Jubel bei den Spielern von Union Berlin (Quelle: imago images/Contrast)
Audio: Inforadio | 15.11.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Contrast

Union Berlin im Höhenflug - Nur der FC Bayern ist besser

Der 1. FC Union rockt die Liga. Wo Hertha BSC gerne hin möchte, in die Europapokalränge, stehen aktuell die Köpenicker. Das Team von Trainer Fischer hat sich weiterentwickelt und liegt in einer Kategorie sogar direkt hinter dem FC Bayern. Von Jakob Rüger

Mit einem Wort darf man Unions Trainer Urs Fischer in dieses Tagen nicht kommen: "Europapokal". Die Tabelle ist für den zurückhaltenden Schweizer nur "eine Momentaufnahme". Die Fans dürfen gerne träumen, Urs Fischer ist jedoch Realist. Der Höhenflug der Köpenicker ist jedoch kein Zufall, sondern das Produkt von seiner Arbeit. Schon im Sommer hatte Fischer angekündigt, dass die Mannschaft sich auch spielerisch nach dem Klassenerhalt weiterentwickeln soll.

Der Konkurrenzkampf belebt

Dafür hat Sportdirektor Oliver Ruhnert einige neue Spieler verpflichtet. Im Angriff hat der Trainer nun die Qual der Wahl und lauter unterschiedliche Spielertypen. Taiwo Awoniyi ist der wuchtige Stürmer. Joel Pohjanpalo der klassische Strafraumspieler mit dem Torriecher. Cedric Teuchert arbeitet Fußball, Sheraldo Becker ist der Sprinter und Anthony Ujah ist der Erfahrene. Für jeden Gegner hat der Trainer somit den passenden Angreifer. Und der enorme Konkurrenzkampf tut offenbar gut. "Als Stürmer brauchst du diesen Druck", sagt Joel Pohjanpalo. "Wenn du nicht gut spielst oder triffst, dann kommt der nächste, will sich zeigen und dich auf die Bank verdrängen."

Respekt von der Konkurrenz

Der Druck wirkt, 16 Tore in sieben Partien, öfter jubelte bislang nur der FC Bayern. Union spielt mit einem klaren Plan, bevorzugt über die Außenbahnen. Das nötigt selbst der Konkurrenz Respekt ab. "Sie haben sehr gute Flankengeber", analysiert Freiburgs Trainer Christian Streich. "Sie kommen über außen immer in den Strafraum und da brennt es dann." Doch das Offensivsystem der Köpenicker ist nicht so einseitig, wie es klingt. Das zentrale Mittelfeld um Robert Andrich und Christian Gentner ist mittlerweile viel zielstrebiger in Richtung Tor unterwegs. Gerade Andrich hatte letzte Saison schon viele Torabschlüsse, effizient treffen tut er erst jetzt. Dazu kommt noch der Königstransfer.

Cedric Teuchert und Max Kruse jubeln (Quelle: dpa/Uwe Anspach)Gemeinsam erfolgreich: Max Kruse (rechts) und Cedric Teuchert bejubeln ein Tor.

Der Schlüsselspieler

Max Kruse ist der Mann für die besonderen Momente. Nicht der Schnellste, nicht der Größte, nicht der Kräftigste aber ungemein clever und spielfreudig. Drei Tore und fünf Vorlagen zeigen seinen Wert für Union. Trainer Urs Fischer lässt dem 32-Jährigen alle Freiheiten als Hängende Spitze. Kruses Selbstvertrauen und seine Unbekümmertheit scheint auf die Mannschaft abzufärben. "Max ist ein extremer Teamplayer, er ist extrem wichtig für die Mannschaft", äußert sich Mitspieler Cedric Teuchert positiv. "Es macht viel Spaß mit ihm zu spielen". Und es macht auch Spaß, der Offensive beim Spielen zu zusehen.

Defensiv noch besser

Der 1. FC Union hat in den letzten Monaten sehr viel am Herausspielen von Torabschlüssen gearbeitet. Das war in der vergangenen Saison noch der große Schwachpunkt. Doch auch defensiv haben die Köpenicker sich noch einmal weiter entwickelt. In der Arbeit gegen den Ball ist Union sehr diszipliniert, es sind immer genug Spieler hinter dem Ball. Strafraumsituationen gilt es zu vermeiden. Union stellt damit die viertbeste Abwehr der Liga. "Sie haben eine gute Mischung aus Körperlichkeit und spielerischen Akzenten", warnte Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß, vor der eigenen 1:3 Heimklatsche.

Vorteil Länderspielpause

Es ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung im zweiten Bundesligajahr. Der 1.FC Union wirkt stabil, selbstbewusst und effizient. "Wir haben gerade die Überzeugung in Drucksituationen spielerische Lösungen hinzubekommen", sagt Trainer Fischer mit Stolz. Bei dieser Entwicklung geholfen haben auch die Nationalmannschaftsfenster. Während bei der Konkurrenz teilweise nur kleine Gruppen auf dem Platz stehen, kann der 1. FC Union mit nur zwei Nationalspielern in fast voller Mannschaftsstärke zwei Wochen lang trainieren. Ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte.

Fischer bleibt zurückhaltend

Bei all den Lobeshymnen, die Union derzeit erfährt, bleibt der Trainer zurückhaltend, bescheiden. "Es gilt das zu bestätigen und dran zu bleiben", sagt Urs Fischer. "Ich glaube, wir haben den einen oder anderen Punkt auch liegen gelassen, also so gut sind wir noch nicht, aber wir sind zufrieden." Auch wenn es Urs Fischer nicht gerne hört, aber tritt Union weiter so stabil auf, dann können sich die Fans der Eisernen schon auf das dritte Erstligajahr freuen.

Sendung: Inforadio, 15.11.2020

Beitrag von Jakob Rüger

9 Kommentare

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  1. 9.

    Weiter so Union, man merkt ihr spielt Fußball nicht des Geldes wegen, ihr spielt Fußball mit Leidenschaft und Engagement, ihr erinnert mich irgendwie an Leipzig, die nach dem Aufstieg in die erste Liga genauso erfrischend gespielt haben, wo sie am Ende standen und noch stehen (oben) wissen wir ja alle.
    Es freut mich für Berlin und das obwohl ich eigentlich Hertha Fan bin, allerdings bin ich, wie viele viele andere Berliner auch, dafür, dass der inkompetente Preetz endlich das Feld räumt und geht....aber hier geht es jetzt nicht um Hertha :)
    TOP UNION, ich sehe euch am Ende der Saison im oberen Tabellen Feld, vielleicht sogar Europa..das wär doch was, Hertha wird (trotz 100mill. Einkäufe)wohl wieder im Mittelfeld herum krabbeln und Preetz sowie Gegenbauer haben es bis dato nicht geschafft, sportliche Kompetenz um sich herum aufzubauen, sie bleiben lieber die ewig graue Maus.
    Eine Schande ist diese Führung....so genug über Herthas Chefetage geschimpft

  2. 8.

    Ich bin Unioner und darf daher etwas verklärt kommen ... Erstaunt bin ich, wie weit Union strahlt. Ich bin oft auf La Palma in Tazacorte - einem kleinen Städchen an der westlichen Außengrenze der EU. Dort habe ich eine Lieblingskneipe, in der ich immer Fußball gucke. Eines Tages hatte ich dazu ein Union-shirt an. Da umarmte mich der palmerische Wirt (noch vor Corona)und erzählte mir die ganze Geschichte unseres Vereins auf spanisch. Er sagte, Union wäre sein Herzensklub in der Bundesliga. Ich war beeindruckt, daß tausende Kilometer von Berlin entfernt auf einer kleinen Insel im Atlantik der Union-Virus angekommen ist. Jetzt hat er von mir ein Union-shirt geschenkt bekommen. Wer also mal in Tazacorte ist und über Union fachsimpeln will, der sollte in die Bar "La Tasquita" gehen. Dort gibt es einen fachkundigen Unionkenner, dessen Herz rot-weiß schlägt ...

  3. 7.

    Hört sich hier in den Kommentaren ja so an, als wenn die meisten Nutzer hier nur Fans des Vereins sind, weil er von anderen als positiv wahrgenommen wird? Und wenn das Interesse an Union irgendwann mal weg sein sollte, sind auch die Fans weg?

  4. 6.

    Danke für Ihren kleinen "Erlebnisbericht", Udo. Und es ist ja wirklich so, dass spätestens seit dem Aufstieg des FCU Berliner Fussball bundesweit bei den Fans an Reputation gewonnen hat. Denn Windhorst oder die Klinsi-Episode bei HBSC ist/war sicher nichts, was großartig für Begeisterung sorgen dürfte . . .

  5. 5.

    Das Beste aus seinen Möglichkeiten machen war schon immer das beste Marketing und genau das tut Union, sie machen einfach das Beste aus ihren Möglichkeiten. Ich finde das toll und sympatisch, Berlin hat im Fussball viel zu lange auf einen real brand warten müssen, Eisern Union ist genau so ein real brand!

  6. 4.

    Es bedarf keine 100 Millionen, um die Nummer Eins in Berlin zu sein... . Weiter so Eisern Union.

  7. 3.

    Ja, da kann man mal sehen was gutes Marketing ausmacht. Denn die Leute mögen Union vor allem, da sie den Ruf des "kleinen & anderen" Vereins haben. Ähnlich St.Pauli. Mann müsste genauso den Hut ziehen vor Mainz oder Freiburg. Aber diese betonen hallt nicht immer ihr "Underdog" dasein. Wir werden sehen wie lange der Erfolg Anhällt. Und was die Berichterstattung angeht: Etwas mehr Sachlichkeit, etwas mehr Neutralität und weniger Heiligenschein. Ansonsten: Weiterhin viel Erfolg!

  8. 2.

    Ich bin geschäftlich viel im Bundesgebiet unterwegs und es ist einfach schön zu erleben, wieviel Hochachtung und Respekt einem in den Gesprächen entgegen gebracht wird, wenn die Sprache auf Union Berlin kommt. Als Berliner war man es ja jahrzehntelang gewohnt mitleidig belächelt zu werden beim Thema Fußball, wie sich doch die Zeiten ändern, einfach toll!

  9. 1.

    Das ist nur ein Zwischenfazit! Bitte nicht blenden lassen! Weiter konzentriert arbeiten! Das Trainer Fischer zurückhaltend reagiert finde ich super! Wünsche aus der Mitte der Lausitz dem Team für die weitere Spiele viel Erfolg!

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