Albas italienischer Neuzugang Simone Fontecchio(Quelle: imago images/Camera 4)
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Video: rbb UM6 | 01.12.2020 | Max Zobel | Bild: imago images/Camera 4

Alba-Neuzugang Fontecchio - Gesucht und gefunden

Diesen Sommer verpflichtete Alba Berlin den Italiener Simone Fontecchio. Inzwischen gehört der 24-Jährige zu den Topscorern des Teams. Diese Entwicklung ist kein Zufall und hat mit seiner Vergangenheit zu tun. Von Friedrich Rößler

Als Teenager überragte Simone Fontecchio seine Mitspieler um Längen. Seine Jugendtrainer bei Virtus Bologna stellten ihn aber nicht unter den Korb als Center, sondern gaben dem heute 2,04 Meter großen Neuzugang von Alba Berlin viele Freiheiten, damit er sich zu einem vielseitigen Basketballer entwickeln kann. "Die haben mein Spiel gefördert, damit ich das dazu lernen konnte, was ich wollte", erzählt der in der Küstenstadt Pescara geborene Italiener.

Mit diesen Freiheiten, gepaart mit viel Ehrgeiz und Talent am Ball, entpuppte sich aus dem Teenager Fontecchio ein erfolgshungriger Basketballer, der jetzt schon in die Berliner Basketballgeschichte eingegangen ist - als erster Italiener bei Alba. "Ja, ich wusste, dass ich der erste bin, hoffentlich bleibe ich nicht der letzte!", scherzt der 24-Jährige.

"Kann von allem etwas"

Seinen Basketball-Stil beschreibt Fontecchio als vielseitig. "Ich bin ein laufstarker Distanzschütze, spiele im Angriff auf dem Flügel, arbeite aber auch gern in der Defense mit." Egal ob es um "die dicken Brocken" oder um die "schnellen und flinken" Gegner gehe, der Italiener möchte überall dagegen- und mithalten. Das sieht Sportdirektor Himar Ojeda ähnlich. "Simone Fontecchio ist ein interessanter junger Spieler, den wir schon eine Weile beobachten und dessen Entwicklung uns gut gefällt. Auf dem Feld ist er sehr vielseitig und kann von allem etwas."

Zu starke Konkurrenz in Mailand

Schon als Kind wuchs in ihm der Traum, eines Tages in der Euroleague zu spielen. Bis es soweit war, musste sich Fontecchio allerdings erst durch das Jugendprogramm von Virtus Bologna dribbeln und anschließend beim Topklub Armani Mailand durchsetzen. Doch in seinen drei Mailänder Jahren konnte er nicht an den etablierten Starspielern vorbeiziehen und verbrachte als Leihspieler eine Saison bei Guerino Vanoli Basket in Cremona.

Nach seiner Rückkehr in die norditalienische Metropole wurde er kaum noch für die internationalen Spiele berücksichtigt. Im Sommer 2019 wechselte er nach Reggio nell'Emilia. Dort beeindruckte er mit statistischen Topwerten (11,0 Punkte, 4,0 Rebounds, 1,2 Assists und 44,3 Prozent Dreierquote bei 25 Minuten Einsatzzeit pro Spiel) bis der Corona-Lockdown auch in Italien den Basketball zum Stillstand zwang.

"Der Stil von Alba passt zu mir"

"Ich wollte diesen Sommer Italien unbedingt verlassen, um mich international wieder präsentieren zu können", begründet Simone Fontecchio seine Wechselabsichten an die Spree. Seit fast fünf Monaten lebt er nun mit seiner Freundin und seiner elf Monate alten Tochter in Berlin. Neben Albas internationaler Spielberechtigung für die Euroleague dank des Meistertitels in der vergangenen Saison spielte für Fontecchio auch Trainer Aito Garcia Reneses eine entscheidende Rolle. "Der Stil von Alba und Aito passt sehr gut zu mir, Schnellangriffe aus einer starken Defensive - so habe ich schon immer gespielt."

Außerdem hofft Albas Neuzugang darauf, dass sein neuer Coach auch aus ihm einen noch besseren und vollkommenen Basketballer formt - eine Spezialität des Spaniers. Unter Aito entwickelten sich schon Fontecchios Vorgänger Marius Grigonis und Rokas Giedraitis zu Top-Spielern, die längst gut dotierte Verträge bei europäischen Topklubs haben.

Jeden Tag ein bisschen besser werden

Dass es gleich so gut läuft, hat Simone Fontecchio nicht erwartet, sicher aber gehofft. Die Corona-Zwangspause bei Alba hat er zu Hause mit seiner Familie verbracht. Das gab ihm Kraft für die anstrengende Saison. Nach 17 Tagen Trainingspause rangiert der vielseitige Italiener ganz vorn in den Statistiken - bei der Niederlage gegen Barcelona, dem ersten Spiel nach der Quarantäne-Zeit, erzielte er 17 Punkte. Beim Sieg gegen Moskau am Donnerstag waren es zehn Punkte und fünf Rebounds. Auch in der nationalen Liga gehört der Neu-Berliner zu den Top-Performern.

Mit dem Ausfall von Leistungsträger Marcus Eriksson darf Fontecchio auf mehr Verantwortung und weitere Liga- und EuroLeague-Einsätze hoffen - auch wenn er zuletzt ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Mailand selbst zum Zuschauen gezwungen war, weil er im Training umknickte. "Ich muss mein Positionsspiel in der Defense noch verbessern, auch offensiv habe ich noch vieles vor." Die drei Berliner Jahre möchte er nutzen, um "jeden Tag ein besserer Spieler zu werden." Und natürlich so oft wie möglich in der Euroleague auflaufen. Simone Fontecchio und Alba Berlin haben sich gesucht und gefunden.

Sendung: rbb UM6, 01. Dezember 2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

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