Die Eisbären Berlin starten am Freitag in den MagentaSport Cup. / imago images/Nordphoto
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Eisbären starten in Vorbereitungsturnier - "Wir sind alle ziemlich aufgeregt"

Es geht endlich wieder los für die Eisbären Berlin. Nach acht Monaten Pause starten sie am Freitag in ein Vorbereitungsturnier. Sieben weitere DEL-Klubs sind dabei. Über große Vorfreude, mentale Herausforderungen - und wichtige Gradmesser. Von Johannes Mohren

Mathias Niederberger steht - seine Goalie-Maske hochgeschoben - an der Bande des Wellblechpalasts in Hohenschönhausen. Hinter ihm dreht die Eismaschine ihre Runden. Und der 27-Jährige lächelt, ja: er strahlt. "Es ist nochmal besonderer. Vor allem, weil der Anlauf wirklich sehr, sehr lange war", sagt der Profi der Eisbären Berlin. Acht Monate, um genau zu sein, ist das bislang letzte ernsthafte Kräftemessen der besten deutschen Eishockey-Vereinsmannschaften her. Für Niederberger und Co. eine gefühlte Ewigkeit, die nun endet.

Nein, nicht mit dem Start der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die soll, Stand jetzt, nach mehreren Verschiebungen kurz vor Weihnachten mit ihrer Spielzeit loslegen; die endgültige Entscheidung, ob es tatsächlich so kommt, ist für den 19. November anberaumt. Ergebnis ungewiss. Bis dahin soll - immerhin - ein Aufwärmturnier die Spieler in den Wettkampfmodus und den Sport zu den Fans bringen. "Wir freuen uns sehr, dass jetzt so richtig geordnete Spiele losgehen. Wir sind alle ziemlich aufgeregt", sagt Niederberger.

Berlin in der Süd-Gruppe

Start für die Eisbären in den MagentaSport Cup ist am Freitag (19:30 Uhr) auf dem Eis des Wellblechpalasts. Gegner sind dann die Schwenninger Wild Wings. Insgesamt nehmen acht der 14 DEL-Klubs an dem Vorbereitungsturnier teil, das bis zum 12. Dezember läuft und mit einer Gruppenphase beginnt. In der sind die Berliner - rein geografisch betrachtet - Außenseiter. Neben Schwenningen heißen die Gegner EHC Red Bull München und Adler Mannheim. Es wartet also zunächst geballte süddeutsche Power auf den Hauptstadt-Klub. Die Erst- und Zweitplatzierten beider Gruppen spielen am Ende den Sieger aus.

Eigentlich sollten alle DEL-Teams plus zwei Zweitligisten mitmachen. Doch diese Idee zerschlug sich bald, weil sich trotz Prämien die Teilnahme für zahlreiche Vereine nicht rechnet, ja schlichtweg nicht stemmbar ist. Nun sollen die acht verbliebenen für einen Hoffnungsschimmer für die Sportart sorgen, die sich bei der Rückkehr auf die Bildfläche noch deutlich schwerer tut als Handball, Basketball oder Volleyball. Gleichzeitig ist es eine Probe für das, was dann im möglichen Regelbetrieb ab dem 18. Dezember folgen könnte. "Es ist ein Test für die Konzepte und Abläufe", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dem SID: "Ein Gradmesser wird sein, wie die Fans reagieren, wie sich die Einschaltquoten entwickeln."

Corona-Tests 36 Stunden vor dem Spiel

Bei der namensgebenden Telekom-Plattform Magenta Sport sind alle Partien bezahlpflichtig live zu sehen. 24 Gruppenspiele und drei Duelle in der Finalrunde finden in den vier Turnier-Wochen statt. Einen zentralen Spielort gibt es nicht: Alle Mannschaften treten sowohl auswärts als auch zuhause an. 36 Stunden vor den Begegnungen werden die Teams auf Corona getestet. Nachdem das Eishockey vor einer Woche beim Deutschland Cup einen ersten Schritt zurück in Richtung Alltag gemacht hat - mit drei Nationalmannschaften an einem Ort -, folgt nun also der zweite. Ein wenig Liga-Flair soll durch die leeren Eishallen der Republik wehen.

Für Goalie Mathias Niederberger - Neuzugang aus Düsseldorf - werden es die ersten Spiele überhaupt sein, die er für die Eisbären unter Wettkampfbedingungen bestreitet. Er sieht das Team trotz der langen Pause gut vorbereitet. "Ich denke, dass wir das alle schon so lange machen, dass es körperlich und von den Fähigkeiten an sich keinen Unterschied macht", sagt er, um dann doch ein Aber anzufügen: "Die Schwierigkeit liegt darin, mental mit der Situation umzugehen - etwa damit, dass wir jetzt erstmal ohne Zuschauer spielen."

"Es ist etwas anderes als Freundschaftsspiele"

Es sei eine neue Aufgabe, ein Lernprozess. Die Vorfreude, ihn anzugehen, ist spürbar. Endlich nicht mehr nur Training. "Es ist natürlich etwas anderes als Freundschaftsspiele", sagt Niederberger, "und man möchte sich präsentieren nach dieser langen Zeit." Die Gegner sind dabei schon in der Gruppenphase ein echter Gradmesser. Mit München und Mannheim treffen die Berliner auf den Ersten und Zweiten der im Frühjahr abgebrochenen Saison.

"Wir haben hohe Ansprüche an uns. Da können wir direkt zeigen, was wir draufhaben", sagt der 27-Jährige - und klingt so, wie eben jemand klingt, der lange auf eine Chance gewartet hat. Und sie nun ergreifen möchte.

Sendung: rbb24, 11.11.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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