Schachfiguren auf einem Schachbrett. (Bild: imago images/Hans Scherhaufer)
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Fünf Tipps für Schachanfänger vom Großmeister - "Den König sollte man niemals nackt lassen"

Wenn Sie im Lockdown einfach mal auf andere Gedanken kommen möchten, spielen Sie doch einfach eine Partie Schach. Diese taktische Denksportart erfährt nicht erst seit der Netflix-Serie "Das Damengambit" eine Renaissance. Von Friedrich Rößler

Irgendwo hat doch jeder noch ein altes Schachbrett mit hoffentlich vollzähligen Figuren in seinem Haushalt rumliegen, oder? Warum also nicht die Bauern, Türme, Springer, Läufer, Damen und Könige aufstellen und einem zu unrecht verstaubtem Denkspiel eine neue Chance geben.

Von der beliebten Netflix-Serie "Das Damengambit" mal abgesehen, meldete sich Schach schon vor ein paar Jahren zurück aus der Mottenkiste, das hat auch der Berliner Schachgroßmeister Niclas Huschenbeth beobachtet. "Wir verbringen ja gerade mehr Zeit zu Hause, aber schon vor Corona haben viele Online-Streamer oder Youtuber Schach wieder attraktiv gemacht." Das "Spiel der Könige" überzeuge mit klaren Regeln, unerschöpflichen Möglichkeiten und sei teilweise nervenaufreibend. Und damit Sie eventuell bei der nächsten Partie nicht so schnell matt gesetzt werden, verrät Großmeister Huschenbeth rbb|24 seine fünf Tipps für Schacheinsteiger:

1. Die drei goldenen Eröffnungsregeln

Schachanfänger legen oft einfach los und schicken wild ihre Bauern über das Feld. Profis überlegen schon mit dem ersten Zug, wie sie sich taktisch so positionieren können, dass sie Kontrolle über ihr eigenes und eventuell über das Spiel ihres Gegner erhalten können. Daher empfiehlt Huschenbeth, die Mitte des Brettes(E4, D4, E5 und D5) mit Bauern oder anderen Figuren zu besetzen. "Wer das Zentrum kontrolliert, der kann besser manövrieren."

Dazu solle man seine Figuren "entwickeln", damit sie ihr volles Potential entfalten können. In der Startformation sei das nicht der Fall. Daher bewegt man zuerst seine Läufer und Springer so, dass diese aufs Zentrum einwirken können. Außerdem sollten die Bauern vor der Dame und dem König gleich mit zwei Feldern vorrücken. Abschließend muss noch der König abgesichert werden. Mit einer Rochade (Tausch mit dem Turm, wenn zwischen beiden keine anderen Figuren stehen) bringt man den König aus der Schusslinie. Denn wenn dieser fällt, ist das Spiel verloren.

2. Keine vermeidbaren Fehler machen

Huschenbeth warnt vor Fehlern, die sich in der Folge stark auswirken können. "Im Tennis heißt das 'vermeidbare Fehler' - genau so etwas muss jeder Schachspieler auch verhindern", sagt Huschenbeth. Dahinter verbirgt sich die Strategie, dass man nicht unnötig Figuren verlieren darf. Vertrauen in das eigene Spiel sei gut, Kontrolle aber noch besser - die Zeit dafür müsse man sich einfach nehmen. "Bevor man zieht, empfiehlt es sich, unbedingt alles zu überdenken", bemerkt der Schachgroßmeister. Ist das wirklich der richtige Zug? Wie kann der Gegner reagieren? Ist wirklich kein Verlust zu befürchten? Wer mehr Material als der Gegner besitzt, sei klar im Vorteil, betont Huschenbeth.

3. Den Gegner ständig analysieren

Beim Schach spielt die permanente Gegneranalyse eine große Rolle. "Drohungen sollte man ernst nehmen und sich immer fragen, was mein Gegner mit dem Zug erzwingen möchte", empfiehlt Huschenbeth. Durch die ständige Überprüfung wittere man schneller Fallen oder feindliche Winkelzüge und laufe nicht Gefahr, eigensinnig unterzugehen.

4. Erkenne und schätze den Wert deiner Figuren

Niclas Huschenbeth ordnet den einzelnen Spielfiguren bestimmte Wertigkeiten zu. "Bauern haben einen Punkt, Springer und Läufer drei, Türme fünf und die Dame neun Punkte." Wer dies im Hinterkopf hat, überlege sich zweimal, ob er seinen Turm opfert, nur um einen Bauern zu schlagen. "Ein guter Tausch ist eine Dame für eine Dame", ergänzt er. Daher immer überlegen, was der Gewinn und der Verlust für mein Spiel bedeuten.

5. Alle Sicherheit dem König

Wenn der König fällt, ist das Spiel vorbei. Deswegen muss diese Figur unter allen Umständen besonders abgesichert werden. "Den König sollte man niemals nackt auf dem Spielfeld lassen", sagt Großmeister Huschenbeth. Nach der Rochade (siehe Tipp 1) sollte man den Schutzschild aus Bauern vor dem König erhalten und nicht arglos auflösen. Das Schlagen anderer Figuren sei keine Pflicht im Schach (ihm Gegensatz zu "Dame"), Provokationen oder leichte Beute sollte man daher hinterfragen.

Sendung: Abendschau, 20.12.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

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