Max Kruse und seine Mitspieler jubeln (Quelle: imago images/Uwe Kraft)
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Audio: Inforadio | 22.11.2020 | Burkhard Hupe | Bild: imago images/Uwe Kraft

2:1-Sieg in Köln - Kruse vergibt Elfer-Rekord, schießt Union aber zum Sieg

Der 1. FC Union hat mit 2:1 (1:1) beim 1. FC Köln gewonnen. Die Köpenicker sind damit nun seit sieben Spielen ungeschlagen - und springen wieder auf den fünften Platz in der Bundesliga. Lange war es ein schwaches Spiel. Dann kam der Auftritt des Max Kruse.

Die Erfolgsserie des 1. FC Union geht weiter: In Köln gewannen die Köpenicker am Sonntagabend mit 2:1 (1:1). Damit ist das Team von Urs Fischer wieder Tabellenfünfter. Zum Matchwinner wurde - mal wieder - Max Kruse. Der Stürmer verschoss zwar im 17. Anlauf zum ersten Mal einen Elfmeter in der Bundesliga und verpasste damit den historischen Rekord im Fußball-Oberhaus, sorgte aber dennoch für den entscheidenden Jubel.

Der Spielverlauf

Das Spiel brauchte ein wenig Anlaufzeit. Unter zwei Teams, die beide noch spürbar nach der nötigen Genauigkeit suchen, war der 1. FC Union das etwas präzisere - und gefährlichere: Zunächst stand Marcus Ingvartsen nach langem Ball von Marvin Friedrich in guter Position plötzlich frei, zielte aber letztendlich doch deutlich über das Tor (10.). Besser machte es nach einer knappen halben Stunde Taiwo Awoniyi: Während in der Kölner Innenverteidigung nach einer Kopfballverlängerung Verwirrung herrschte, behielt der 23-jährige Liverpooler Leihspieler den Überblick und schob an FC-Keeper Timo Horn vorbei zum 1:0 für Union ein (27.).

Doch die Führung hielt nicht lange. Die Kölner - vor dem Duell bereits seit 17 Spielen ohne Sieg in der Bundesliga - schlugen neun Minuten später zurück. Ausgangspunkt für den Ausgleich war ein Ex-Herthaner: Ondrej Duda brachte einen Freistoß vom Strafraumeck perfekt vor das Tor von Andreas Luthe, und der war beim Kopfball von Ellyes Skhiri ohne Chance (36.). Das 1:1 sollte auch der Pausenstand sein - ein ausgeglichenes Ergebnis in einem ausgeglichenen Spiel ohne viele Höhepunkte.

Daran änderte sich auch nach Halbzeit nichts, ja: War es zuvor ein Spiel mit wenigen Chancen, gab es nun gar keine mehr. Was sich auf dem Rasen abspielte, hatte - vorsichtig gesagt - doch eher überschaubares Niveau. Erwähnenswert? Allenfalls zwei Köpenicker Mini-Möglichkeiten. Nach einer guten Stunde kam Grischa Prömel - früh für den verletzten Sebastian Griesbeck eingewechselt - aus 16 Metern zum Schuss, traf den Ball aber denkbar schlecht (62.). Fünf Minuten später wurde ein Ingvartsen-Schuss geblockt.

Doch die Partie sollte doch noch einen Höhepunkt bekommen: Sheraldo Becker flankte, Salih Özcan foulte Ingvartsen im Strafraum und Max Kruse - bis dahin fast unsichtbar - trat zum Elfmeter an. Es war sein 17. Anlauf vom Punkt in der Bundesliga, zuvor hatte er alle Versuche verwandelt. Es winkte der alleinige Bundesliga-Rekord: 17 in Folge hatte zuvor noch niemand geschafft. Doch FC-Keeper Horn hielt. Der historische Moment fiel aus - die erneute Union-Führung jedoch nicht. Denn der 32-Jährige versenkte aus kurzer Distanz im Nachschuss (72.). Das 2:1 war gleichzeitig der Endstand in Köln - auch weil die Köpenicker noch einmal Glück hatten: In der letzten Minute der Nachspielzeit klatschte ein Freistoß von Elvis Rexhbecaj gegen den Außenpfosten des Union-Tores (90.+4).

Die Kurz-Analyse

Nein, es lief nicht viel zusammen an diesem Sonntagabend in Köln. Weder bei den Hausherren - noch bei den Köpenickern. Was das Team von Urs Fischer spielerisch zeigte, war über weite Strecken dürftig und erinnerte eher an die Leistungen der Vorsaison als an das Union 2.0, das in den vergangenen Wochen auch fußballerisch auf dem Weg nach vorne immer ansehnlicher agierte. Das hatte mehrere Gründe - einer war aber an diesem Abend mehr als offenkundig: Köln gelang es, Max Kruse fast völlig aus dem Spiel zu nehmen.

Der Top-Stürmer der Eisernen stand unter enger und meist erfolgreicher Bewachung gleich mehrerer Gegenspieler. Dem Offensivspiel von Union kam so sein Fixpunkt abhanden - und in dem Moment, in dem Kruses Kreativität quasi fehlte, zeigte sich, wie wichtig, ja unerlässlich sie für die Köpenicker Weiterentwicklung ist. So blieben nur die seit jeher bekannten Union-Tugenden Kampf und Wille. Zunächst zumindest. Denn am Ende jubelte eben doch der bis dahin abgemeldete 32-jährige Neuzugang. Zwar misslang ihm auch vom Elfmeterpunkt das, was er eigentlich wie im Schlaf beherrscht. Aber Kruse wäre eben nicht Kruse, wenn er nicht auch in so einem für ihn völlig gebrauchten Spiel für eine Überraschung gut wäre.

Das sagt das Netz

Vor allem in der ersten Halbzeit sorgte das Spiel nicht unbedingt für Begeisterung.

Max Kruse sorgte mit seinem Elfmeter für den Sieg, verpasste aber den Bundesliga-Rekord. Manch ein Fan hat dazu eine ganz eigene Theorie.

Nach sieben Spielen ohne Niederlage und dem erneuten Sprung auf Platz fünf werden die Träume größer.

Die Stimmen zum Spiel

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  • Jubel von Max Kruse (Union Berlin) nach seinem Tor zum 1:2 (Quelle: imago images/Uwe Kraft)
    www.imago-images.de

    Max Kruse 

    "Natürlich ist es schade um den Rekord, aber im Endeffekt zählen die drei Punkte."

  • Urs Fischer beim Spiel von Union Berlin in Mönchengladbach. Quelle: imago images/Revierfoto
    imago images/Revierfoto

    Urs Fischer 

    "Es ist wirklich eine Momentaufnahme."

  • Unions Torwart Andreas Luthe (Quelle: imago images/Contrast)
    imago images/Contrast

    Andreas Luthe 

    "Wir mussten erst einmal schauen, wie wir Ideen finden."

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbb24, 22.11.2020, 21:45 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    1:1 in Gladbach; 1:1 auf Schalke, wobei ein Sieg drinn gewesen wäre; 3:1 in Hoffenheim und 2:1 in Köln . . . das ist schon mal keine schlechte Auswärtsbilanz für den Start in die zweite BL Saison. Dazu zu Hause noch 4:0 gegen Mainz und 5:0 gegen Bielefeld; das muss man auch erst mal machen.

    Na klar, die großen Gegner kommen erst noch - aber es ist doch zu sehen, dass die Mannschaft gut aufgestellt ist und ein gesundes Selbstbewusstsein ausstrahlt.

  2. 7.

    Jenseits der Boulevardpresse dürften das Saisonziel für Union weiterhin das gleiche geblieben sein: Klassenerhalt ohne Abstiegskampf.

  3. 6.

    Super! Bitte nicht nachlassen, es ist noch nichts erreicht! 25 Punkte fehlen noch um die magischen 40 Punkte zu erreichen!
    Zu @EsmüllertBerlin Sonntag, 22.11.2020 | 21:18 Uhr
    Bis mal richtige Gegner kommen. Der Spielplan meint es gut mit Köpenick!
    Sie haben recht, aber die Punkte muss man auch erstmal holen!

  4. 5.

    Glückwunsch an Union!

    @Esmüllert: OK, mit solchen Krachern wie Augsburg, Wolfsburg, Stuttgart, Frankfurt und Bremen war der bisherige Spielplan für Hertha natürlich eine unlösbare Aufgabe, das muss man unumwunden zugeben.

  5. 4.

    Union ist 8 Punkte und 13 Tore vor Hertha. Feine Sache ;)

  6. 3.

    Fuffzehn auf sicher.
    läuft!

  7. 2.

    Bis mal richtige Gegner kommen. Der Spielplan meint es gut mit Köpenick!

  8. 1.

    Union macht es Hertha vor, wie es geht. Bravo. Glückwunsch und weiter so.

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