Der Ex-Herthaner Lennart Hartmann bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Eintracht Frankfurt im August 2008 (imago images)
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Video: rbb UM6 | 20.11.2020 | Torsten Michels | Bild: imago images

Interview | Herthas jüngster Bundesligadebütant Lennart Hartmann - "Eine andere Nummer als vor zehn Jahren"

Dortmunds Youssoufa Moukoko (16) könnte am Samstag zum jüngsten Bundesligaprofi aller Zeiten werden. Bei Gegner Hertha ist das bis heute Lennart Hartman, der mit 17 zu seinem Debüt kam. Ein Gespräch über Lucien Favre, Verletzungen und die Gefahr des Unbekannten.

rbb|24: Lennart Hartmann, haben Sie noch Erinnerungen an ihren ersten Bundesliga-Einsatz für Hertha BSC am 17. August 2008? Mit ihren damals 17 Jahren, vier Monaten und 14 Tagen sind Sie immerhin bis heute Herthas jüngster Bundesligaspieler der Geschichte.

Lennart Hartmann: So ein paar Bilder sind natürlich schon noch im Gedächtnis. Ich erinnere mich ganz gut, als der Zeugwart damals mein Trikot hochgehalten hat und ich wusste, jetzt ist der Moment gekommen und es ist soweit.

Hatten Sie mit dem frühen Profi-Debüt gerechnet?

Durch die Vorbereitung hat sich das Ganze angebahnt. Ich habe gemerkt, dass ich relativ viel gespielt habe für mein junges Alter. Ich habe gemerkt, dass der Trainer immer häufiger mit mir gesprochen hat, auch sehr detailliert mit mir gesprochen hat und so dachte ich insgeheim schon, dass dieses Jahr wohl meine Chance kommen wird.

Sie sind bis heute Herthas jüngster Bundesligaspieler und in diesem Ranking auf Platz 18 der Bundesliga.

Das macht einen natürlich schon stolz. Das ist ja schon was Besonderes, ein Teil der Bundesliga-Geschichte zu sein. Aber nichtsdestotrotz ist das alles lange her.

Am Ende mussten Sie ihren Profikarriere nach nur drei Bundesligaspielen begraben, auch, weil Sie immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Wie schwer fiel es Ihnen, diese Realität anzuerkennen?

Man hat sich gerade darauf eingestellt, dass es jetzt erst so richtig los geht. Am Ende es Tages war es da aber fast schon wieder vorbei. Natürlich war die körperliche Komponente eine ganz erhebliche. Das ist im Nachhinein betrachtet sehr, sehr traurig gelaufen alles, aber alles kommt wie es muss im Leben. Letztendlich habe ich beim Karriereende zwei, drei Jahre sicherlich hart dran zu knabbern gehabt, aber mittlerweile bin ich ganz klar über den Moment drüber.

Der Trainer, der Ihnen damals zu Ihrem Bundesliga-Debüt verholfen hat, hieß Lucien Favre. Er könnte jetzt auch Youssoufa Moukoko zum jüngsten Bundesliga-Profi aller Zeiten machen. Hat er ein besonderes Händchen für junge Spieler?

Favre ist einer, der gut kann mit jungen Leuten, der es aber auch will. Ich habe damals die Chance bekommen, nachdem er sich Jugendspiele von uns auf DVD angeschaut hatte. Daraufhin bekam ich den Anruf, dass ich mich doch mal bei den Männern vorstellen dürfte. Also ich glaube, dass er schon einen ganz besonderen Anreiz darin sieht, junge Spieler zu entwickeln und sie eventuell auch in die erste Mannschaft einzuführen. Von daher glaube ich, dass mit Moukoko bald der nächste die Bühne betritt.

Tut man den Spielern denn einen Gefallen, sie schon in so jungen Jahren Bundesliga spielen zu lassen?

Ich denke schon. Letztendlich hat er sich über Wochen und Monate durch seine sportlichen Leistungen dafür qualifiziert. Ich glaube nur, ganz, ganz wichtig ist es, so einen jungen Spieler auch auf der menschlichen Ebene, neben dem fußballerischen Leben, zu begleiten. Und ihn ganz klar einzuordnen und auch mal wieder vor Augen zu führen, wo er gerade steht, wie er mit der Situation umgehen kann. Einen jungen Menschen in so einer Situation allein zu lassen, ist schon bedenklich.

Also käme der Schritt nicht zu früh?

Man will es als Spieler und ich glaube auch gar nicht mehr, dass es zu früh ist. Weil die Jungs heute super ausgebildet sind. Insbesondere im Athletischen hat sich der Fußball nochmal sehr weiter entwickelt, das Jugendtraining dementsprechend auch. Und wenn ich heute sehe, auf welchem Stand die 16-, 17-Jährigen sind, dann ist das natürlich schon eine ganz andere Nummer als vielleicht noch vor zehn Jahren.

Kann ein 16-Jähriger wie Moukoko überhaupt eine Gefahr darstellen für eine gestandene Bundesliga-Abwehr wie die von Hertha BSC?

Definitiv. Ich glaube gerade das erste Jahr ist immer für andere Mannschaften ziemlich gefährlich, weil Du den Spieler eben noch nicht so gut kennst, dich taktisch vielleicht auch noch gar nicht so auf ihn einstellen kannst.

Das Interview führte Torsten Michels und ist eine leicht redigierte Fassung eines TV-Gesprächs.

Sendung: rbb24, 19.11.2020, 21:45 Uhr

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