Union-Trainer Urs Fischer (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Union Berlin empfängt Bayern München - Ohne Kruse, aber mit Courage

Der 1. FC Union muss im Spiel gegen Bayern München erstmals in dieser Bundesliga-Saison auf Top-Scorer Max Kruse verzichten. Trainer Urs Fischer will einen mutigen Auftritt sehen und dem Rekordmeister die Lust am Fußballspielen nehmen. Von Stephanie Baczyk

Das Personal

Der dezent flache Satz "Ohne Kruse keine Party" stimmt so nicht ganz, immerhin haben in der laufenden Spielzeit bereits elf Profis des 1. FC Union einen oder mehrere Treffer erzielt, aber Max Kruse sticht halt hervor mit seinen elf Torbeteiligungen. Sechs Mal hat er genetzt, fünf Mal aufgelegt - und jetzt fehlt der Kreative den Köpenickern voraussichtlich mehr als sieben Wochen, fällt mit einem Muskelbündelriss aus.

"Natürlich fehlt uns da jemand, der uns gerade in den letzten Wochen viele Ideen gegeben hat", fasst Flügelspieler Marius Bülter die Situation zusammen. "Aber ihn jetzt eins zu eins zu ersetzen, das wird eh schwierig. Das müssen wir als Mannschaft auffangen." Gleiches gilt für das Fehlen von Mittelfeld-Leader Robert Andrich, der vor seiner Roten Karte im Derby gegen Hertha BSC über Wochen stark performt und auf seiner Position im defensiven Mittelfeld viel abgefangen und entschärft hat mit einem guten Mix aus Laufarbeit und entschlossenem Zweikampfverhalten.

"Wir sind natürlich über das Fehlen von beiden nicht glücklich, es sind wichtige Spieler für uns. Aber das ist natürlich auch eine Chance für andere Spieler, da reinzurücken", sagt Grischa Prömel, der zusammen mit Sebastian Griesbeck oder Christian Gentner in der Zentrale auflaufen könnte. Gentner könnte eine Option sein, der Routinier musste mit einer Muskelverletzung aus der Partie gegen Arminia Bielefeld seit Anfang November pausieren. "Er wird das Abschlusstraining mit der Mannschaft bestreiten und dann werden wir uns austauschen", so Trainer Urs Fischer. Fraglich ist der Einsatz von Innenverteidiger Florian Hübner.

Es fehlen: Anthony Ujah (Knie), Joel Pohjanpalo (nach Sprunggelenks-OP), Nico Schlotterbeck (Oberschenkelblessur), Max Kruse (Muskelbündelriss), Robert Andrich (drei Spiele Sperre nach Roter Karte)

Die Form

Die Niederlage im Hauptstadt-Derby hat wehgetan, keine Frage. Fakt ist aber auch, dass das Team des 1. FC Union in den knapp 80 Minuten mit einem Mann weniger eine beeindruckend geschlossene, läuferisch und kämpferisch richtig gute Partie gezeigt hat. "Jetzt müssen wir erst mal zusehen, dass wir nicht noch mehr Verletzte dazu bekommen", warnt Marius Bülter vor dem Spiel gegen die Bayern. "In den nächsten Wochen sind wir Spieler gefragt, alles dafür zu geben, dass wir fit bleiben."

Bei Bülter selbst zeigt die Formkurve wieder nach oben, der 27-Jährige hat seine Corona-Erkrankung überstanden, wurde gegen Frankfurt und Hertha zuletzt jeweils eingewechselt. "Nach der Quarantäne war es nicht so einfach, wieder reinzukommen", erzählt er. "Aber ich bin soweit." Eine wichtige Rolle könnte nach der Verletzung von Max Kruse jetzt Marcus Ingvartsen zukommen - obwohl der Däne ein anderer Spielertyp ist.

"Ich glaube, es ist auch wichtig, dass Marcus nicht versucht, Max Kruse zu imitieren", so Trainer Fischer. "Oder seine Rolle eins zu eins zu übernehmen. Marcus hat andere Vorzüge, da zählt vor allem, dass er in Abschlusspositionen kommt, die Tiefe angreift. Er ist ein Spieler, der auch gegen den Ball sehr viel investiert." Gerade letztere Eigenschaft dürfte gegen die Bayern elementar wichtig sein. Wichtig und entscheidend wird auch sein, wie die Mannschaft die Ausfälle von Kruse und Andrich als Kollektiv kompensiert.

Der Gegner

… ist Teil von Unions schwerer Hinrunden-Schlussspurt-Serie. Der FC Bayern München kommt mit einem sehenswerten 3:3 gegen RB Leipzig vom vergangenen Wochenende und einem 2:0 gegen Lokomotive Moskau im letzten Champions-League-Gruppenspiel am Mittwochabend im Gepäck an die Alte Försterei. "Eine gewisse Rotation hat da stattgefunden, gewisse Spieler wurden geschont oder frühzeitig ausgewechselt", so Trainer Fischer auf die Frage, ob die Bayern wegen ihres knallvollen Spielplans mit zahlreichen englischen Wochen vielleicht müde sein könnten. "Ich glaube, die Mannschaft hat 'ne Gier. Auch wenn sie sehr viele Spiele gespielt hat, sie ist gierig auf den Erfolg."

Unter Hansi Flick haben die Bayern in der vergangenen Spielzeit das Triple aus Champions-League, Meisterschaft und Pokal gewonnen, aktuell plagen den Coach der Münchener aber trotz der Qualität im Kader Verletzungssorgen. Gerade der Ausfall von Antreiber Joshua Kimmich tut weh - dazu kommt, dass im zentralen defensiven Mittelfeld auch Javi Martinez nicht zur Verfügung steht. Gegen Moskau hat der spanische Neuzugang von Espanyol Barcelona, Marc Roca den Platz neben Leon Goretzka eingenommen. Ausfälle können die Münchener kompensieren.

Zudem haben sie einen jungen Mann im Kader, der in den letzten Wochen mehr als nur auf sich aufmerksam gemacht hat: der erst 17-jährige, dribbelstarke und offensiv zielstrebige Jamal Musiala ist in sieben Ligaspielen sechs Mal eingewechselt worden und hat bereits drei Tore erzielt. Auch auf den Außenbahnen sind die Bayern exzellent besetzt - und haben mit Kingsley Coman einen Spieler in ihren Reihen, der derzeit in bestechender Form ist. Von seinen sieben Scrorerpunkten hat der 24-Jährige drei zuletzt gegen Leipzig gesammelt.

"Wir müssen alles richtig machen, denn auch wenn die Bayern nicht ihren besten Tag haben, gewinnen die eigentlich die Spiele", weiß Unions Urs Fischer. "Wir müssen vor allem in der Arbeit gegen den Ball schauen, dass sie nicht Lust bekommen, Fußball zu spielen. Wir müssen versuchen, sie zu stören. Und dann musst Du mutig sein. Du musst Drucksituationen, die Du haben wirst, überstehen und dann musst Du den Mut haben, Dich aus solchen Situationen zu lösen." Der Chefcoach selbst hat übrigens die Situation mit seinem auslaufenden Vertrag bei den Eisernen unter der Woche relativ entspannt gelöst, was ihn zum ...

Unioner der Woche

... macht. Fischer - der Mann, der in seiner Freizeit gerne angeln geht - bleibt beim 1. FC Union, hat seinen Kontrakt vorzeitig bis 2023 verlängert. Die Fans sind längst verzückt, haben den sympathischen und entspannten Schweizer schon nach seiner ersten Spielzeit in Köpenick ins Herz geschlossen und feiern ihn regelmäßig für seine Art. Dazu kommt: Der Erfolg gibt Fischer Recht. In der Premieren-Saison stieg er mit den Eisernen in die Bundesliga auf, in der zweiten blieb er sensationell drin - in der dritten hat er mit seiner Mannschaft bislang starke 16 Zähler nach zehn Spieltagen geholt, das Team gerade im Spiel mit dem Ball weiterentwickelt. Zusammen mit Co-Trainer Markus Hoffmann, der seinen Vertrag ebenfalls verlängert hat.

"Mir macht's einfach wirklich Spaß, hier zu arbeiten", so der 54-Jährige. "Ich habe wirklich ein sehr tolles Team und als Team bezeichne ich wirklich den ganzen Verein. Die Arbeit mit den Leuten macht Spaß, alle denken in eine Richtung. Deshalb war das für mich Nichts, wo ich groß überlegen musste." Grischa Prömel fasst den Step aus Spielersicht knackig zusammen mit der Worten: "Sind alle happy, dass Urs und Hoffi ihre Verträge verlängert haben."

Besonderheiten

Stell Dir vor, die Bayern kommen - und keiner sieht’ s. Also live vor Ort, im Stadion. Wie schon in der vergangenen Spielzeit findet das Duell mit dem Rekordmeister coronabedingt ohne Fans statt. In der Rückrunde der letzten Saison war das Match das erste ohne Publikum. "Ich will mir gar nicht ausmalen, was hier los wäre, wenn wieder Zuschauer zugelassen wären und die Bayern dann an die Alte Försterei kommen, in einem Ligaspiel", sagt Prömel. "Ich kann da schon mitfühlen mit den Union-Anhängern, uns tut es genau so weh. Aber in der jetzigen Zeit muss man einfach vorsichtig sein."

Sendung: rbb Inforadio, 12.12.2020, 6.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

1 Kommentar

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  1. 1.

    Icke wünsche viel Erfolg wa! Und nur Mut. Die Bayern kochen och bloß mit Wasser! Vielleicht sollte man über Lautsprecher die Fankurve aufleben lassen!

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