Minerva-Fabienne Hase und Nolan Seegert
imago images/ITAR-TASS
Video: rbb um6 | 17.11.2020 | Jonas Schützeberg | Bild: imago images/ITAR-TASS

Deutschlands bestes Eiskunstlaufpaar im Wartestand - Poesie in Bewegung - und keiner kann sie sehen

Schuften unter Ausschluss der Öffentlichkeit, tägliches Training ohne Wettkämpfe: Minerva-Fabienne Hase und Nolan Seegert aus Berlin sind Deutschlands bestes Eiskunstlaufpaar - und coronabedingt im Wartestand. Doch ihr großes Ziel bleibt. Von Uri Zahavi

Wenn Minerva-Fabienne Hase und Nolan Seegert gemeinsam über das Eis gleiten, dann ist das Poesie in Bewegung. In perfekter Synchronität machen sie Meter um Meter über die spiegelglatte Fläche im Sportforum Hohenschönhausen. Musikalisch begleitet wird das Berliner Paar mal von Hip-Hop-Beats, mal von langsamen, fast melancholischen Melodien. Immer wieder bauen die amtierenden deutschen Meister eine fesselnde Spannung auf, ziehen sich an den Händen zueinander hin und stoßen sich umgehend wieder voneinander ab. Wenn Nolan Seegert seine 21-jährige Partnerin dann mit Schwung durch die Luft wirft, stockt dem Außenstehenden immer wieder aufs Neue der Atem.

Nach siebenjähriger Zusammenarbeit nennt man das dann wohl blindes Verständnis. Das beste Eiskunstlaufpaar Deutschlands würde seine Künste gerne auch wieder einem breiten Publikum bei Wettkämpfen präsentieren, doch auch ihre Saison wurde durch Corona ordentlich durcheinandergewirbelt. "Es ist schwierig, weil man eigentlich ohne Ziel trainiert", beschreibt Hase den Status Quo. "Hoffentlich haben wir Ende November einen Wettkampf in Dortmund. Das ist so der erste Lichtblick seit Monaten."

Das große Ziel ist Olympia 2022

Nach dem Aus des deutschen Olympiasiegpaares Aljona Savchenko und Bruno Massot stehen Hase und Seegert im Fokus wie nie. Normalerweise wäre der Wettkampf-Kalender jetzt üppig gefüllt. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Zum Eiskunstlaufen gehört neben der technischen Ausführung der Sprünge und Figuren die Ausstrahlung der Athleten - und die muss immer positiv sein. So sind Hase und Seegert die schwierigen Umstände in diesem Winter überhaupt nicht anzusehen. Mit einem Lächeln über beide Ohren zeichnen sie im Training ihre Spuren in das Eis. Was sie motiviert, trotzdem hart zu arbeiten? Fünf farbige Ringe. "Unser großes Ziel ist Olympia 2022. Und nur weil wir momentan keine Wettkämpfe bestreiten können, heißt das ja nicht, dass wir uns nicht weiterentwickeln müssen", erzählt Hase.

"Das ist das Ziel, auf das ich eigentlich die letzten 20 Jahre hinarbeite", ergänzt der 28-jährige Nolan Seegert. "Es ist die Krönung der leistungssportlichen Karriere." Bei den Olympischen Winterspielen in Peking wird die Konkurrenz wie immer riesig sein. Eiskunstlauf-Nationen wie Russland, China oder Kanada dursten nach Medaillen. Doch um die geht es Hase und Seegert gar nicht vordergründig. "Wir lassen uns nicht von anderen Paaren beeindrucken, sondern laufen unseren eigenen Wettkampf", berichtet Seegert rational.

"Wenn man eine gute Technik hat, braucht man weniger Kraft"

Doch auch dafür müssen die Berliner schuften und sich immer wieder pushen. Und das mitnichten nur auf dem Eis. Auch in der Leichtathletikhalle arbeiten die beiden an der Fitness und der Kraftausdauer. "Wenn man eine gute Technik hat, braucht man weniger Kraft", sagt Minerva-Fabienne, genannt "Mini", und schmunzelt. "Trotzdem machen wir auch abseits des Eises viel Athletik-Training, vor allem für die Stabilisation des Mittelbereiches. So können wir dann die Landungen gut abfangen."

Ach ja, da wäre auch noch diese Sache mit der Chemie. Wenig überraschend driften wir jetzt nicht in den naturwissenschaftlichen Bereich ab, sondern beleuchten das Verhältnis der Athleten auf der menschlichen Ebene. "Wir verbringen die meiste Zeit unseres Alltags zusammen", berichtet Hase und schmunzelt. "Klar gibt es da mal eine Meinungsverschiedenheit. Aber Nolan ist ein sehr angenehmer Partner und geht auch viel auf mich ein." Und was sagt der 28-Jährige? "Sie ist manchmal etwas stur", kann er sich die kleine Stichelei nicht verkneifen und lacht. "Aber wir kommen sehr gut klar, sonst würde das nicht schon seit sieben Jahren funktionieren." Der Beweis also, dass auch Poesie in Bewegung eine große Portion Chemie benötigt.

Sendung: rbb um6, 17.11.2020, 18:00 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Bruno Labbadia (l.) während des Spiels gegen die TSG Hoffenheim (imago images/O. Behrendt)
imago images/O. Behrendt

Hertha vor dem Heimspiel gegen Bremen - Labbadias letzte Chance?

Krisenstimmung bei Hertha BSC. Der Verein taumelt dem Relegationsplatz entgegen, Trainer und Manager kämpfen um ihren Job. Der Versuch, eine Aufbruchstimmung vor dem Spiel gegen Werder Bremen zu schaffen, scheitert. Von Jakob Rüger