher in der Schlussphase nicht mehr, deren letzte Aktion Alba gehörte: Jayson Granger traf mit der Sirene per Dreier zum 71:75 aus Sicht des Hauptstadt-Klubs. Für den geht es im engen Zeit-Takt weiter: Am Sonntag (18 Uhr) spielen die Albatrosse in der Liga in Oldenburg.

Sendung: rbb UM6, 12.11.2020, 21:45 Uhr

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