Youssoufa Moukoko im Training von Borussia Dortmund. Quelle: imago images/Kirchner-Media
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Dortmunder Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko - Ein Teenie könnte im Olympiastadion Geschichte schreiben

Seit Monaten wächst der Hype um den jungen BVB-Stürmer Youssoufa Moukoko. Am Samstag, einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, könnte er gegen Hertha sein Bundesliga-Debüt geben - und zum jüngsten Spieler der Geschichte werden. Von Jonas Bürgener

Wenn Hertha BSC am Samstagabend (20:30 Uhr) Borussia Dortmund empfängt, könnte es im Berliner Olympiastadion historisch werden. Der Grund: Dortmunds Youssoufa Moukoko wird am Tag zuvor 16 Jahre alt - und das hoch gehandelte Nachwuchstalent der Borussia könnte dann die große Fußball-Bühne betreten.

Seit April gilt in der Bundesliga eine Neuregelung, die es 16-jährigen Hochbegabten erlaubt, in den Profibereich aufzurücken. Bisher musste man für ein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse A-Jugendlicher des älteren Jahrgangs sein, oder aber das 18. Lebensjahr vollendet haben. Moukoko könnte am Samstag also der jüngste Spieler der Bundesliga-Geschichte werden. Es wäre der vorläufige Höhepunkt des riesigen Hypes um den jungen BVB-Stürmer.

Als 13-Jähriger in der U17

Als die Regeländerung im April nach einem Antrag von eben Borussia Dortmund beschlossen wurde und die Deutsche Fußball Liga (DFL) damit den anderen internationalen Top-Ligen in Europa folgte, war die Freude vor allem - Überraschung - beim BVB groß. Ohnehin gelten die Schwarz-Gelben in Europa als eine der besten Adressen, wenn es um die Ausbildung junger Spieler geht. Zuletzt kamen die oft in jungen Jahren aus dem Ausland, etwa England (Jadon Sancho, Jude Bellingham) oder den USA (Christian Pulisic, Giovanni Reyna). Mit Moukoko hat der Ruhrgebiets-Klub aber auch eins der vielversprechendsten Talente Deutschlands in seinen Reihen.

Der junge Stürmer hat durch seine Leistungen im Juniorenbereich bereits früh über die Grenzen der Republik hinaus für Aufsehen gesorgt. Seit 2016 trägt der deutsche Junioren-Nationalspieler das Trikot des BVB. 2017 debütierte er bereits als 13-Jähriger in der U17-Mannschaft des Klubs. Seitdem hat er in 88 Pflichtspielen sagenhafte 141 Tore erzielt, meist gegen deutlich ältere Gegenspieler. Allein in der U19-Bundesliga, in der Moukoko bislang 23 Mal für die Borussia zum Einsatz kam, traf er 44 Mal. Zahlen, die beeindrucken.

Im Jugendbereich war der schnelle wie athletische Angreifer schlichtweg unterfordert. Schon seit dem Sommer trainiert er deshalb mit den Profis. Nicht erst seitdem wird beinahe jeder Schritt des Stürmers von Fans und Medien in Deutschland und Europa genau beobachtet.

Mehr als 700.000 Menschen verfolgen täglich auf Instagram das Leben des (noch) 15-jährigen Kickers. Zum Vergleich: Hertha BSC hat derzeit 190.000, Union Berlin 116.000 Follower. Die Erwartungen an Moukoko sind riesig. Der oft als "Wunderkind" betitelte Angreifer wird in ganz Europa als einer der absoluten Top-Spieler in den nächsten Jahren gehandelt.

Rekordhalter Sahin bremst

"Alle Beteiligten haben sich danach gesehnt, dass es jetzt losgeht“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB, jüngst dem "Kicker". Der ehemalige Dortmunder Kapitän fügt aber hinzu: "Das ist ein großer Schritt für ihn, ein Prozess. Wir müssen ihm die nötige Ruhe und Zeit geben". Auch Ex-Borusse Nuri Sahin, der 2005 mit 16 Jahren und 335 Tagen den bis heute gültigen Rekord als jüngster Bundesliga-Spieler aufstellte, fordert im "Kicker" Geduld: "Bisher scheint bei Youssoufa nur die Sonne, Regentage hatte er bisher nicht", meint Sahin. "Aber diese Regentage werden kommen. Wichtig ist dann, dass man Leute um sich hat, die einen begleiten".

Trainer Lucien Favre mit Lennart Hartmann (Quelle: imago images/Bernd König)
Lennart Hartmann 2008 mit dem damaligen Hertha-Coach Lucien Favre.Bild: imago images/Bernd König

Auch Herthas Jüngster debütierte unter Favre

Eine wichtige Rolle spielt dabei für jeden Spieler der Trainer. Der Berliner Lennart Hartmann ist davon überzeugt, dass Dortmunds akribischer Fußball-Lehrer Lucien Favre ein Coach ist, der ein Händchen für junge Spieler hat und sie in ihrer Entwicklung unterstützen kann.

Der heute 29-Jährige ist der jüngste Bundesliga-Debütant von Hertha BSC. 2008 wurde er als 17-Jähriger im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt eingewechselt. Trainer von Hertha war damals jener Lucien Favre. "Ich durfte in der Vorbereitung schon sehr viele Spiele machen. Favre hat viel mit mir gesprochen und mir sein Vertrauen gezeigt. Dass es dann so schnell gehen würde, hätte ich aber nicht gedacht", erinnert sich Hartmann, der heute beim BFC Preussen in der Landesliga kickt.

Er glaubt, dass junge Spieler heute noch besser auf die Bundesliga vorbereitet werden, warnt aber auch vor der enormen Fallhöhe: "Die Talente von heute sollten ihre Aktivitäten abseits des Fußballplatzes nicht vernachlässigen", empfiehlt Hartmann. "Ich weiß selbst, dass man wie in einem Traum lebt. Ich bin aber das beste Beispiel dafür, wie schnell so ein Traum auch zerplatzen kann", meint Hartmann, der nach seinem Debüt nur auf zwei weitere Einsätze im Fußball-Oberhaus kam. Hertha verließ er 2011 nach Aachen zu Alemmania, mittlerweile kickt er schon seit ein paar Jahren im Berliner Amateurfußball.

Youssoufa Moukoko mit Dortmunds Trainer Favre. Quelle: imago images/Kirchner-Media
Favre in engem Austausch mit Moukoko. | Bild: imago images/Kirchner-Media

Jura statt Profifußball

Hartmann weiß, dass es für junge Spieler durch Verletzungen oder andere Rückschläge schnell vorbei sein kann mit der großen Profikarriere. Er ist heute hauptberuflich Jurist, macht derzeit ein Referendariat in der Staatsanwaltschaft und ist nebenbei Inhaber einer Fußballschule. Hartmann war auf einen Plan B angewiesen und ist damit heute glücklich.

Youssoufa Moukoko wird darüber in diesen Tagen wohl kaum nachdenken. Der junge Borusse hat die schillernde Welt der Fußball-Bundesliga fest vor Augen. Den historischen Startschuss könnte es bereits am Wochenende im Olympiastadion geben. Ansonsten hat er zumindest noch weitere 334 Tage Zeit, Bundesliga-Geschichte zu schreiben.

Sendung: rbb UM6, 18.11.2020, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ich sehe schon die RBB-Schlagzeile vor mir: Gelingt Hertha gegen xyz die Überraschung?

  2. 3.

    Zur Überschrift: Bitte nicht! ;))

  3. 2.

    Na wenn Sie sich da mal nicht in Moukoko irren. Nicht umsonst wird das Alter des "Teenies" bis heute angezweifelt, gerade die Fotos als er erst 12 Jahre alt war lassen berechtigte Zweifel zu.

  4. 1.

    Ausgerechnet wieder gegen Hertha, die haben wirklich die Saison Pech mit den ganzen Ansetzungen.
    Z.b. die ganzen schwachen Mannschaften wie Köln und Schalke noch nicht gehabt und wahrscheinlich erst wieder wenn die dann stärker auftrumpfen.
    Aber bei moukuku mache ich mir keine Sorgen, ich denke den muss man nur entsprechend mit ganzer fairer manneskraft entgegen stemmen, dann sollte das kein Problem sein.

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