Matteo Guendouzi (imago images)
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Serie | Der Derby-Countdown - Fünf Gründe für einen Hertha-Sieg

Vor dem Hauptstadtderby scheint die Rollenverteilung klar: Union liegt in der Fußball-Bundesliga-Tabelle vorn und hat die überzeugenderen Auftritte hingelegt. Doch es gibt mindestens diese fünf Gründe, warum die Hertha dennoch gewinnen kann. Von Ilja Behnisch

Was für einen Sieg von Union spricht, haben wir hier aufgeschrieben.

1. Derbys bedeuten Ausnahmezustand

Für den Fußball gelten eherne Weisheiten. Zum Beispiel: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Oder: Ein Spiel dauert 90 Minuten. Und: Bei Derbys spielt der Tabellenstand keine Rolle. Denn Derbys sind wie kleine Meisterschaften für sich, Stadt-Meisterschaften zum Beispiel und qua ihrer Bedeutung derart aufgeladen, dass reguläre Maßstäbe wie eine schnöde Bundesliga-Tabelle nicht mehr von Belang sind. Mag ja sein, dass die Köpenicker satte sieben Plätze und acht Punkte vor den Charlottenburgern liegen. Mag ja zudem sein, dass sie in ihrem System gefestigter wirken und in dieser Saison fast durchweg zu überzeugen wussten. Und mag ja obendrein sein, dass Hertha das schwächste Heim-Team der Liga (ein Punkt aus vier Spielen) und Union das fünftbeste Auswärtsteam stellt. Doch wenn am Freitag um 20:30 Uhr der Anpfiff ertönt, spielt all das nur noch eine untergeordnete Rolle. Denn Derbys kennen zumeist nur eine Vergangenheit - ihre eigene.

2. Hertha hat eine Stammelf

Wer es doch lieber handfest mag, kann sich vielleicht damit anfreunden: Gegen Dortmund und Leverkusen schickte Bruno Labbadia zwei Mal dieselbe Startelf hintereinander ins Rennen. Angesichts der 2:5-Niederlage gegen den BVB lag das nicht an einer weiteren Fußball-Weisheit, nämlich jener, nach der man niemals siegreiche Mannschaften austauschen sollte. Sondern vielmehr daran, dass die ersten 45 Minuten gegen Dortmund und die kompletten 90 Minuten in Leverkusen offenbarten: Hertha hat eine Stammformation gefunden. Aufgrund der gesundheitsbedingten Ausfälle von Jordan Torunarigha (Corona-Infektion) und Jhon Cordoba (Bänderverletzung) nicht auf allen Positionen so ganz freiwillig, aber immerhin. Und wenn wir das Fass mit den Fußball-Weisheiten schon mal geöffnet haben, können wir auch gleich noch die viel gerühmten Automatismen hervorholen, die dann nach und nach greifen. Und im Fall von Hertha BSC hinzufügen: stimmt sogar.

3. Hertha hat Mattéo Guendouzi

Der 1. FC Union Berlin hat Max Kruse. Und Hertha BSC? Mattéo Guendouzi. Einen Unterschieds- und Mentalitätsspieler, wie man ihn braucht für so ein Derby. Guendouzi läuft und läuft und grätscht und rackert vermutlich auch im Schlaf noch über die Fußballplätze dieser Welt. Und das in einer Art und Weise, die zurzeit eigentlich eher verpönt ist, nämlich ansteckend. Guendouzi ist einer jener Spieler, bei denen allein das Zuschauen so viel Freude macht, dass man am liebsten selbst mitspielen und -grätschen möchte. Eine Ausstrahlung, die sich auch auf seine Nebenleute überträgt. Der Franzose macht seine Mitspieler nicht nur durch seine Ballgewinne und schlauen Spieleröffnungen besser. Er lebt in jeder Sekunde auf dem Rasen vor, dass Gewinnen auch von Wollen kommt.

4. Hertha hat die bessere Mannschaft

Addiert man die – zugegeben fiktiven – Marktwerte von Herthas Mattéo Guendouzi und Matheus Cunha, kommt man laut "transfermarkt.de" auf propere 64 Millionen Euro. Und damit über den Gesamtmarktwert von Union (61,13 Millionen Euro). Nun haben die Köpenicker in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen, dass Geld eben doch nicht das alleinstellende Merkmal für Erfolg ist im Fußball. Dennoch: Marktwerte und Ablösesummen sind immer auch Ausdruck von individueller Qualität der Spieler. Und die ist bei Hertha ungleich höher als bei Union. Die Mannschaft von Urs Fischer mag auch Dank des Könnens des Schweizers besser sein als die Summe ihrer Einzelteile. Hertha ist allein aufgrund seiner Einzelkönner jederzeit in der Lage, gegen Mannschaften wie Union zu gewinnen. Und unlängst auf dem Weg, selbst besser als seine Einzelteile werden (siehe: Hertha hat eine Stammelf).

5. Gutes Omen

"Fakten, Fakten, Fakten" für das gute Gefühl in Blau-Weiß: Hertha hat seit Beginn der Corona-Pandemie noch nie gegen Union verloren. Stattdessen gab es am 22. Mai 2020 einen 4:0-Heimerfolg. Zudem fällt der Namenstag "Hertha" auf den 2. Dezember und damit in die Derby-Woche. Zufall? Wohl kaum … Weiterhin jährt sich am Freitag die Uraufführung des Film-Klassikers "Im Westen nichts Neues" zum 90. Mal. Und die Quersumme des Spieldatums ergibt elf. Eine Rückennummer, die bei Hertha von Dodi Lukebakio und bei Union von Anthony Ujah getragen wird. Lukebakio wird aller Voraussicht nach spielen im Hauptstadtderby (siehe: Hertha hat eine Stammelf), Ujah verletzungsbedingt passen müssen. Wem das nicht eindeutig genug ist, der suche Rat in einem Facebook-Livevideo von Jürgen Klinsmann.

Sendung: 30.11.2020, rbb UM6, 18:15 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Es entscheidet die Tagesform. Nur zur Erinnerung: die Saison endet am 34.Spieltag.

  2. 16.

    Geld schiesst keine Tore (nur ganz ganz viel), deshalb klare Sieg für Union

  3. 15.

    „ Marktwerte und Ablösesummen sind immer auch Ausdruck von individueller Qualität der Spieler. “
    Echt jetzt :-)
    Man schaue sich die Tabelle an ...
    Geld allein macht nicht glücklich ...

  4. 14.

    Sie haben wohl die Tabelle nicht im Blick?
    Gut, wenn man sie auf den Kopf stellt, dann kommt es einem so vor, dass dann die alte Dame Hertha derzeit Hauptstadtmeister ist.
    HaHaHa.
    @Berliner Flegel
    Ihre Aufstellung der letzten hervorragenden und siegreichen Spiele, das Pokalaus, ist beachtlich. Danke dafür!
    Freuen wir uns also auf Freitag.

  5. 13.

    Hertha befindet sich im Umbruch, der sich schwieriger gestaltet als es Teile seiner Anhängerschaft vielleicht erwartet hatten. Einige sind bereits übermäßig nervös geworden. Andere sehen das noch etwas gelassener, wenngleich ein paar Probleme Hausgemacht sind, die abseits des Thema Umbruch zu erklären sind. Hertha hat bislang tendenziell mehr für die Offensive eingekauft. Für das Mittelfeld und die Außenverteidigerpositionen sind meinesachtens noch Baustellen vorhanden. Ein eher mangelhafter Spielaufbau und die schnellen Ballverluste sind noch die Achillesferse bei Hertha. Bei Union muss man feststellen, dass sie ein nicht besonders ansehnlichen Fußball spielen. Aber, sie beherschen, ein quasi perfektes Positionsspiel, und dazu kommt noch, eine gute Mentalität, was sie unangenehm macht. Mit Kruse haben sie ein Unterschiedsspieler und damit sind sie am Limit angekommen. Die Spielansetzungen haben ihnen auch in die Karten gespielt. Union ist Favorit - Hertha muss gewinnen. Feuer frei!

  6. 12.

    Nette Statistiken, aber abgerechnet wird bekanntlich immer am Ende, zwischenzeitlich dann gerne auch schon mal am Freitag um etwa 22.15 Uhr. Viele Grüße vom amtierenden Hauptstadtmeister! HaHoHe Hertha BSC!

  7. 9.

    Berliner Flegel, könnten Sie sich Ihre permanenten, provokativen Anti-Hertha Kommentare mal in die Tasche drücken?! Denn das wirkt für einen FCU Fan m. E. mittlerweile reichlich unnötig. Wir schauen auf uns und müssen nicht unter jedem Hertha Bericht irdendwas Stänkerisches absondern.

    Wenn ein Herthaner Dumfug zu Union schreibt bin ich der erste, der Kontra gibt. Dafür bin hier ja schon fast "berüchtigt". Aber immer wieder Hertha ins Verhältnis zu Union zu setzen, ist in dieser Form doch Kinderk*cke.

  8. 8.

    Der kleine Unterschied:
    Hertha hat seit dem 06.06.20 bis heute
    13 mal verloren, 2 mal unentschieden gespielt und ist aus dem Pokal = Platz 13 - nicht weit von der Abstiegszone
    Union Berlin hat im gleichen Zeitraum (da zähle ich nur die) 16 mal gewonnen = Platz 6 - Europaliga und vielleicht ab Freitag Liga.
    Ja, da braucht man nun wirklich nicht viel Ahnung zu haben, die Zähle sprechen für sich.

  9. 7.

    Ja, so sind die Hertha-Fans: ein Unentschieden wird da schon als epochale Sieg gefeiert.
    Sprechen wir uns nach der nächsten Klatsche, die am Freitag kommt.
    Hatte ich schon auf den Unterschied hingewiesen? 13

  10. 6.

    Stimmt schon, die Bestandsaufnahme der vergangenen Spieltage gibt nicht unbedingt einen Sieg für Hertha her. Aber genau das ist doch der Grund, weshalb nach dem am Sonntag erkämpften Punkt jetzt die sportliche Wende für die Blau-Weissen eingeläutet ist. Ihr Eisernen werdet schon sehen, dass man zum Erklettern des Olymps eine ganze Saison braucht und nicht nur einen guten Start. Denn die schweren Gegner kommen erst noch. Auch Hertha durfte dies in der Vergangenheit schon erfahren... ;-)

  11. 5.

    Sehr viel Ahnung scheinen Sie ja nicht zu haben, wenn Sie behaupten, dass Hertha das letzte Mal vor sieben Spielen gewonnen hätte. Ich darf Sie verbessern: Herthas letzter Sieg war gegen den FC Augsburg (gegen die Union verlor), das war ein Spiel vor Dortmund. Gern geschehen. Wir sprechen uns nochmal, wenn Union die Spiele gegen Bayern, Leipzig, Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg hinter sich hat, alles bereits Gegner der Blauweißen.

  12. 3.

    Ups, da war ich wohl zu voreilig. Habe den Artikel mit den fünf Gründen, wieso Union gewinnt, erst nach diesem gesehen. Dann ziehe ich mein Kommentar hier natürlich zurück.

  13. 2.

    Klingt wie lautes Pfeifen im dunklen kalten Wald.
    3. Hertha hat Mattéo Guendouzi - na und? Ist das der, der immer das Unentschieden erkämpft und somit die sieben letzten Spiele gewonnen hat?
    4. Hertha hat die bessere Mannschaft - das stimmt! Darum stehen sie auf Platz 13 und vor sieben Spielen das letzte Mal gewonnen. Das nennen ich nun wirklich eine "bessere Mannschaft" als die, die auf Platz 6 stehen und doppelt soviel Punkte haben.
    Das ist dann das Ergebnis zum Punkt 2. Hertha hat eine Stammelf.

    Ist schon schön, wie man dem einzigen weltallbesten Berliner Fußballclub Mut macht.

  14. 1.

    Was ist das für ein komischer Artikel? Meiner Meinung nach stehen die Zeichen eher für einen Union-Sieg im Derby - auch wenn ich mir natürlich einen blau-weißen Sieg wünschen würde.
    Aber dieser Artikel passt natürlich super in das Bild der größenwahnsinnigen Hertha, welches die Medien gerne mal bedienen, aber die Mehrheit der Fans nicht widerspiegelt.

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