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DFB startet eSports-Pokalwettbewerb - Von der Hand in den Fuß

Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Und jetzt auch ein digitales Pendant, das an der Konsole ausgetragen wird. Dabei sind die Voraussetzungen beim DFB-ePokal eigentlich für alle gleich. Und dann doch wieder ganz und gar nicht. Von Ilja Behnisch

Die Grundidee des DFB-ePokals ähnelt dem des großen Bruders schon ganz gehörig. Denn auch beim eSport-Turnier des Deutschen-Fußball-Bundes, das an diesem Samstag startet, treffen Amateure auf Profis. Nur eben nicht auf dem Rasen, sondern an der Konsole.

"Zwei linke Füße? Das richtige Händchen reicht!", lautet der Slogan des Turniers, das der DFB in diesem Jahr erstmals ausrichtet. Die Voraussetzungen für die Teilnahme sind dabei denkbar einfach: Auf der Seite des DFB eFootball [dfb-efootball.de] registrieren und anschließend einen bereits beim DFB eingetragenen Verein finden, unter dessen Dach man antritt.

Auch im eSport gilt: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

So wie die fünf eSportler vom ebw.esports aus Eberswalde [facebook.com/ebw.esports]. Sie alle spielen das Konsolenspiel "Fifa21" auf der Playstation und nennen sich dort "MADNESSZ", "L-L 2001", "BLANKSTAR85", "KROOSTASTISCH" und "SHAQATTACK13". Der beim DFB als herkömmlicher Fußballverein registrierte FSV Lok Eberswalde, aktuell in der Kreisliga Oberhavel/Barnim unterwegs, gab ihnen gern Obhut, erzählt "MADNESSZ", der eigentlich Patrick Bölk heißt, 29 Jahre alt ist und im öffentlichen Dienst arbeitet.

Und während Fifa-Turniere in der Regel eine Angelegenheit für Einzelkämpfer sind, setzt der DFB-ePokal auf Mannschaftsgeist. Drei bis fünf Spieler bilden ein Team. Diese treten dann in drei Duellen gegeneinander an. Wer zuerst zwei Siege für sich verbuchen kann, gewinnt. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze, auch im eSport.

Gleiche Voraussetzungen für alle

Auch weil es den FSV Lok Eberswalde nicht gibt bei "Fifa21", wird im sogenannten 90er-Modus gespielt. Die eSports-Teams wählen dabei aus einem der über 700 Teams aus 30 Ligen, die "Fifa21" dann doch aufweist. Und müssen sich dabei keine Gedanken darüber machen, dass die Spieler des favorisierten, mexikanischen Underdogs schwächer bewertet werden als die des FC Bayern München. Denn im 90er-Modus sind schlichtweg alle Spieler gleichauf bei einer Gesamtstärke von eben 90.

Es entscheidet also einzig und allein das Können des eSportlers. Doch auch da gibt es Unterschiede wie zwischen dem Kreisliga-Knipser und Robert Lewandowski. "Die Profis beschäftigen sich mit dem Spiel jeden Tag mehrere Stunden. Der Ottonormalverbraucher, der nebenbei noch einer anderen Tätigkeit nachgehen muss, der findet am Tag zwei, drei Stunden für Fifa. Darüber werden die Profis nur schmunzeln können. Ich glaube, wir würden eine sehr große Außenseiterrolle einnehmen. Wir sind ein Amateurverein, der den Traum hat, vielleicht mal in die Hauptrunde einzuziehen, um dort gegen Profiteams antreten zu können. Das würde uns theoretisch auch schon reichen", sagt Patrick Bölk aus Eberswalde.

Wundertüte in der ersten Vorrunde

Die Hauptrunde zu erreichen wird allerdings schwer genug. Dafür müsste der ebw.esports in der ersten Vorrunde bis ins Halbfinale der Qualifiers Ost vordringen. Eine Vorrunde, die ausschließlich Amateuren vorbehalten ist und in allen vier Himmelsrichtungen Deutschlands zugleich stattfindet. Die vier Halbfinalisten ergeben die insgesamt 16 Amateur-Teilnehmer, die dann in der Hauptrunde auf die Profiteams unter anderem aus der Virtual-Bundesliga treffen.

512 Mannschaften sind es, die im Osten um einen der vier Plätze kämpfen. Was auf die Jungs aus Eberswalde zukommt? "Wir können die Gegner überhaupt nicht einschätzen. Das ist eine absolute Überraschungstüte", sagt Patrick Bölk. Weder würden sie Statistiken der Gegner kennen, noch die Spieler selbst. Weshalb Bölk eine Redewendung benutzt, die auch im "richtigen" Fußball immer wieder zur Aufführung kommt: "Wir denken von Spiel zu Spiel."

25.000 Euro für den Sieger

Im besten Fall trägt sie das bis zum großen Endturnier in Berlin im kommenden Frühjahr. Dann, wenn die besten 16 Mannschaften der Vor- und Hauptrunde zusammenkommen, um gegeneinander um ein Preisgeld von 25.000 Euro zu kämpfen. Für den Zweitplatzierten bleiben dann noch 12.500 Euro. Für die Dritt- und Viertplatzierten 5.000 Euro.

Einen wesentlichen Unterschied gibt es dann doch noch zwischen DFB- und DFB-ePokal. Denn das Elfmeterschießen, auf dem realen grünen Rasen oftmals der größte Freund und Helfer des krassen Außenseiters, gibt es an der Konsole nicht. Stattdessen behilft sich der eSport mit einem Wiederholungsspiel. Sollte auch das zu keiner Entscheidung finden, entscheidet das erste, geschossene Tor. Sie ähneln sich schon, die beiden Pokalbrüder im Geiste. Aber das mit den eigenen Gesetze eines jeden Pokals, das ist nunmal heilig.

Sendung: rbb24, 20.11.2020, 16:00 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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