Football-Spiel zwischen den New Yorker Lions und den Berlin Rebels (Quelle: imago images/Hübner)
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Neue Football-Liga startet 2021 mit Berliner Team - Kick-off mit gemischten Gefühlen

American Football boomt auch in Deutschland. Ab 2021 soll der Sport durch eine europäische Liga noch präsenter werden. Auch ein Team aus Berlin mit regionalen Talenten ist geplant. Die Vereine aus Berlin und Brandenburg sind noch skeptisch.

Wenn an einem Morgen im Februar besonders viele Menschen mit kleinen Augen und müdem Blick auf dem Weg zur Arbeit sind, war es wieder soweit: Der Super Bowl in der amerikanischen National Football League (NFL) wurde ausgetragen. Tausende schlagen sich auch in Deutschland jedes Jahr die Nacht um die Ohren, um eines der größten Sportevents zu verfolgen. Football boomt - auch in Berlin und Brandenburg.

Doch das gilt vor allem für die NFL. Die regionalen Teams und ihre Ligen verfolgen nur die härtesten Fans. "Der German Bowl [das Endspiel in der deutschen Liga; Anm. d. Red.] war fünf Jahre lang in Berlin. Ich habe nicht ein einziges Plakat in der ganzen Stadt gesehen", kritisiert Roman Motzkus im Gespräch mit rbb|24. Der Berliner, früher selbst jahrelang als Spieler aktiv und inzwischen Kommentator der NFL-Übertragungen im deutschen Fernsehen, war bis Montagabend noch Vize-Präsident der Berlin Adler. Nun widmet er sich einem neuen Projekt.

Initiative zu europäischer Liga kam von GFL-Vereinen

"European League of Football" (ELF) heißt es und soll das schaffen, woran die German Football League (GFL) und der deutsche Verband in den letzten Jahren gescheitert sind: Dem deutschen Football mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihn zu professionalisieren. "Die Entwicklung dieser Liga ist eigentlich auf Initiative einiger GFL-Vereine gegangen, die sich jahrelang darüber beschwert haben, das mit dem American Football Verband Deutschland (AFVD) kein Fortschritt zu erzielen ist", erklärt Motzkus.

Der Verband und vor allem Präsident Robert Huber waren immer wieder Kritik ausgesetzt, zuletzt wegen des Umgangs mit der Corona-Pandemie. Nun soll mit der "European League of Football" ein eigenständiges und unabhängiges Konkurrenzprodukt geschaffen werden. Starttermin ist im Sommer 2021 zunächst mit acht Teams, darunter der polnische Meister und ein Team aus Berlin, für dessen Aufbau Motzkus mitverantwortlich ist. Langfristig soll die Liga auf bis zu 24 Teams aus mehreren europäischen Ländern anwachsen. Gespielt wird - anders als bisher in Deutschland - nach den Regeln der NFL. "Das wird auf jeden Fall die Attraktivität und Präsenz des Sports erhöhen", ist sich Motzkus sicher.

Gemischte Gefühle bei Vereinen aus Berlin und Brandenburg

Doch so begeistert wie er sind nicht alle von der neuen Liga. Bei den Vereinen aus Berlin und Brandenburg herrscht auch Skepsis. "Wir betrachten das natürlich mit gemischten Gefühlen", sagt Andreas Riedel, Vorsitzender der Berlin Rebels. "Alles, was unsere Sportart nach vorne bringt und unterstützt, ist gut. Allerdings verfolgt diese neue Liga ja ein anderes Konzept als das, was wir bisher kennen."

Im Gegensatz zur ELF sind die Rebels nicht kommerziell ausgerichtet und legen ihren Schwerpunkt auf die Jugendarbeit. "Der Boom ist da, den merken wir auch im Jugendbereich", sagt Riedel. Und die Arbeit der Rebels ist erfolgreich, regelmäßig zieht es Talente Richtung Amerika an die Highschool oder das College. "Das ist aber eher eine Auszeichnung für uns. Wenn es hier nur um das Thema Geld geht, ist das sicherlich ein bisschen schwieriger." Mit der Einführung der neuen Liga fürchten die Vereine um ihre Talente - und somit den Lohn ihrer Jugendarbeit. "Diese ganze Arbeit und den Aufwand ersparen sich die Betreiber der neuen Liga", kritisiert der Rebels-Vorsitzende. Ähnlich sehen das auch die Potsdam Royals. Headcoach Michael Voigt hätte sich statt einer konkurrierenden Liga gewünscht, dass die ELF ihre Möglichkeiten "in die bestehenden Strukturen eingebracht hätte".

Neue Liga setzt auf regionale Talente

"Natürlich ist der erste Eindruck, dass die besten Spieler zusammengezogen werden und die Vereine auf der Strecke bleiben", weiß Roman Motzkus. "Das ist aber im Endeffekt nur eine logische Weiterentwicklung, weil es im Moment kein konkurrenzfähiges Produkt gibt. Da sollten sich die deutschen Vereine nicht in die Schmollecke verziehen und sagen, die Liga ist die Böse und zieht uns die Spieler weg, sondern mit einer dieser Franchises zusammenarbeiten."

Grundsätzlich können sich die Vereine eine Zusammenarbeit mit der neuen Liga vorstellen. Talente aus der Region gibt es laut Motzkus genug. Und anders als bei der NFL Europe, bei der hauptsächlich Amerikaner spielten und deren Spielbetrieb 2007 nach 15 Spielzeiten eingestellt wurde, sollen die nun auch zum Zug kommen. "Wir bauen auf die Home-Grown-Spieler, die mit der S-Bahn zum Training fahren können", so Motzkus. Maximal vier Amerikaner dürfen pro Team verpflichtet werden.

Mittelfristig soll die Liga professionalisiert werden, sodass die Spieler vom Football leben können. "In vier, fünf Jahren kann die Liga so weit sein, dass wir voll bezahlte Spieler haben", ist der Ex-Profi optimistisch. Um mehr Menschen zu erreichen, seien auch Übertragungen einzelner Spiele im Free-TV geplant. Ob die neue Liga ein Erfolg wird und die Zusammenarbeit mit den Klubs funktioniert, wird die Zeit zeigen. Eines aber scheint sicher: Die Nacht müssen sich Fans der neuen Liga nicht um die Ohren schlagen.

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