Mannschaft von Tasmania Berlin in der Saison 1965/66
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Video: 14.08.2019 | 00:00 | rbb Sport | Bild: imago images / Horstmüller

So geht es Tasmania Berlin heute - Ein Ruck durchs Ra-Ra-Ra

Angesichts der Schalker Sieglos-Serie von 24 Spielen schaut ganz Fußball-Deutschland mal wieder auf Tasmania Berlin, die einst 31 Spiele ohne Erfolg blieben. Dabei hat auch die Gegenwart des Klubs aus Berlin Neukölln mächtig was zu bieten. Von Ilja Behnisch

Muss man erstmal schaffen, mit einer einzigen Saison von vor über 50 Jahren auch heute noch Gesprächsthema zu sein. So wie Tasmania Berlin, die in der Spielzeit 1965/66 für die Dauer von 31 Spielen ohne Sieg blieben. Abstieg lautete die logische Folge, bis heute spielte nie ein Bundesligist eine schlechtere Saison. Bei Tasmania schauen sie heute dennoch voller Stolz zurück. Die Insolvenz von 1973 hingegen wirkt bis heute nach.

Ein Bruch sei das gewesen, sagt Hagen Nickelé, ehrenamtlicher Pressesprecher des Nachfolgevereins SV Tasmania Berlin 1973 und Betreiber der Internetseite „berlinsport-aktuell“ [berlinsport-aktuell.de]. Der Verein hatte nach dem Abstieg stets oben mitgespielt, scheiterte allein drei Mal erst in der Aufstiegsrunde. Dann der Bankrott. Seither heiße es "immer wenn was schief geht, oder wenn sie kurz vor Schluss wieder den Ausgleich kriegen: Ja, siehste, typisch Tasmania.“

Der Verein hat ehrgeizige Ziele

Immerhin nähmen es die Anhänger inzwischen mit Humor. Auch jene, die schon zu Bundesliga-Zeiten zu "Tas" gegangen seien und die auch heute noch zu den Spielen kommen. "Das ist halt ein ganz besonderer Rekord und mit ein bisschen Humor und Augenzwinkern kann man das eigentlich nur gut finden", sagt Nickelé. Die Vereinsführung sieht es ähnlich. So befand Tasmanias Vorstandsvorsitzender Almir Numic unlängst gegenüber dem Sportinformationsdienst: "Das ist seit Jahrzehnten unser Rekord. Der gehört zur Tasmania-Identität. Zu Saisonbeginn wird in der Sportschau immer über uns gesprochen. Da stehen wir gratis in der Presse. Da brauchen wir keine Werbekampagne. Es wäre schön, wenn das weiterhin so wäre."

Dabei hat Numic, der die Vereinsführung vor rund einem Jahr übernommen hat, ehrgeizige Ziele. Oder wie es der Journalist Andreas Krühler beschreibt, der den Klub seit dem Oberliga-Aufstieg 2019 für die Berliner Fußball-Woche begleitet: "Der Verein hat einen Umbruch vollzogen." Zwar halte man sich bedeckt, wolle sich Schritt für Schritt entwickeln, aber intern, so glaubt Krühler, "will man schon mittelfristig in der Regionalliga spielen."

Ein schlafender Riese

Mit dem Unternehmer Numic (Hotelservice und Facility-Management) kamen auch Investitionen. Ein "Ruck" sei durch den Klub gegangen, sagt Krühler. Das Vereins-Casino ist auf Vordermann gebracht, die Kabine renoviert und die Sitzschalen frisch gestrichen worden. Nach über 15 Monaten, die in den Umkleiden aufgrund eines Starkregens nur kaltes Wasser floss, sind auch die Sanitäranlagen wieder intakt.

Es herrscht Aufbruchstimmung bei Tasmania. Sollte der Verein aufsteigen, "was sehr realistisch ist, werden die gut Welle machen", sagt Malte Schruth, seit vielen Jahren als Trainer im Berliner Amateur- und Jugendfußball aktiv. Schruth ist Gründungsmitglied des "Movement FC", eines Kreuzberger Vereins, der Spieler*innen, Trainer*innen und Kreative unter ein Dach bringt, um dem Fußball an seinen Wurzeln nachzuspüren.

Und Tasmania, so Schruth, sei ein "schlafender Riese. Mit diesem Erbe, dieser Story. Mit diesem Neukölln-Ding." Neukölln, wo Ur-Berliner auf Migranten und Hipster treffen. Auf dem Tempelhofer Feld, im Schillerkiez oder eben im Werner-Seelenbinder-Sportpark von Tasmania. Ein Stadion für Fußball-Romantiker. Keine Laufbahn, leichte Patina, gute Stimmung. Und wenn der Stadionsprecher mal nicht kann, springt Hagen Nickelé ein, mitten aus dem Fanblock der "Tasmanischen Teufel" und dann "Ra-Ra-Ra-, Tasmania".

Die Mannschaft auf Platz 1, die Stadt mit im Boot

Eigentlich fühlen sie sich wohl in der Oberliga. "Jahrzehntelang war es so ein Verein, ein bisschen im Dornröschenschlaf. Es wurde immer in der Berlin-Liga gespielt, höchste Berliner Liga, auch ganz gut. Man ging so hin, meistens hat man gewonnen, aber für den Aufstieg hat es nicht gereicht. Typisch Tasmania … Jetzt wird alles ein bisschen zielstrebiger, ein bisschen moderner. Aber der neue Vorsitzende hat sich vorher auch ein Stimmungsbild verschafft, ob das bei den Fans auf Akzeptanz trifft. Und das Verhältnis ist gut."

Derzeit ruht der Spielbetrieb in der Oberliga Nord. Tasmania liegt auf Rang eins, ist nach neun Spielen noch ungeschlagen. Trainer Abu Njie gilt als ebenso besessen wie fähig, die Mannschaft als stark. Das Bezirksamt Neukölln soll zugesagt haben, in die Anlage zu investieren. Von bis zu 5,5 Millionen Euro ist die Rede. Die Nachwuchsarbeit, derzeit noch "nicht so prickelnd", wie Malte Schruth sagt, befinde sich gerade im Umbau: "Wir gehen alle davon aus, dass es die nächsten Jahre richtig große Schritte geben wird."

Muss man erstmal schaffen, mit einer einzigen Saison von vor über 40 Jahren auch heute noch Gesprächsthema zu sein. Und trotzdem auf eine gute Zukunft hoffen zu können.

Beitrag von Ilja Behnisch

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