Eisbären-Stürmer Marcel Nöbels mit dem Puck am Schläger / imago images / Eibner
Audio: Inforadio | 13.12.2020 | Interview Lars Becker | Bild: imago images / Eibner

Interview | Eisbären-Stürmer Marcel Noebels - "Wir sollten die Erwartungshaltung zurückschrauben"

Am kommenden Freitag beginnt die neue Saison in der Deutschen Eishockey-Liga. Für die Eisbären ist das Heimspiel gegen Bremerhaven das erste seit Beginn der Corona-Zwangspause im Frühjahr. Mit einem jungen Kader wollen die Eisbären nun in die Playoffs.

rbb|24: Marcel Noebels, wie haben Sie die letzten Monate erlebt – als Eishockey-Profi, aber auch privat?

Marcel Noebels: Das war für alle keine einfache Zeit. Wir haben während der Pandemie viele positive wie negative Erfahrungen gemacht. Jetzt sind wir einfach nur froh, dass die Saison am Freitag endlich los geht.

Um die finanzielle Krise durch die Pandemie zu überstehen, haben sich einige Klubs auf ein Teil-Gehaltsverzicht der Profis verständigt. Wie einig oder strittig sind diese Diskussionen darüber bei den Eisbären verlaufen?

Ich glaube, dass wir am Ende des Tages eine gute Lösung gefunden haben. Jeder hatte die Chance, mit dem Verein individuell zu verhandeln. Dass wir auf einen Teil des Gehalts verzichten müssen, steht außer Frage. Wir wollen alle dem Verein helfen, durch diese schwierige Zeit zu kommen. Ich glaube, das hat auch jeder eingesehen.

Der Saisonstart ist mehrfach verschoben worden. Wie hat sich das auf die Saisonvorbereitung ausgewirkt?

Mental war das schwierig, weil man nicht wusste, wann es losgeht. Man hat ja auch ein Ziel, auf das man hinarbeitet. Normalerweise beginnt die Saison Mitte September, bis dahin möchte man bestmöglich vorbereitet sein. Jetzt wussten wir gar nicht, wann es los geht durch die zweimalige Verschiebung des Ligastarts. Da wusste keiner, ob es tatsächlich startet. Wir hatten mit dem Team jetzt viele Wochen Zeit, um eine Einheit zu werden. Jetzt freuen wir uns, dass es endlich los geht und die Saisonvorbereitung auch beendet werden kann.

Zur Überbrückung wurde der Magenta-Cup ins Leben gerufen. Dabei ging es darum, Spielpraxis zu sammeln. Sportlich lief es für die Eisbären allerdings gar nicht rund. Was war da los?

Ich glaube, wir haben noch nicht das abgerufen, was wir können. Man darf aber auch nicht vergessen, wir sind um einiges jünger geworden. Zwar haben wir in den letzten Tagen noch Spieler hinzubekommen, aber in der Vorbereitung hatten wir sicherlich nicht den Kader, mit dem wir aufgehört haben. Da muss man den Tatsachen ins Auge sehen, dass wir den ein oder anderen Schlüsselspieler verloren haben. Das müssen wir kompensieren und uns neu finden. Viele Spieler werden in dieser Saison andere Aufgaben haben als letztes Jahr. Da müssen sie auch erst einmal reinwachsen. Sowas passiert nicht von heute auf morgen. Ich bin dennoch froh, dass es keine Punktspiele waren. Für uns zählt, dass wir ab Freitag das abrufen, was wir können und – ganz wichtig – alle gesund bleiben.

Gesundheit ist das Stichwort. Beim Magenta-Cup gab es einige Corona-Fälle bei den Eisbären. Das gesamte Team musste in Quarantäne. Was macht so eine Situation mit einer Mannschaft?

Manchmal ist es ganz gut, wenn man den ein oder anderen für ein paar Tage nicht sieht (lacht), weil man ja doch viel aufeinanderhängt. Dann freut man sich aber auch, wenn man sich wiedersieht. Bei so einer langen Saisonvorbereitung ist es vielleicht gar nicht so schlecht, nochmal zur Ruhe zu kommen, bevor es losgeht. Aber man wünscht sich natürlich keine Pause durch Corona. Dieses Jahr ist für niemanden ein normales Jahr, von daher sind wir froh, dass wir endlich loslegen können und hoffen, dass wir die Saison durchstehen.

Freitag geht es los mit allen 14 Teams, aber mit weniger Spielen. Es gibt eine Nord- und eine Südgruppe, um die Reisetätigkeit einzuschränken. Ist das die richtige Lösung?

Ja, ich glaube, dass die DEL sich dazu gute Gedanken gemacht hat. Wir in Berlin haben trotzdem die weitesten Auswärtsfahrten der ganzen Liga und werden viel im Bus sitzen. Aber wir sind sehr glücklich darüber, dass wir überhaupt spielen können. Das ist im Moment das Beste.

Es gab auch einige Abgänge bei den Eisbären. Ex-NHL-Spieler Maxim Lapierre hat überraschend seine Karriere beendet. Eisbären-Legende André Rankel hat sich auch verabschiedet. Wie schätzen Sie den Kader insgesamt ein? Was ist möglich in dieser Spielzeit?

Ich glaube, wenn wir unser volles Potential abrufen, haben wir schon eine Mannschaft, die die Playoffs erreichen kann. Jeweils die ersten vier in Nord- und Südgruppe kommen weiter – da sehe ich uns schon unter den Top Vier. Dieses Jahr sollten wir vielleicht die Erwartungshaltung etwas zurückschrauben. Für ganz oben wird’s nicht reichen, um ehrlich zu sein. Ich hoffe, dass wir von Spiel zu Spiel wachsen und das möglichste aus uns rausholen. Dann kann man schon zufrieden sein.

Der erste Gegner der Eisbären, die Fischtown Pinguins Bremerhaven, ist richtig gut in Form. Die haben das Finale beim Magenta-Cup gespielt. Wie wichtig wäre ein gelungener Saisonstart?

Gerade in so einer kurzen Saison kann viel passieren. Spiele können ausfallen und nicht nachgeholt werden. Gerade deshalb ist es wichtig am Anfang zu punkten – vor allem zu Hause. Gegen Bremerhaven wird das ein sehr guter Test. Sie machen sehr gute Arbeit und gehören in diesem Jahr zu den besseren Teams. Von daher kann uns das Spiel direkt zeigen, wo wir stehen und darauf freuen wir uns sehr.

Was erhoffen Sie sich persönlich über das Sportliche hinaus von dieser Saison?

Ich möchte natürlich da weiter machen, wo ich aufgehört habe. Ich habe den Anspruch, einer der besten Spieler der Liga zu sein und möchte der Mannschaft zum Erfolg verhelfen. Außerdem möchte ich den Titel als Spieler des Jahres verteidigen, was sicherlich nicht einfach wird. Aber es wäre schön, das zwei Mal in Folge zu schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview ist eine redigierte Fassung. Für das rbb Inforadio führte Lars Becker das Gespräch. Wenn Sie im Titelbild auf Play klicken, können Sie es sich anhören.

Sendung: Inforadio, 13.12.2020, 18:44 Uhr

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