Turbine-Trainer Sofian Chahed zieht Hinrundenbilanz - "Wir brauchen eine Taktgeberin"

Turbine-Trainer Sofian Chahed gestikuliert am Spielfeldrand / imago images / Werner Scholz
Video: rbb UM6 | 21.12.2020 | Torsten Michels | Bild: imago images / Werner Scholz

Vor sechs Monaten wurde Sofian Chahed Cheftrainer bei Turbine Potsdam. Das Ziel bei Amtsantritt: die Champions-League-Qualifikation. Zur Winterpause ist die Mannschaft zwar auf Kurs, muss jedoch Niederlagen gegen direkte Konkurrenten verdauen. Von Lukas Scheid

Und täglich grüßt das Murmeltier. Immer wenn Sofian Chahed zu seinem Eindruck vom Frauenfußball befragt wird, klagt der gebürtige Berliner über die fehlende Grundausbildung. Seit nunmehr einem halben Jahr ist Chahed Cheftrainer bei Turbine Potsdam. Zuvor war er vier Jahre lang Jugendtrainer bei Hertha BSC. Die Aufgaben in beiden Vereinen unterscheiden sich laut Chahed allerdings kaum, obwohl er in Berlin eine U16 und in Potsdam eine 1. Mannschaft trainierte: "Obwohl die Frauen schon etwas älter sind, muss man bei ihnen genauso wie in der Jugend von Hertha noch einiges in der Grundausbildung machen. Da ist noch viel Luft nach oben."

Mit Grundausbildung meint der 37-jährige das individuelle Trainingslevel, nicht nur das seiner Potsdamerinnen, sondern aller Bundesligisten im Frauenfußball. Es geht um Schuss- und Passtechnik sowie um Kraft und Kraftausdauer. Taktisch seien die Frauen ihren männlichen Kollegen jedoch beinahe ebenbürtig, sagt Chahed. "Da habe ich mich schnell reingefuchst, damit wir ein taktisches Konzept entwickeln konnten."

Niederlagen gegen die Konkurrenz

Und siehe da, der Saisonstart im September mit fünf Siegen aus sechs Spielen bei einem Unentschieden brachte den sechsmaligen deutschen Meister auf Champions-League-Kurs. Platz 3 in der Bundesliga war das Ziel zu Beginn der Saison, gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Champions League. Doch als Turbine am 7. Spieltag zu Bayern München fuhr und 0:3 verlor, schlichen sich erste Ungenauigkeiten in das Turbine-Spiel ein. Zwei Wochen später folgte eine herbe 0:5-Niederlage zu Hause gegen den deutschen Meister Wolfsburg.

Für den Trainer zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt der Saison vor allem eine mentale Schwäche ab. "Teilweise sieht man, dass wir Fußball spielen können – gerade was die Spieleröffnung betrifft. Aber das haben wir gegen Wolfsburg und Bayern nicht auf den Platz bekommen. Die Spiele wurden ganz klar im Kopf verloren." Bayern und Wolfsburg gehören zu den deutlichen Favoriten auf die deutsche Meisterschaft. In der zweiten Reihe dahinter folgen Hoffenheim und Turbine Potsdam.

So war es umso bitterer, als das letzte Spiel von Turbine vor der Winterpause gegen ebenjene Hoffenheimerinnen mit einer derben 0:5-Klatsche verloren ging. Turbine rutschte damit in der Tabelle hinter Hoffenheim auf den vierten Rang. "Im letzten Spiel vor Weihnachten tut so eine Niederlage gegen den direkten Konkurrenten natürlich doppelt weh."

Nachholspiel gegen Bremen

Hoffnung macht jedoch die Tatsache, dass Potsdam die Hoffenheimerinnen im ersten Aufeinandertreffen der laufenden Saison geschlagen hat und sportlich dementsprechend auf Augenhöhe liegt. Zudem muss Turbine noch das Heimspiel gegen Werder Bremen nachholen, hat also aktuell noch ein Spiel weniger als Hoffenheim. Sollten Sie dieses Spiel gewinnen, wären sie wieder auf Champions-League-Kurs.

Um dieses Ziel zu erreichen, fordert Sofian Chahed von seiner Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte besseres Taktieren: "Wir brauchen im Mittelfeld und in der Abwehr eine Taktgeberin, die das Tempo vorgibt. Außerdem wollen wir noch mehr über die Spieleröffnung mit zwei Kontakten arbeiten." Das brauche man auch, um gegen die Mannschaften zu gewinnen, die hinter Turbine stehen, betont er. "Da müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen, das wird Herausforderung genug sein."

Wenn Turbine am Ende der Saison die Qualifikation für die Königsklasse erreichen möchte, könnte es durchaus wichtig sein, auch gegen die großen Mannschaften zu punkten. Da müsse man länger die Null halten, fordert Chahed, das müsse der Grundsatz für das neue Jahr sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Für die Winterpause wünscht sich der Turbine-Trainer jedoch zunächst einmal, dass alle seiner Spielerinnen gesund bleiben und die verletzten Spielerinnen, wie zum Beispiel Lena Uebach, die sich noch von einer Knie-OP erholt, bald wieder fit zurückkommen.

Sendung: Inforadio, 22.12.2020, 14:14 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

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    Guter Mann

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