Der Berliner Snooker-Spieler Simon Lichtenberg. / imago images/Imaginechina
Video: rbb UM6 | 14.11.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Imaginechina

Porträt | Snooker-Hoffnung Simon Lichtenberg - Von klein auf am grünen Tisch

Eigentlich konnte Simon Lichtenberg gar nicht anders. Acht Jahre war der Berliner alt und "gerade groß genug, um über den Tisch zu schauen", da nahm ihn sein Vater mit zum Snooker. Ganz selbstlos war das freilich nicht. Von Lukas Scheid

Wenn ein Snooker-begeisterter Engländer nach Deutschland kommt, dürfte er es schwer haben, gleichwertige Gegner am Spieltisch zu finden. Snooker ist in Deutschland eher Kneipenhobby statt anerkannte Sportart.

Und so brachte Simon Lichtenbergs Vater aus Mangel an Mitspielern eben seinem damals achtjährigen Sohn das Spielen bei. "Als ich gerade groß genug war, um über den Tisch zu schauen, hat mich mein Vater mitgenommen und die Leidenschaft war sofort da", erinnert sich Lichtenberg.

15 Jahre später ist es der Sohn, der Schwierigkeiten hat, in Deutschland geeignete Gegner zu finden, denn der inzwischen 22-Jährige ist aktuell wohl der beste Snookerspieler des Landes. Er ist einer von derzeit zwei deutschen Profis auf der sogenannten Main Tour - der höchsten Spielklasse. Und so ist der Deutsche Meister von 2016 seit zwei Jahren auf der ganzen Welt unterwegs, um sich mit den besten Spielern am Snooker-Tisch zu messen.

Qualifikation für die German Masters verpasst

Allerdings finden seit Beginn der Corona-Pandemie fast alle internationalen Turniere in Milton Keynes, nördlich von London, statt. Deshalb reist der Halbbrite regelmäßig für die Turniere ins Königreich, um seinen Traum zu erfüllen, bei den Großen mitzuspielen.

Selbst das Qualifikationsturnier der German Masters fand Mitte November in Milton Keynes statt. In der ersten Runde konnte sich Lichtenberg noch behaupten, doch in der zweiten Runde scheiterte er am Iren Fergal O’Brien.

So wird Lichtenberg die German Masters verpassen. Das wichtigste Tunier auf deutschem Boden findet wie jedes Jahr im Januar in Lichtenbergs neuen Heimat statt. Gerne hätte er im Berliner Tempodrom auf der großen Bühne gespielt: "Solche Matches machen einfach unfassbar Spaß. Ich genieße es total, bei solchen Turnieren auf Tisch 1 gegen die Top-Leute zu spielen." Tisch 1 ist beim Snooker so etwas wie der Center Court beim Tennis – der Tisch, an dem die wichtigen Spiele stattfinden und der die größte Aufmerksamkeit bekommt.

Acht Stunden Training am Tag

Auch wenn es diesmal nicht geklappt hat, in den großen Turnieren liegt für Simon Lichtenberg der Reiz am Profi-Dasein. Dafür trainiert er. In den Vereinsräumen des Cuesport Berlin e.V. in Weißensee verbringt er darum viel Zeit: "Ich bin im Durchschnitt fünf bis sechs Mal die Woche dort und trainiere dann jeweils zwischen vier und acht Stunden."

Als Profi verdient Simon Lichtenberg mit dem Snooker-Spielen zwar Geld, doch die Preisgelder halten sich derzeit noch in Grenzen. Und so ist er aktuell noch auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen. Beschweren dürfen sie sich jedoch nicht - sie haben ihren Sohn schließlich an den Snooker-Tisch gebracht.

 

Sendung: rbb UM6, 14.11.2020, 18:15 Uhr

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