Füchse-Trainer Jaron Siewert (r.) im Spiel gegen die HSG Wetzlar (imago images)
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Füchse Berlin vor dem Topspiel gegen Flensburg - Umbruch und Ungeduld

Der Saisonstart der Füchse Berlin in die Handball-Bundesliga brachte schwankende Leistungen. Vor dem Topspiel gegen Flensburg am Sonntag überwiegt dennoch der Optimismus. Auch, weil Trainer Jaron Siewert eine besondere Einstellung zur Ungeduld hat.

rbb|24 zeigt das Spiel der Füchse gegen Flensburg am Sonntag ab 13:00 Uhr im Livestream.

Wenn die Füchse Berlin am Sonntag in der Handball-Bundesliga auf die SG Flensburg-Handewitt treffen (rbb24.de überträgt das Spiel ab 13 Uhr live), steht auch die Ungeduld wieder mit auf dem Parkett.

Denn die Füchse, sie befinden sich im Umbruch. Gewinnen wollen sie natürlich trotzdem. Auch Coach Jaron Siewert, der im Gespräch mit rbb|24 sagt: "Dass man in einer ehrlichen Reflektion als Trainer feststellen muss, dass manche Sachen Zeit brauchen, das ist die Realität. Trotzdem ist man in jeder Woche wieder genauso ungeduldig, genauso eine Triebfeder, um zu sagen: Ey, jetzt müssen wir aber die Schritte machen."

Formschwankungen mit positiver Tendenz

Zu Beginn der laufenden Saison waren es eher Tanzschritte, die die Füchse zeigten. Vor und zurück im Wechsel. Woher diese Formschwankungen kommen, ist auch für den Trainer "schwer zu sagen." Immerhin, den enttäuschenden Niederlagen gegen Magdeburg (22:32) und Minden (26:31) setzte die Mannschaft zuletzt einen überzeugenden Sieg über die HSG Wetzlar (35:28) entgegen. Ein Schritt in die "absolut richtige Richtung", sagt Siewert.

Eine Richtung, die klar umrissen ist. Eine "gute Abwehr" sei die Basis, aus der heraus mit viel Tempo agiert werden soll, um "den Gegner schnellstmöglich in Drucksituationen bringen". "Wir wollen unsere großen Leute etwas defensiver stehen lassen im Zentrum, dafür spielaktiver auf den Halbpositionen agieren." Im Angriff hingegen gehe es um "viele individuelle Entscheidungen, Kleingruppenspiel. Das ist die Entwicklung des Handballs."

Corona-Ausfälle und Spielabsage

Weshalb auch die Entwicklung der Füchse ihre Zeit benötigt. "Im Handball sind es ja manchmal Millisekunden und ein, zwei Schritte, die über Torerfolg oder -misserfolg entscheiden. Und das kommt jetzt alles step by step", so Siewert. Und das vor allem auch im Spielbetrieb. Im Training könne man sich die Dinge zwar erarbeiten, aber: "Diese Druck-Situation, das Tor entscheidet über Sieg und Niederlage, das kann man so nicht simulieren."

Im Praxistest gegen Flensburg wird Siewert dabei vermutlich auf zwei seiner Besten verzichten müssen. Marian Michalczik, der sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, fällt sicher aus. Immerhin, so Siewert, gehe es ihm "den Umständen entsprechend noch ganz gut. Er hat wirklich nur leichte Symptome." Der Einsatz von Kapitän Paul Drux hingegen, der mit Michalczik bei der Nationalmannschaft weilte und sich deshalb in Quarantäne begeben hat, liegt in den Händen von "Gesundheitsämtern und Ligaregularien".

Siewert, über den die Kieler Nachrichten unter der Woche schrieben, er habe den "Handball-IQ", jammert nicht. Auch über die wegen der Corona-Infektion von Marian Michalczik erfolgte Absage des eigentlich für vergangenen Donnerstag angesetzten Topspiels in Kiel nicht. Natürlich hätte sich der 26-jährige Füchse-Coach gern gemessen mit dem Rekordmeister vom THW. Um vielleicht den ersten Punktgewinn seit 1981 (!) aus Kiel zu entführen. Dennoch sagt er: "Aus Sicherheitsgründen für die Spieler - und der Verein hat die Verantwortung für die Spieler - war das die richtige Entscheidung."

Ein Sieg gegen Flensburg, derzeit punktgleich mit dem THW Kiel Tabellendritter, wäre für den aktuellen Tabellenelften aus Berlin eine ebenso große Leistung. "Eine Topmannschaft zu Hause schlagen, kann uns ein besseres Gefühl geben", sagt Siewert. Wenn es nach ihm geht, auch mit Ungeduld.

Sendung: rbb UM6, 13.11.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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