Alba-Profi Jonas Mattisseck im Duell gegen Istanbul. / imago images/Camera 4
Video: rbb UM6 | 12.12.2020 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Camera 4

Alba Berlin trifft auf Bamberg - Zu Besuch im eigenen Bett

Seit Wochen jagen die Hauptstadt-Basketballer von Alba Berlin durch Euroleague, Bundesliga und Pokal. Immer weiter von Spiel zu Spiel. Ohne Atempause. Vor dem Duell am Sonntag gegen Bamberg konnten sie nun kurz durchschnaufen - auch Youngster Jonas Mattisseck.

Es war fast schon ein ungewohntes Gefühl für Jonas Mattisseck, als er am Freitagmorgen aufwachte. Dabei lag er zuhause in dem Bett, das eigentlich sein eigenes ist - in dem der 20-jährige Berliner aber zuletzt nur sehr selten landete. "Wir sind sehr viel unterwegs, sind von einem Auswärtsspiel zum nächsten geflogen", sagt der Profi von Alba Berlin.

14 Partien bestritten die Hauptstadt-Basketballer seit Anfang November, als sie nach einer 17-tägigen Corona-Quarantäne zurück aufs Parkett kamen. Alle 2,5 Tage mussten sie im Schnitt ran - in Euroleague, Bundesliga und Pokal. Freizeit in der Heimat wird da zum Luxus. "Ich habe den Tag genutzt, um mal auszuschlafen und schön zu frühstücken. Gleich fahre ich zu meiner Freundin", erzählt Mattisseck. Kurz auftanken. Stressig wird es früh genug wieder.

"Die Belastung ist sehr hoch"

Vier Tage in Berlin hatten die Albatrosse zwischen dem furiosen Sieg im Euroleague-Spiel gegen Fenerbahce Istanbul - ganz nebenbei dem höchsten Königsklassen-Erfolg der Vereinsgeschichte - und dem Bundesliga-Duell gegen Bamberg (Sonntag, 18 Uhr). Nicht mehr als eine Mini-Atempause - aber schon die sorgt in diesen Tagen für Glücksmomente. Denn eigentlich bleibt Zeit für Regeneration nur an Reisetagen. Und selbst die ist aktuell erschwert. "Im Moment ist es sehr stressig. Es gibt nicht so viele Flüge. Man muss versuchen, anders zu den Spielen zu kommen", sagt Mattisseck.

Wirklich Zeit zu trainieren ist da absolute Fehlanzeige. Eine Situation, die auch für Trainer Aito Garcia Reneses nicht leicht ist. Weil der 73-Jährige, der (junge) Spieler entwickeln kann wie kaum ein anderer, kaum Zeit findet, genau das zu tun. Weil er nach dem Umbruch im Sommer zahlreiche Neuzugänge integrieren muss. Und weil ihm - auch wegen der hohen Belastung - immer wieder Spieler verletzt fehlen. Sie versuchen dennoch das Optimale herauszuholen aus einer suboptimalen Situation: "Man kann immer versuchen, vor oder nach den Spielen auch ein bisschen individuell zu arbeiten. Dafür haben wir ja auch sehr viele Leute, die uns dabei helfen", sagt Mattisseck.

Aufwärtstrend erkennbar

Und es wirkt. War Alba - gerade in der Euroleague - zu Beginn der Saison, oft allzu leichte Beute für die Gegner, sind sie inzwischen im klaren Aufwärtsrend. Das Spiel gegen Istanbul war der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Der aito'sche Tempo-Basketball, mit dem die Albatrosse in der vergangenen Saison zu Meisterschaft und Pokal stürmten, kommt zurück. "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir immer ein bisschen gebraucht haben, um als Team zusammenzufinden. Das funktioniert jetzt so langsam, die neuen Spieler können sich besser integrieren und passen besser ins System rein", sagt Mattisseck.

Albas feinabgestimmtes Gebilde harmoniert so langsam wieder. Von dauerhafter Leichtigkeit kann dennoch keine Rede sein. Wer in dem enggetakteten Spielplan mit drei Wettbewerben gewinnen will, muss immer wieder auch Grenzen überschreiten. Jeder für sich - und als Team. Oder wie Mattisseck sagt: "Man muss sich manchmal zwingen, auch wenn man mental nicht bereit ist." Weil im Duell müder Mannschaften Mentalität entscheiden kann. "Man darf nicht vergessen, dass die ähnlich hohe Belastungen haben. Da hat manchmal einfach derjenige einen Vorteil, der sich besser motivieren kann."

Ungewohntes Energie-Level

Das wird auch am Sonntagabend gegen Bamberg wieder so sein. Nur dass Mattisseck und seine Albatrosse dieses Mal - ganz und gar ungewohnt - mit der Power von mehreren Tagen in der Heimat aufs Parkett gehen. Das Energie-Level dürfte also hoch sein gegen die Franken, die aktuell auf Platz zehn der Bundesliga-Tabelle stehen. Danach ist es mit der Kurzzeit-Ruhe dann allerdings auch schon wieder vorbei. Dienstag in Belgrad, Donnerstag in Athen, Samstag gegen Ulm und Dienstag in Madrid - das eigene Bett wird Mattisseck da nicht so schnell wiedersehen.

Sendung: rbb UM6, 12.12.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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