Interview | Andreas Luthe - "Union ist durchaus ein bisschen anders"

Andreas Luthe (imago images)
Audio: Inforadio | 29.11.2020 | Thomas Kroh | Bild: imago images

Er tausche mit Unions Erfolgsgarant Rafał Gikiewicz die Klubs und behauptete sich bei den Eisernen gegen den prominenten Neuzugang Loris Karius. Warum Andreas Luthe einen so guten Start in Berlin erwischte und was für ihn eine "vernünftige Ecke" dieser Stadt ist.

rbb|24: Andreas Luthe, wie haben Sie den ersten Advent verbracht?

Andreas Luthe: Ach, ganz ruhig. Wir hatten noch Training, haben das Spiel ein bisschen nachbereitet und dann war erstmal Erholung angesagt.

Sie haben Anfang August in Berlin unterschrieben. Wann hat Union bei Ihnen angefragt?

Im Laufe des Sommers irgendwann. Als klar war, dass ich den FC Augsburg ablösefrei verlassen kann, haben wir mit den ersten Gesprächen begonnen. Und dann war für mich relativ schnell klar, dass ich das gerne machen möchte.

Sie haben quasi die Klubs getauscht mir ihrem Vorgänger bei Union, Rafał Gikiewicz.

Das ist einfach ein kurioser Zufall gewesen, dass dieser Torwarttausch stattgefunden hat. Ich bin einfach froh gewesen, dass mit Union ein hervorragender Verein Interesse hatte und wir uns schnell einig geworden sind. Ich glaube, es passt einfach. Wenn man meine Vita durchschaut, VfL Bochum, FC Augsburg und jetzt Union Berlin - das sind alles Klubs, die sicherlich eine gewissen Historie haben und ich fühle mich da sehr, sehr wohl.

Wie haben Sie sich an der Spree eingelebt?

Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Wir bei Union haben eine sehr intakte Truppe, finde ich. Also mir wurde es sehr, sehr leicht gemacht. Berlin als Großstadt hat mich schon so ein bisschen geflasht am Anfang. Es ist ja doch sehr, sehr groß alles. Aber mittlerweile fühle ich mich sehr wohl, kenne die vernünftigen Ecken, kann mich auch ohne Google-Maps schon fortbewegen, also es funktioniert ordentlich.

Welche sind denn die vernünftigen Ecken?

Es gibt so viel zu sehen! Ob es um uns herum in Köpenick ist oder Richtung Mitte. Es gibt so viel zu tun, so viel zu sehen, wenn wir denn dann mal frei haben. Und das genieße ich alles und versuche noch ein bisschen reinzufinden und so viel wie möglich zu entdecken.

Sie haben die "intakte Truppe" erwähnt. Was zeichnet diese Mannschaft aus?

Es ist einfach ein unheimlicher Zusammenhalt, würde ich sagen. Und die pure Lust, Erfolg gemeinsam zu haben. Und das meine ich auch so – gemeinsam zu haben. Ich glaube einfach, dass wir vielleicht qualitativ in der Bundesliga nicht die allerbesten sind, aber wir haben ein unheimlich gutes Zusammengehörigkeitsgefühl, wir kämpfen füreinander und haben darüber hinaus doch noch den ein oder anderen, der herausragende Qualitäten hat. Diese Mischung und der Umstand, dass wir alle bereit sind, hart zu arbeiten, sorgen dafür, dass wir im Moment ganz erfolgreich Fußball spielen.

Von Union heißt es gerne mal, der Verein sei anders als andere Vereine. Wie fällt Ihr bisheriges Urteil aus?

Ja, das ist durchaus ein bisschen anders. Wenn ich aus dem Stadion komme und mich zehn Leute mit "Eisern" begrüßen, dann ist das schon speziell. Es wird schon gelebt vor Ort. Ich finde das sehr, sehr ordentlich, wie diese Leute den Verein leben. Das macht einfach Spaß. Ich erlebe die Alte Försterei jetzt gerade noch ohne Zuschauer und freue mich Tag für Tag auf den Tag, wo es endlich wieder mit vollem Haus losgeht. Und dann ist es sich nochmal ein ganz anderes Gefühl.

Wie war das, als mit Loris Karius plötzlich ein wirklich prominenter Konkurrent auf der Matte stand?

Ich habe es schon in mehreren Interviews gesagt: Ich bin erstmal positiv überrascht, dass Union mittlerweile Spieler wie Loris oder auch Max Kruse davon überzeugen kann, an die Alte Försterei zu kommen. Ich finde, das ist im zweiten Bundesligajahr nicht selbstverständlich. Und insgesamt sind wir als Kader ganz gut und breit aufgestellt und ich habe es schonmal gesagt: Loris macht mich im Moment besser, weil er mir im Nacken sitzt und dafür sorgt, dass ich mich nicht ausruhe.

In Bochum sind Sie mit ihrem damaligen Trainer Gertjan Verbeek aneinander geraten. Hinterher sagten Sie, von diesem Disput profitiert zu haben.

"Ich bin Freund von ordentlicher Diskussion. Denn ich halte mit meinen Argumenten auch nicht hinter dem Berg. Ich bin immer Freund davon gewesen, Diskussionen zu führen, vernünftig und argumentativ. Und dann kann ich wirklich mit allem leben, so lange man sich miteinander unterhält und nicht übereinander spricht.

Was können Sie an einer Mannschaft überhaupt nicht ausstehen?

Faulheit, würde ich sagen. Und wenn der Teamgedanke nicht respektiert wird. Das ist ein Mannschaftssport und wir kämpfen füreinander und müssen zusammenstehen.

Als gebürtiger Nordrhein-Westfale sind Sie vermutlich ein eher ruhiger Zeitgenosse. Wie sieht das aus, wenn Sie mal wütend werden?

Ich werde sehr selten wütend. Unzufrieden bin ich oft. Weil ich einen hohen Anspruch an mich und alles um mich herum habe. Aber so richtig wütend aus meiner Haut fahre ich selten, ich versuche dann doch, es im Dialog zu lösen und Probleme aus der Welt zu schaffen.

In Sachen Union besteht dafür im Moment ja auch kein Grund. Dabei ist das zweite Jahr für einen Aufsteiger ja angeblich immer das schwerere. Warum trifft das nicht auf ihre Mannschaft zu?

Weil wir uns von Anfang vorgenommen haben, es nicht soweit kommen zu lassen.

Ach, so einfach ist das?

Wir wussten um die Diskussion, es wird gerade auch am Anfang einer Saison viel darüber gesprochen: "Zweites Jahr Union in der Bundesliga - ganz, ganz schwer." Und wir wollen es nicht schwer werden lassen. Wir wollen alles dafür tun, dass wir gut durch die Saison kommen und dann im nächsten Jahr ins dritte Jahr Bundesliga gehen.

Nun steht das Derby gegen Hertha BSC bevor. Wir bereiten Sie und die Mannschaft sich auf dieses Spiel vor?

Hertha ist eine wirklich ordentliche Truppe, die dir jederzeit sehr, sehr weh tun kann, gerade in der Offensive. Ich glaube, dass wir da wieder eine ganz, ganz kompakte Leistung brauchen. Das kommt uns zu Gute, wir können kompakt verteidigen und sind darüber hinaus auch offensiv immer wieder gefährlich. Aber: Du musst bereit sein, wirklich hart zu arbeiten in diesem Spiel und du musst es auch mal ertragen, wenn Hertha vielleicht mal ein bisschen mehr Ballbesitz hat. Ich glaube schon, dass wir insgesamt ganz gut vorbereitet sind und wir können ja auch mit einer breiten Brust in dieses Spiel gehen.

Sie sind seit 2015 im Spielerrat der Spielergewerkschaft "Vereinigung der Vertragsfußballspieler". Was hat Sie zu diesem Engagement bewogen?

Die Solidarität untereinander. Uns geht es in der Bundesliga sehr, sehr gut. Wir sind wenig von irgendwelchen Themen betroffen wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit. Und ich glaube, dass es wichtig ist, insgesamt zusammenzustehen, weil es ganz, ganz viele Spieler gibt, gerade in den unteren Ligen, die hart zu kämpfen haben. Die auch gerade jetzt in der Corona-Zeit hart zu kämpfen haben. Da zusammenzustehen ist wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Kroh für Inforadio. Dieser Text ist eine leicht redigierte Fassung.

Sendung: rbb UM6, 30.11.2020, 18:15 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Das gelbe Ding da unter der Erde ist die U-Bahn.
    Du bist aber ein Guter leider im falschen Verein.

  2. 2.

    ...und ob L.K. solch ein sympathisches Interview hervorbringen könnte?...aber wenn er unsere aktuelle Nr. 1 besser macht, weil er den zusätzlichen Ansporn liefert, ist das doch auch das Geld wert, oder?...

    Eiserne Grüße & toi toi toi für Freitagabend, Jungs!...

  3. 1.

    Find es ja durchaus amüsant, dass man diesen Fliegenfänger Karius medienwirksam verpflichtet hat, und Trainer Fischer ganz cool den Luthe ins Tor stellt. Was auch richtig ist. Was die Köpenicker mit dem Instaboy und Thomalla-Friend wollen, kann man bis heute nicht nachvollziehen. Der ist eh null komma null besser als Luthe.

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