Eisbär Marcel Noebels im Trikot der Nationalmannschaft. / imago images/ActionPictures
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Eishockey | Deutschland Cup - "Spiele nutzen, um der Sportart Leben zu geben"

Am Donnerstag startet in Krefeld der Deutschland Cup im Eishockey. Mit dabei sind viele Profis der Eisbären Berlin - unter ihnen Marcel Noebels und Leon Gawanke. Für sie und ihre Sportart ist es die langersehnte Rückkehr auf die Eis- und Bildfläche. Von Johannes Mohren

Marcel Noebels ist spürbar motiviert. "Eishockey kehrt ein bisschen zum Alltag zurück. Die Jungs sind alle heiß", sagt der 28-jährige Center der Eisbären Berlin - und während er es sagt, schwingt das Wort endlich mit. Kaum zu überhören. "Wir freuen uns auch über eine Pause im Sommer - aber so lange muss sie dann doch nicht sein", schiebt er nach. Fußball, Basketball, Handball oder Volleyball - sie alle sind nach Corona-Pausen längst wieder in den Spielbetrieb gestartet. Auf dem Eis war bislang nicht viel los.

Einige Teams - so auch Noebels' Eisbären - haben wieder zusammen trainiert und getestet. Immerhin. Bei anderen ging und geht im Grunde gar nichts. Nun steht ab Donnerstag der Deutschland Cup in Krefeld an. Es ist nach vielen Monaten die Rückkehr des Sports in den Wettkampfmodus, ja überhaupt auf die öffentliche Bildfläche. "Wir wollen die Spiele sinnvoll nutzen, um der Sportart Leben zu geben", sagt Noebels. Das traditionsreiche Turnier findet zwar nur im reduzierten Notprogramm statt - und ist doch ein Signal.

Bundestrainer Söderholm in Quarantäne

Die Botschaft: Hauptsache, der Stillstand endet! Da scheint es fast zweitrangig, dass das Vier- in diesem Jahr zu einem Zwei-Nationen-Turnier zusammenschrumpft. Die deutsche A-Nationalmannschaft ist als Gastgeber wie gewohnt dabei, zudem das sogenannte 'Top Team Peking' - ein Perspektivkader für die nächsten Olympischen Winterspiele 2022 - und Lettland. Ansonsten reihte sich für das viertägige Event pandemiebedingt Absage an Absage.

Doch nicht nur Gegner fehlen, sondern auch die vielen Fans, die sonst die Tribünen bevölkern. Und - als wäre das noch nicht genug - muss der Deutsche Eishockey-Bund zudem auch auf seinen Nationaltrainer verzichten. Toni Söderholm hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Coaching ist dennoch so intensiv wie möglich - der 42-jährige Finne verfolgt das Training auf dem Eis zuhause live dank Kameraaufnahmen. "Wir sind in total engem Austausch und telefonieren permanent, er kann das Training sehen", sagt U18-Nationaltrainer Steffen Ziesche, der Söderholm im Duett mit Bremerhaven-Chefcoach Thomas Popiesch auf der Bank vertritt.

Bis zu zehn Eisbären-Profis dabei

Söderholm und seine beiden Vertreter haben keinen leichten Job. Es gilt eine Mannschaft zu formen aus Spielern, die - je nach Verein - auf einem ganz unterschiedlichen Trainingsstand sind. Die bis zu zehn Berliner Profis, die in Krefeld im Kader stehen, sind dabei durchaus im Vorteil. Sie sind bereits im Rhythmus - ein bisschen zumindest. "Ich hatte das Glück, dass wir mit den Eisbären schon ein paar Spiele gemacht haben. Ich bin froh, dass ich die in den Beinen habe", sagt Noebels. Er habe gemerkt, "wie schwer es nach so einer langen Pause ist, wieder das Timing im Spiel zu finden, um immer an der richtigen Stelle zu sein."

Im A-Nationalteam sind neben Noebels noch Mathias Niederberger, Parker Tuomie und Leon Gawanke dabei. Gerade für den 21-jährigen gebürtigen Berliner, der aktuell aus Nordamerika an seinen Heimat-Klub ausgeliehen ist, wird dieser ungewöhnliche Deutschland Cup ein ganz besonderes Turnier. Es ist nach Jahren in diversen Nachwuchs-Auswahlteams sein Debüt bei den "Großen". Die Freude sei "natürlich riesig", sagt er - und: "Ich freue mich sehr, dass es endlich geklappt hat - und ich jetzt auf dem höheren Level die Chance habe zu zeigen, was ich kann."

Für das "Top Team Peking" gehen die Eisbären Tobias Ancicka, Kai Wissmann, Lukas Reichel, Haakon Hänelt und Nino Kinder aufs Eis. Eric Mik könnte nachnominiert werden.

Hoffnung auf Saisonstart Ende Dezember

Zeigen, was sie können. Das wollen sie alle. Und das nicht nur auf dem Eis. Eine Sportart will beweisen, dass sie noch da ist - und gewillt, zu bleiben. Der Deutschland Cup soll nur der erste von mehreren Schritten sein. "Ich persönlich versuche, das Negative auzublenden", sagt Noebels. Er hoffe, dass das Turnier "einwandfrei" über die Bühne gehe und die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) - wie aktuell geplant - nach mehreren Verschiebungen am 18. Dezember tatsächlich starten könne.

"Wir haben alle die Hoffnung und das Ziel, dass wir spielen können und auch spielen werden", sagt Noebels. Entschieden wird das am 19. November. Die kommenden Tage sollen zuvor zum Mutmacher werden.

Sendung: rbb UM6, 03.11.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dann lassen wir uns als Eishockey Fan mal überraschen was daß alles noch wird.

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