Maxi Mittelstädt und Vladimir Darida von Hertha BSC schauen enttäuscht (Quelle: imago images/Jan Huebner)
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Fußball-Bundesliga - Angezählte Herthaner empfangen rekordverdächtig schwache Schalker

Im neuen Jahr will Hertha BSC alte Probleme abstreifen: Mehr Zählbares, mehr Mannschaft, mehr Begeisterung darf es sein. Gegen den abgeschlagenen Letzten Schalke 04 soll am Samstag der Anfang gemacht werden. Von Dennis Wiese

Das Personal

Kapitän Dedryck Boyata fällt verletzt aus. Der Belgier hatte Herthas Abwehr beim Mini-Aufschwung (fünf Punkte aus drei Spielen) ab Ende November zu alter Stabilität verholfen. Weil die Blau-Weißen in dieser Saison so wenig gefestigt, so wenig überzeugend daherkommen, könnte der Ausfall des Kapitäns Sorgen bereiten.

Hertha-Spieler Jhon Cordoba (Quelle: imago images/Camera 4)
Zurück im Teamtraining: Jhon Cordoba. | Bild: imago images/Camera 4

Niklas Stark, der zuletzt im defensiven Mittelfeld spielte, könnte als Ersatz zurück auf seine angestammte Innenverteidigerposition rutschen, auch Neuzugang Omar Alderete (Linksfuß, zuletzt mit wenig überzeugenden Leistungen) wäre eine Option. Weil mit Jordan Torunarigha ein weiterer Linksfuß in der Innenverteidigung gesetzt ist, sind die "beiden Linken" eher eine B-Lösung.

Für Freude sorgt bei Hertha die Nachricht, dass Stürmer Jhon Cordoba nach überstandener Verletzung wieder im Mannschaftstraining ist. Sich aufopfern, die Kollegen mitreißen, das sind Merkmale des Kolumbianers. Eben die Eigenschaften, die bei Hertha dringend benötigt werden.

Es fehlen: Santiago Ascacibar (Trainingsrückstand), Dedryck Boyata (Fußverletzung), Mathew Leckie (Bauchmuskelbeschwerden)

Die Form

Trainer Bruno Labbadia hat einen naheliegenden Wunsch: Seine Mannschaft soll im Spiel das umsetzen, was er vor dem Spiel als Matchplan ausgibt. Weil das beim vorigen Auftritt, dem schwachen 1:4 in Freiburg, kaum einmal der Fall war, holte Labbadia in den Interviews nach Abpfiff die Rute raus: "Bei Herthas Raumaufteilung lacht sich jede gegnerische Mannschaft kaputt", Matheus Cunhas Auftritt sei "unterirdisch" gewesen.

Als Hertha liefern musste, kam wenig bis gar nichts. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nun gerade einmal drei Punkte. Das "Na jetzt aber" drängt sich vor dem Heimspiel gegen Schalke auf: Schließlich kommt das Bundesligateam mit den wenigsten Siegen (0), den wenigsten Punkten (4), den wenigsten Toren (8) und den meisten Gegentoren (36). Doch die Stolpergefahr ist groß für eine Hertha-Mannschaft ohne Stabilität und Überzeugung.

Der Gegner

…spielt rekordverdächtig erfolglosen Fußball. Den bisher letzten Sieg in der Bundesliga feierte Schalke 04 am 17. Januar 2020. Das 2:0 gegen Mönchengladbach sollte der einzige königsblaue Dreier im gesamten Jahr bleiben. Seitdem folgten 29 Bundesligapartien ohne Schalker Sieg. Fehlen noch zwei bis zum Rekord von Tasmania Berlin. In ihrer einzigen Bundesligasaison 1965/66 blieben die Neuköllner ganze 31 Ligaspiele in Serie ohne Sieg. Schalke ist Tasmania dicht auf den Fersen.

Mit nur vier Punkten sind die Gelsenkirchener Tabellenletzter, haben in der Mini-Winterpause aber nochmals den Reset-Knopf gedrückt und den vierten Coach dieser Saison verpflichtet: Der Schweizer Christian Gross (66) beendete den Trainer-Ruhestand, um Schalke künftig beim Kampf um den Klassenerhalt zu helfen. Ende der 90er Jahre rettete Gross Tottenham Hotspur vor dem Abstieg, Ende der 2000er gelang ihm das gleiche Kunststück mit dem VfB Stuttgart. In Europa saß Gross zuletzt 2012 auf der Trainerbank, zuletzt war der Schweizer in Ägypten und Saudi-Arabien tätig.

Herthaner im Fokus

Jhon Cordoba ist zurück. Herthas kolumbianischer Stürmer war neben Matteo Guendouzi der einzige Neue, der sich auf Anhieb das Prädikat "Verstärkung" verdiente. Gleich im ersten Hertha-Spiel (Cordoba kam in der letzten halben Stunde für Krzysztof Piatek) gelang dem Stürmer sein erstes Tor. Es sollte nicht das einzige blieben. Cordobas Gesamtbilanz: sieben Spiele, drei Treffer, eine Vorarbeit.

Von Beginn an fügte sich der frühere Kölner nahtlos in Herthas Offensivspiel ein: mit bulligem Körper, viel Leidenschaft und scheinbar intuitivem Spielverständnis. Ein Spieler ganz nach dem Geschmack von Trainer Labbadia: "Er war schnell ein Fixpunkt in der Mannschaft." Anfang November verletzte sich der Kolumbianer am Sprunggelenk. Und alle Eigenschaften fehlten Hertha spürbar, Matheus Cunha wurde zum offensiven Alleinunterhalter.

Schon vor dem Spiel in Freiburg hatte Cordoba einzelne Trainingseinheiten mitgemacht, seit Ende der Winterpause am 28.12. ist er wieder komplett im Mannschaftstraining. Bruno Labbadia zeigt sich vom Rückkehrer angetan: "Seine Lust, seine Freude hat er total übertragen. Das tat der Mannschaft gut, dass er wieder voll dabei war." Ob es für 90 Minuten reicht, ist noch nicht klar. Im wichtigen Spiel gegen Schalke dürfte Cordoba aber sein Comeback geben.

Besonderheiten

Die Mini-Winterpause ist vorbei. Nur zwölf Tage Pause liegen zwischen dem letzten Spiel 2020 (20.12.) und dem ersten Spiel 2021 (02.01.). Das gilt für die Bundesliga und auch für die Herthaner, die an beiden Tagen im Einsatz waren (20.12. beim SC Freiburg) beziehungsweise sein werden (02.01., 18.30 Uhr gegen Schalke 04).

In der Bundesliga-Historie gab es bereits kürzere Unterbrechungen: 1964 etwa lagen nur elf Tage Pause zwischen den Partien am 19.12. und 31.12. Vereinzelt führten Nachholspiele dazu, dass die Winterpause zwischen zwei Spielen noch kürzer war: etwa zwischen dem 29.12.1973 und dem 05.01.1974. Im Normalfall pausierte die Liga in den 1970ern zumeist von Anfang Dezember bis Mitte Januar. 1986 und 1988 gab es die XXL-Winterpause mit jeweils knapp 80 Tagen ohne Bundesliga.

So oder so: Das Pensum in dieser Corona-Bundesligasaison ist immens. Denn im Januar stehen gleich sechs Spieltage an.

Sendung: Inforadio, 02.01.2020, 10:15 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

7 Kommentare

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  1. 7.

    Das Spiel gegen Schalke wird zum Schlüsselspiel, ob in diesem zusammengewürfelten Kader doch so etwas wie Teamspirit schlummert bzw. vom wirklich nicht beneidenswerten Trainerteam hinein motiviert werden kann.
    Der Klinsmann wusste schon, wieso er Reißaus genommen hat.

  2. 6.

    Treffen zweier Absteiger.

  3. 5.

    Oh ha, großes Derby der königsblauen Skandalvereine.
    Muss mich als Berliner aber nicht wirklich interessieren.
    Hertha ist ja nach Holland verkooft.

  4. 4.

    Gegen Schalke darf auf keinen Fall verloren werden sonst, wird die Anhängerschaft zügellos.

  5. 3.

    "Weshalb berichtet keiner darüber, dass Cunha die gesamten Weihnachtsfeiertage in Zermatt verbracht hat und über Umwege im Privatjet zurückgekehrt ist!?"

    ... weil es total Wumpe ist!

  6. 2.

    Gelingt Hertha die Überraschung?

  7. 1.

    Fragenkatalog: 1. Weshalb hält die gesamte Berliner Journalie bzgl. des hauptverantwortlichen Vorstand Sport Preetz weiterhin dermaßen die Füße still (siehe letztes Interview auf rbb24.de. Keinerlei kritische Nachfragen. Ist er auch euer Schwiegersohn? 2. Wen kostest es nach der Niederlage gegen S04 den Kopf? Sicher nur den armen Bruno. 3. Wie vertritt die Tennor-Group ihren Inverstoren gegenüber dieses dauerhaft renditelose Fehlinvest? 4. Motiv für den Tennor-Einstieg? Börsengang oder Wegfall 50+1? Weshalb berichtet keiner darüber, dass Cunha die gesamten Weihnachtsfeiertage in Zermatt verbracht hat und über Umwege im Privatjet zurückgekehrt ist!?

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