Eisbären-Goalie Mathias Niederberger und John Ramage. / imago images/Contrast
Audio: Inforadio | 17.12.2020 | Karsten Steinmetz | Bild: imago images/Contrast

Teamcheck | Eisbären Berlin - Mit Zuversicht gegen die Ungewissheit

Am Freitagabend starten die Eisbären Berlin in die - zuvor mehrmals verschobene - DEL-Saison. In der Vorbereitung holperte es mit Niederlagen, Corona-Fällen und eingeschränktem Training gehörig. Und dennoch hat der Hauptstadt-Klub klare Ziele. Von Johannes Mohren

So lief die Vorbereitung

... durchwachsen. Wohlwollend formuliert. Denn als die Eisbären Berlin nach monatelanger Pflichtspiel-Abstinenz Mitte November beim Magentasport-Cup aufs Eis zurückkehrten, kassierten sie Niederlage um Niederlage. 1:5 und 2:7 gegen Schwenningen, 0:3 gegen Mannheim, 2:3 gegen München - Mutmacher sind diese Ergebnisse wahrlich nicht. Und als wären die sportlichen Anlaufschwierigkeiten nicht schon genug, musste der Hauptstadt-Klub wegen zahlreicher Corona-Fälle im Team schließlich ganz aus dem Test-Turnier aussteigen.

So klang auch das Vorbereitungs-Fazit des Trainers vor dem Start gegen Bremerhaven (Freitag, 19:30 Uhr) - seinerseits Finalist beim Magentasport-Cup - keinesfalls euphorisch: "Wir mussten in Quarantäne, haben neue Spieler bekommen und konnten nur wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvieren", sagte Serge Aubin bei einer Video-Pressekonferenz. Suboptimale Startbedingungen. Man sei durch die Corona-Zwangspause "ein bisschen aus dem Tritt gekommen", musste auch der neue Kapitän Frank Hördler - wenig überraschend - eingestehen. Es ist also ein wackliges Eisbären-Gebilde, das in die Saison startet.

Wer kommt, wer geht

Es war personell einiges los bei den Eisbären Berlin. So passte es fast, dass nur zehn Tage vor dem Saisonstart Maxim Lapierre seine Karriere beendete. Eine Nachricht, die trotz seiner 35 Jahre überraschend kam und den Klub durchaus empfindlich trifft: Zum einen, weil nun auf der Center-Position eine Lücke klafft. Zum anderen aber - und das ist noch viel entscheidender - weil in der stark verjüngten Mannschaft seine Erfahrung fest eingeplant war. Lapierre hatte nicht nur wegen seiner 700 NHL-Spiele Leader-Qualitäten.

Sein Abgang schmerzt den Klub, zumal er nicht der erste und einzige Top-Spieler und Anführer ist, den die Eisbären in dieser Saison ersetzen müssen. "Man muss den Tatsachen ins Auge sehen, dass wir den ein oder anderen Schlüsselspieler verloren haben", sagte Marcel Noebels - der zum Auftakt selbst noch mit Trainingsrückstand fehlt - im rbb|24-Interview. Der Langzeit-Kapitän André Rankel ist ebenso weg wie die starken Center Louis-Marc Aubry und James Sheppard, der treffsichere Austin Ortega oder Verteidiger Florian Kettemer. "Das müssen wir kompensieren und uns neu finden. Viele Spieler werden in dieser Saison andere Aufgaben haben als letztes Jahr. Da müssen sie auch erst einmal reinwachsen", so Noebels.

Nicht zufällig legte Sportdirektor Stéphane Richer kurz vor dem Saisonstart noch einmal auf dem Transfermarkt nach - mit gehörig Dampf für die Offensive: Matt White, Kris Foucault und Giovanni Fiore stießen zum Team. Das sieht Frank Hördler mit seinen neuen, jüngeren Gesichtern wie etwa Parker Tuomie auf einem guten Weg: "Der Mix ist gut gewählt", sagte der 35-Jährige - und: "Wir haben sehr talentierte junge Spieler und wir haben wichtige ältere Spieler auch aus dem Ausland, die gerade im Powerplay ihre Stärke zeigen können. Wir sind von der Motivation sehr gut eingestellt. Es kann für keinen schnell genug losgehen."

Der Trainer

... heißt nach wie vor Serge Aubin. Der 45-Jährige steht seit Mai 2019 bei den Eisbären an der Bande und ist der 16. Chefcoach der Historie des Klubs. Erfahrung hat der Kanadier aus Val-d'Or im Westen der Provinz Québec jede Menge: Er lief schon als Spieler unter anderem 400 Mal in der NHL auf. Die Berliner hat er in seiner ersten Saison auf Platz vier geführt, ehe diese vor dem Start der Playoffs coronabedingt abgebrochen wurde.

Nun musste er seine Profis durch eine lange, turbulente Vorbereitung navigieren. "Die ganze Liga geht durch die gleiche Unsicherheit. Wir müssen einen Weg finden, um unser Bestes zu geben, egal was passiert", sagte der Trainer vor dem Start. Für ihn selbst gilt es dabei auch, die vielen jungen Spieler weiterzuentwickeln, ja: zu verbessern. Eine Aufgabe, die dem dreifachen Vater Spaß macht. "Sie arbeiten leidenschaftlich und bringen eine neue, spannende Energie mit. Natürlich müssen sie noch viel lernen", sagte er zu Beginn der Vorbereitung im rbb|24-Interview - und: "Sie könnten mal die Anführer dieses Teams werden."

Erwartungen an die Saison

In ungewissen Zeiten ist es gar nicht so einfach, klare Ziele zu formulieren. Das ist bei den Eisbären nicht anders. "Dieses Jahr sollten wir vielleicht die Erwartungshaltung etwas zurückschrauben", sagte Marcel Noebels noch vor ein paar Tagen im rbb|24-Interview - und fügte an: "Für ganz oben wird's nicht reichen, um ehrlich zu sein." Es waren klare und dennoch harte Worte aus dem Munde eines Profis eines siebenmaligen Deutschen Meister. Und doch wunderte sich nach dem Verlauf der Vorbereitung niemand so wirklich darüber.

Bei der Pressekonferenz vor dem Auftaktspiel klang es nun trotzdem wieder anders. Zuversicht ausstrahlen, war da ganz offensichtlich die Devise - auch mit Blick auf die anvisierte Platzierung. Man wolle so wie in jedem Jahr die Playoffs erreichen, sagte also Sportdirektor Richer. So weit, so gut. Dafür müssen die Eisbären in der Gruppe Nord zunächst unter die ersten vier Mannschaften kommen. Doch dabei beließ es der 54-Jährige nicht. "Und wie alle Mannschaften, die die Playoffs erreichen, wollen wir dann um die Meisterschaft mitspielen", sagte er.

Sendung: rbb24, 18.12.2020, 16 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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