Porträt | Berlins ältester Sportlehrer Frank Bär - Old but Gold

Frank Bär beim Sportunterricht in der Grundschule in der Köllnischen Heide. (Quelle: rbb)
Video: zibb | 14.10.2020 | Anna Beeck | Bild: rbb

Sportlehrer mit 75? Ja, das geht. Und wie. Frank Bär ist Lehrer aus Leidenschaft und aufgrund des akuten Personalmangels in der Hauptstadt aus der Pensionierung in die Sporthalle zurückgekehrt. Und er hat es nicht bereut. Von Uri Zahavi

Frank Bärs Stimme ist eindringlich. Wenn der 75-Jährige Ansagen macht, wird es um ihn herum mucksmäuschenstill. Warum das erwähnenswert ist? Bär gibt seine Kommandos in der Turnhalle einer Grundschule. So gut wie jeder wird aus eigener Erfahrung wissen, dass Grundschulsporthallen nicht gerade ein Ort der Stille und Disziplin sind. Bei diesem Sportlehrer ist das anders. Ja, Sie haben richtig gelesen. Frank Bär unterrichtet mit 75 Jahren immer noch - das macht ihn zum ältesten Sportlehrer Berlins.

"Denkt daran, jedes Spiel macht nur so lange Spaß, wie sich jeder an die Regeln hält", hallt es durch den Raum. Frank Bär steht vor einem Handballtor, hält zwei weiße Kunststoffbälle in den Händen. Die 6B der Grundschule an der Köllnischen Heide im Bezirk Neukölln wird gleich Völkerball spielen. Seit 1978 ist Bär Sportlehrer aus Leidenschaft. Eigentlich war er schon längst pensioniert, doch aufgrund des großen Lehrermangels in der Hauptstadt nahm er vor acht Jahren seine Trillerpfeife vom metaphorischen Nagel und unterrichtet wieder, zehn Stunden pro Woche.

"Bei uns ist keiner mit dem Auto zur Schule gebracht worden"

Und klar, es hat sich einiges verändert. "Bei uns ist keiner mit dem Auto zur Schule gebracht worden", berichtet Bär etwas verdutzt. "Das ist heute Gang und Gäbe - und dann kommen die teilweise aus einem oder zwei Kilometern Entfernung." Kein Wunder also, dass nicht jeder Schüler und jede Schülerin vor Freude und Enthusiasmus platzt, wenn er oder sie die Turnhalle betritt.

Aber, wie es sich für einen ambitionierten Sportlehrer gehört, läuft Bär bei Sportmuffeln erst richtig zur Höchstform auf. "Es gibt keinen Menschen, der motorisch so schlecht ist, dass er im Sportunterricht eine Vier kriegen muss", erzählt er mit glänzenden Augen. "Dann muss ich halt dafür sorgen, dass er auch an seine Leistungsgrenze kommt." Ganz der Wettkampftyp eben.

Frank Bär spielte früher Handball beim ASK Berlin - dem Armeesportklub in Ost-Berlin. Seine Freude und seinen Ehrgeiz gibt er nun an die Kids weiter - augenscheinlich mit Erfolg. Denn nun hauchen auch die Kinder der Schulsporthalle Leben ein: Gelächter, Jubelschreie, aber auch lautstarke Enttäuschung und doch meist strahlende Gesichter. "Es macht einfach Spaß mit ihm", erzählt ein Mädchen über ihren Übungsleiter, "auch, weil er uns Tipps gibt." Ein Junge fügt an: "Er trainiert uns immer gut. Deshalb haben wir auch das Ball-über-die-Schnur-Turnier gewonnen."

Kein Karriereende in Sicht

Frank Bär macht einen dermaßen fitten Eindruck, wenn man ihn so beim Unterrichten beobachtet, dass ein Karriereende als Sportlehrer kaum vorstellbar und übrigens auch noch lange nicht in Sicht ist. Dafür hat Bär noch viel zu viele Lebensweisheiten weiterzugeben.

"Am Ende geht es für mich auch darum, den jungen Leuten zu zeigen, wie man Konflikte löst. Das macht mir einfach Spaß."

Und dann ertönt der letzte Pfiff des Tages - die Kinder der 6B verlassen teils schweren Herzens die Sporthalle. Aber sie werden wiederkommen, genauso wie Frank Bär.

Sendung: zibb, 14.10.2020, 18:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Also fit sieht der Mann ja aus.

  2. 1.

    Mein Respekt!
    Herr Bär hat ja auch prominente Gesellschaft: zweitältester "Sportlehrer" dürfte Alba-Coach Aito sein...

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