Hertha-Spieler Matheus Cunha gibt die Richtung auf dem Platz vor(Quelle: imago images/Matthias Koch)
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Spieler mit Führungsqualitäten - Hertha sucht den Leitwolf

Neben Punkten in der Bundesliga fehlen der Alten Dame vor allem Anführer und Lautsprecher auf dem Platz. Das hat der Saisonstart eindeutig gezeigt. Die Frage, die auch Trainer Bruno Labbadia beschäftigt, lautet: Wer könnte das sein? Von Friedrich Rößler

Nach acht Spieltagen in der Bundesliga und einem mäßigen Start (Platz 13, sieben Punkte) befindet sich Hertha BSC weiterhin im Umbruch. Die 2:5-Klatsche im letzten Heimspiel am Sonnabend Abend gegen Borussia Dortmund spiegelt für Chefcoach Bruno Labbadia die bisherige Saison seiner Mannschaft. "Die zweite Halbzeit hat gezeigt, warum wir bisher erst sieben Punkte geholt haben." Abwehrspieler Maximilian Mittelstädt sprach es dann aus, was Hertha BSC nach wie vor fehlt: "Wir brauchen so einen Leader und in der letzten Saison hatten wir mehr solche Spielertypen." Und auch im rbb Sport-Podcast "Hauptstadtderby" wird die Führungsspielersituation bei Hertha BSC immer wieder von Axel Kruse und Christian Beeck thematisiert.

Die Alten mussten gehen

In der abgelaufenen Spielzeit trieb noch Stürmer Vedad Ibisevic als Mannschaftskapitän und erfahrener Spieler seine Truppe immer wieder an. Sein Sturmpartner Salomon Kalou überzeugte nicht so sehr mit Worten, sondern eher mit Taten auf dem Platz. Im defensiven Mittelfeld sorgte Per Skjelbred für Ordnung und Ruhe mit seiner Erfahrung und der dazugehörigen Routine - alle drei sind nicht mehr in Berlin. "Jetzt sind wir auf der Suche nach so einem Typen, der uns vorantreibt und auch mal das Zepter in die Hand nimmt", sagte Mittelstädt nach dem Spiel gegen Dortmund. Und auch sein Trainer Labbadia sucht immer noch Herthas nächsten Leitwolf. "Ich muss sie kitzeln, fördern und fordern. Wenn du Verantwortung übernimmst und Führung, dann ist das nicht immer nett." Fakt sei, dass sich seine Mannschaft dahin entwickeln müsse. Doch wer kommt als Anführer in Frage?

Ein Torhüter als Führungsspieler?

Was bei anderen Vereinen oder in der Nationalmannschaft gut funktioniert, kann auch bei Hertha klappen. Mit Alexander Schwolow besitzt die Alte Dame einen erfahrenen Keeper, der auch schon bei seinem letzten Arbeitgeber, dem SC Freiburg, eine tragende Rolle gespielt hat. Schwolow hat sich nach anfänglichen Wacklern gesteigert, jedoch in acht Spielen schon 18 Gegentore hinnehmen müssen. Trotzdem steht der 28-Jährige in der aktuellen Saison bisher immer in Labbadias Startelf. Der Torhüter müsste also zu den Anführern bei Hertha gehören - bleibt nur die Frage, ob auch seine Offensive ihn hört, wenn er von der Torlinie aus nach vorne brüllt.

Der erfahrene Innenverteidiger

Der Belgier Dedryck Boyata kam letzte Saison von Celtic Glasgow zu Hertha BSC. Der 29-jährige Innenverteidiger klärte auch schon die Bälle bei Manchester City - der Mann hat also Erfahrung. Sein Trainer Bruno Labbadia hat ihm wahrscheinlich auch deshalb immer in der Startelf gebracht - seine Mannschaft ihn zum Kapitän gewählt. Sportlich geht er voran, auch wenn er diese Saison bisher nicht ganz so konstant agiert wie in der abgelaufenen Spielzeit. Doch Boyata ist kein Lautsprecher auf dem Platz, er reißt seinen Mund nicht auf. Das liegt möglicherweise aber auch an geringen Deutschkenntnissen?

Die French-Connection

Die beiden Franzosen Lucas Tousart und Matteo Guendouzi klingen nicht nur nach Europapokal, sondern sollen den Hauptstadtklub auch dorthin bringen. Der 23-jährige Tousart soll und möchte im defensiven Mittelfeld bestimmt den nach Rosenborg Trondheim abgewanderten Per Skjelbred ersetzen. Die fußballerischen Fähigkeiten besitzt der von Olympique Lyon gewechselte Rechtsfuß ohne Frage. Allerdings kann Tousart sein Potential momentan nicht abrufen, zeigt bisher keine gute Leistung. Nach einer Knieverletzung im Spiel gegen den VfL Wolfsburg saß der Franzose gegen Dortmund nur auf der Bank, bekommt aber garantiert bald die Gelegenheit, sich neu als Sechser und Antreiber zu empfehlen.

Matteo Guendouzi überzeugt mit seinen Leistungen, fordert die Bälle, legte schon ein Tor auf, möchte was bei Hertha bewegen. Mit seinen 21 Jahren gehört er zum jüngeren Teil der Hertha-Mannschaft, die im Durchschnitt auf 25 Jahre kommt. Da wächst eventuell ein Lautsprecher heran, allerdings endet seine Leihe am 30. Juni 2021 und wenn er weiter so stark aufspielt, möchte der FC Arsenal eventuell seinen Mittelfeldspieler lieber wieder nach London auf die Insel zurückholen.

Die brasilianische Lösung

Hertha und die Brasilianer, man könnte fast von einer Tradition sprechen. Alex Alves, Marcelinho, Raffael, Ronny - sie alle eint, dass sie eine prägende Rolle beim Bundesligisten einnahmen. Matheus Cunha könnte diese Reihe fortführen und nimmt die Führungsrolle auch schon an. Sechs Tore in acht Spielen, immer mit Feuer dabei. Der 21-jährige Nationalspieler rennt viel über den Platz, holt sich am eigenen Strafraum die Bälle und wirkt von der Körpersprache oft so, als wolle er zeigen, dass er unbedingt gewinnen möchte. Ob er aber seine Rolle als Anführer oder eher als Freigeist sieht, das lässt sich nicht aus seiner Körpersprache herleiten.

Der starke Niklas?

Niklas Stark versucht diese Saison viel auf dem Rasen. Er dirigiert, kommuniziert und kämpft. Der 25-jährige Nationalspieler entsprach im letzten Heimspiel gegen den BVB nicht seinem Namen, da er nicht mal die Hälfte seiner Zweikämpfe als Abwehrspieler gewann. Im ersten Saisonspiel trug er die Kapitänsbinde, nach dem Pokalaus gegen Braunschweig durfte er noch einmal gegen Werder Bremen anführen, dann übernahm sein Verteidiger-Kollege Boyata. Wenn Stark wieder bessere Leistungen wie gegen Augsburg und Wolfsburg zeigt, dann findet er sicher mehr Gehör bei der Mannschaft. Schließlich komplettiert der Abwehrspieler das Rudel der Leitwölfe Schwolow, Boyata, Tousart und Cunha. Es gilt allerdings nach wie vor das Wort des Trainers: "Ich muss sie kitzeln, fördern und fordern."

Beitrag von Friedrich Rößler

4 Kommentare

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  1. 3.

    Der Stark müsste endlich mehr Selbstvertrauen haben und sich auch da energischer in die zweikämpfe werfen, natürlich ohne einen Elfmeter zu riskieren, dann hätte es schon etwas von zweiten skjelbred.

  2. 2.

    Wer ist denn für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich ?? Richtig,Herr Preetz. Dieser Mann ist absolut unfähig, Geld war genug vorhanden um einen "Anführer " zu holen.

  3. 1.

    Skjelbred ist derjenige, der am meisten fehlt. Kalou und Ibisevic traten schon letzte Saison nicht mehr so in Erscheinung ( Ibisevic noch eher, aber wird nicht jünger). Guendouzi zu halten, wäre genial, aber sicher nicht ganz einfach. Vielleicht kann man sich mit dem FC Arsenal (es gibt kein Arsenal London!) einigen. Aktuell ist tatsächlich Schwolow der "Lauteste".

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