Union Berlin empfängt Eintracht Frankfurt - Vater Fischer und der Team-Spirit

Union Berlins Trainer Urs Fischer und seine Mannschaft (imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 27.11.2020 | Stephanie Baczyk | Bild: imago images/Matthias Koch

Der 1. FC Union überrascht und überzeugt weiter die Liga, der Sieg in Köln war der dritte in Folge. Trainer Urs Fischer bleibt trotz Tabellenplatz fünf bescheiden - und Stürmer Taiwo Awoniyi spricht über die Gründe des eisernen Selbstvertrauens. Von Stephanie Baczyk

Das Personal

Immerhin: Marius Bülter ist back. Unions Flügelspieler trainiert nach seiner Corona-Infektion seit dieser Woche wieder mit der Mannschaft, "seine Rückmeldung war wirklich sehr positiv", zitiert Trainer Urs Fischer bei der Spieltags-PK aus einem Gespräch mit dem 27-Jährigen am Donnerstagmorgen. Bülter durfte nach seinem positiven Test in Quarantäne zunächst kaum etwas machen, "in enger Absprache mit den Ärzten und mit Martin Krüger (Anm. d. Red.: der Athletiktrainer des 1. FC Union). Er konnte dann aber Dinge auf dem Ergometer, dem Fahrrad, dem Hometrainer absolvieren, ich glaube auch Stabilisation war dabei."

Bei Bülter und dem zuletzt in Köln nach einer halben Stunde angeschlagen ausgewechselten Sebastian Griesbeck ist Fischer optimistisch, was eine Einsatzmöglichkeit anbelangt. "Zum Teil integriert ins Training ist Keita Endo, der macht gute Fortschritte", so der Coach. "Ich glaube aber, dass dieses Spiel am Sonnabend zu früh kommt für ihn." Bei Florian Hübner ist noch nicht raus, ob er eine Option für die Partie gegen Frankfurt ist, der Innenverteidiger musste jüngst gegen den 1. FC Köln verletzt passen.

Es fehlen außerdem: Anthony Ujah (Aufbautraining nach Knie-OP), Christian Gentner, Nico Schlotterbeck und Joel Pohjanpalo (OP nach Sprunggelenksverletzung).

Die Form

... ist beachtlich. Nach wie vor. Drei Siege in Folge hat der 1. FC Union zuletzt geholt, auch wenn der Auftritt am vergangenen Sonntag beim Effzeh leicht verkrampft war. "Köln hat sehr destruktiv gespielt", fasste Max Kruse das Match anschließend zusammen, Coach Fischer verwies darauf, dass die Rheinländer sehr tief standen. "Sie haben sich zu zehnt oder eigentlich zu elft zurückgezogen. Und so viele Spiele hatten wir noch nicht, wo wir nach Lösungen suchen mussten. Ich glaube schon, dass uns das auch gut getan hat."

Die Köpenicker kamen kaum in die gefährlichen Räume. Kreativ-Kopf Max Kruse konnte bis in die Schlussphase rein keine Akzente setzen im Spiel nach vorne - war dann aber am Start, als es um den entscheidenden Strafstoß zur 2:1-Führung ging. Erst leitete er die Szene, die zum Elfmeter führte ein, dann verwandelte er vom Punkt - wenn auch per Nachschuss. Das zwischenzeitliche 1:0 für Union erzielte Stürmer Taiwo Awoniyi, indem er vor seinem Abstauber den Ball mit dem Körper abschirmte. Zugegeben, die Kölner Verteidiger ließen sich etwas zu leicht abschütteln, aber das gewonnene Kopfballduell von Ingvartsen nach einer hohen Hereingabe und Awoniyis direkt folgende Bude unterstrichen den Charakter der Partie.

Wichtig zu wissen: Trainer Fischer musste auf einige Spieler verletzungsbedingt verzichten, Sebastian Griesbeck im defensiven Mittelfeld früh durch Grischa Prömel ersetzen, der zuletzt auch angeschlagen pausiert hatte. Hat trotzdem hingehauen. "Bei Grischa war es sicherlich nicht so angedacht, dass er so viel Spielzeit bekommt", sagt Unions Coach. "Er hat das aber wirklich gut überstanden. Ich glaub, es hilft ihm auch."

So stehen da 15 Punkte nach acht Spielen - inklusive Platz fünf in der Tabelle. Was Urs Fischer selbstredend nicht wirklich durchdrehen lässt. Auf die Frage eines Journalistenkollegen, ob Europa ein Thema in der Kabine sei, antwortete der Schweizer mit den Worten: "Was ist das für eine Frage? Wissen Sie, was bei uns Thema ist? Der Klassenerhalt." In Köpenick bleibt man gelassen.

Der Gegner

... wartet seit fünf Spielen auf drei Punkte - also in einem Spiel. Vier Mal gab es ein Remis. Aktuell belegt die Eintracht Tabellenplatz elf, ist in dieser Spielzeit nach zwei Jahren mit lauen Europapokal-Nächten und feiernden Fans international mal nicht am Start. "Für mich ist Frankfurt eine eingespielte Mannschaft", schätzt Coach Fischer den kommenden Gegner ein. "Die hat eigentlich eine echt gute Mischung, da ist alles dabei - von Geschwindigkeit über Kreativität, Routine und Köperlichkeit." Bester Torschütze bei der Eintracht ist André Silva mit fünf Treffern, ein Unterschiedsspieler. In den vergangenen 18 Liga-Partien erzielte der Portugiese 13 Buden.

Silva kam im Sommer 2019, zur gleichen Zeit hatten die Hessen auch einen jetzigen Unioner auf dem Zettel: Max Kruse. Frankfurts Trainer Adi Hütter bestätige Gespräche zwischen seinem Klub und Kruse. Der wechselte damals bekanntlich letztendlich in die Türkei.

Unioner im Fokus

Angreifer Taiwo Awoniyi hat gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende sein erstes Saisontor für Union erzielt - und unter der Woche mal simpel geschildert, was die Eisernen gerade so erfolgreich macht. Da wäre zum einen der Team-Spirit, zum anderen die Art von Trainer Urs Fischer. "Wir haben nen guten Austausch", verriet Awoniyi. "Bevor ich herkam und jetzt, wo ich da bin. Er ist zu mir wie ein Vater, spricht immer mit mir."

Der schnelle und körperlich starke Stürmer hat keine einfache Zeit hinter sich: 2015 wechselte er aus seiner Heimat Nigeria zum FC Liverpool in die Premiere League, bekam keine Arbeitserlaubnis in England und wurde Jahr für Jahr ausgeliehen. Zuletzt nach Köpenick, hier kommt er klasse klar. Was natürlich auch den Coach freut. "Ich bin dann mal gespannt, wann ich schimpfen muss", ließ Fischer mit einem Augenzwinkern wissen. "Aber ich glaube, es ist einfach wichtig, dass Gespräche stattfinden, dass man die sucht. Und wenn man dann auch mal ne Rückmeldung von Spielern bekommt, die positiv ist, das hört jeder Trainer gerne."

Besonderheiten

Urs Fischer und Frankfurts Coach Adi Hütter haben sich - jeweils an der Seitenlinie stehend - lange vor ihren Engagements als Bundesligatrainer duelliert. In der Schweiz trafen die beiden in den Spielzeiten 2015/16 und 2016/17 aufeinander - Fischers Basel landete dabei zwei Mal vor Hütters Young Boys Bern ganz oben in der Tabelle. Fischer wurde Meister, Hütter Vize. Mit Union, beziehungsweise der Eintracht, haben beide Trainer jeweils einen Sieg gegen den anderen feiern können.

Sendung: rbb Inforadio, 26.11.2020. 11.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

2 Kommentare

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  1. 2.

    Na ja, nach dem Frankfurt Spiel gehts auswärts gegen Hertha ;-) und den VfB; beides keine einfachen Spiele. Und dann kommen bis zur Pause ja noch die Bayern und der BVB in die AF. Schaun mer mal.

  2. 1.

    Mit der Eintracht kommt ein härter Brocken. Gewinnt Union dieses Spiel, glaube ich an eine erfolgreiche Hinrunde mit einem Platz in der oberen Tabellenhälfte.

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