Analyse | Union punktet gegen Bayern - Ein Unentschieden mit vielen Gewinnern

Union-Spieler beim Jubel nach dem 1:0 gegen Bayern / imago images / Contrast
Audio: Inforadio | 13.12.2020 | Stephanie Baczyk | Bild: imago images / Contrast

Ohne den verletzten Max Kruse stellte sich vor der Partie des 1. FC Union gegen den FC Bayern die Frage, ob es den Köpenickern gelingen würde, offensive Akzente zu setzen. Schon nach wenigen Sekunden gaben die Spieler die Antwort auf dem Platz. Von Marius Dobers

Der amtierende Meister dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als Taiwo Awoniyi bereits nach einer Minute die erste Großchance für den 1. FC Union hatte. Nach einem Pass in die Tiefe scheiterte der 23-Jährige, der schon in der vergangenen Woche im Derby getroffen hatte, an Manuel Neuer. Es sollte nicht der letzte Besuch im Strafraum des FC Bayern bleiben. Das Fehlen von Top-Stürmer Max Kruse war den Gastgebern nicht anzumerken.

In der vierten Minute machte Union dann seinem Ruf als Frühstarter wieder alle Ehre. Nach einer Ecke köpfte Grischa Prömel zur Führung ein. Mit dem 1:0 waren die Offensivbemühungen der Eisernen jedoch nicht beendet - einer der vielen positiven Aspekte an diesem Abend.

Unions Offensive funktioniert auch ohne Kruse

Denn statt sich nach der Führung hinten reinzustellen, spielte das Team weiter mutig nach vorne und beschäftigte die Hintermannschaft des FC Bayern über die gesamte Spielzeit. Awoniyi ließ in der 20. Minute Boateng und Alaba stehen, schob den Ball aber knapp am Gehäuse vorbei. In der zweiten Halbzeit verpasste erneut Awoniyi die Chance, die Führung auszubauen. Im weiteren Spielverlauf kamen mit Bülter, Becker und Endo weitere Akteure der Unioner zu ihren Gelegenheiten. In der 82. Minute köpfte Friedrich fast zur erneuten Führung für die Gastgeber ein. Das Spiel zeigt, dass Union offensiv mehr als eine One-Man-Show ist.

Angesichts der unzureichenden Chancenverwertung dürfte aber die Frage aufkommen, ob ein abgezockter Spieler wie Kruse sorgfältiger mit den Gelegenheiten umgegangen wäre. Torschütze Prömel war trotz der vergebenen Großchancen stolz auf den Auftritt: "Man sieht einfach, dass wir als Mannschaftsgefüge intakt sind, dass wir extrem kompakt sind, extrem gut organisiert und darüber hinaus teilweise auch gut Fußball spielen".

Union steht kompakt und verteidigt druckvoll

Neben den gelungenen Offensivaktionen gelang es Union nämlich, die Bayern nicht zur fußballerischen Entfaltung kommen zu lassen. Die Gastgeber standen kompakt und setzten die ballführenden Spieler stets unter Druck. Sie ließen sich nicht vom FC Bayern einschnüren. Die spielerischen Ungenauigkeiten im Spiel der Münchener wusste Union bisweilen in Kontersituationen umzumünzen. Dank dieses druckvollen Auftritts konnten Gnabry und Davies sich nur mit taktischen Fouls helfen und kassierten gelbe Karten. Ein Zeugnis der Hartnäckigkeit, mit welcher Union die Münchener im Spielaufbau störte.

Gleichermaßen behielten die Eisernen im eigenen Strafraum fast im gesamten Spiel die Lufthoheit. Die Hintermannschaft köpfte zahlreiche Hereingaben aus dem Sechzehner und hielt in fast allen Situationen den immer stärker werdenden Druckwellen des FC Bayern stand. In der 67. Minute hatte man schließlich das Nachsehen, als Coman nach einem Dribbling im Strafraum Lewandowski bediente. Beim Stand von 1:1 fand in der 89. Minute doch noch ein gefährlicher Kopfball von Sané den Weg in Richtung des Unioner Tores.

Luthe hält den Punkt fest

Doch dort stand mit Andreas Luthe ein weiterer Garant des Punktgewinnes und kratzte mit einem Weltklassereflex den Ball von der Linie. Nach unglücklichen Szenen gegen Frankfurt (3:3) und im Derby gegen Hertha (1:3) war zunächst über eine Wachablösung des 33-jährigen Luthes im Tor der Unioner diskutiert worden. Zumal mit Loris Karius ein ambitionierter Ersatz mit den Hufen scharrt. Vor Beginn des Spiels betonte Trainer Urs Fischer am Sky-Mikrofon jedoch, dass Luthe sein volles Vertrauen genieße. Für einen Wechsel im Tor bestände keine Notwendigkeit.

Luthe zahlte das Vertrauen mit einer guten Leistung zurück. In der ersten Hälfte blieb er dank seiner Vorderleute beinahe beschäftigungslos, parierte kurz vor der Pause aber einen Schuss von Gnabry und rettete entschlossen vor Coman. In der zweiten Halbzeit erhöhte sich sein Arbeitspensum. Beim Ausgleich von Lewandowski war er chancenlos. Mit der Glanzparade als finale Pointe dürfte der Keeper aber gestärkt in die nächsten Partien gehen.

"Ich denke schon, dass es noch ein Bierchen geben wird"

Der gelungene Auftritt gegen den Rekordmeister aus München hat erneut gezeigt, dass Union an guten Tagen auch die Großen ärgern kann. Das macht Mut für die verbleibenden zwei Ligaspiele des Jahres. Denn bereits am Dienstagabend (20:30 Uhr) treten die Eisernen beim formstarken VfB Stuttgart an, bevor man Freitagabend (20:30 Uhr) Borussia Dortmund empfängt.

Urs Fischer, der unter der Woche seinen Vertrag verlängert hatte, dachte bei aller Euphorie über den starken Auftritt gegen den FC Bayern bereits an die kommende Aufgabe: "Ich denke schon, dass es noch ein Bierchen geben wird, aber dann geht es an die Analyse. Wir werden den Jungs sicher das eine oder andere morgen auch zeigen." Sicher dürfte auch die Chancenverwertung Teil der Analyse werden. Doch abgesehen davon dürfte das Bildmaterial vor allem eines veranschaulichen: Dass sich dieses Team vor niemandem verstecken muss.

Sendung: Inforadio, 13.12.2020, 5 Uhr

Beitrag von Marius Dobers

11 Kommentare

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  1. 11.

    Tja... mit Fakten haben es Unioner nicht so

    Frag mal Gerdchen !!!!

  2. 10.

    Großartig geschrieben. Chapeau dafür

  3. 9.

    Ach du meine Güte. Hier geht es um die Analyse des starken Spiels des FCU gegen den FCB, und fast alle Kommentatoren off topic'en hier herum. Der FCU hat saustark gespielt und den FCB am Rande einer Niederlage gehabt: das ist das Thema!

    Von mir nochmal Glückwunsch an die die Mannschaft und das Trainerteam für die tolle Leistung!

  4. 8.

    Puhhh. Was für ein unqualifizierter Kommentar. Das tut echt weh beim Lesen!!!

    Hier eine Korrektur:

    1. Der letzte Berliner Klub im Europapokal war Hertha BSC in der Saison 2017 / 2018.

    2. "Die Hauptstadt" drückt Union sicherlich nicht die Daumen!

    Einen schönen Abend!

  5. 7.

    Profifußball ist total verzichtbar, dann doch lieber Breitensport. Profifußball zählt zur Unterhaltungsbranche und sollte wie die Theater, Kinos usw. ihren Teil zum lockdown beitragen und schließen.

  6. 6.

    ....und das haben Sie in diesem intensiven Qualm und Licht alles gesehen und abgemessen (1,50 m Abstand)??? Respekt!!!
    Aber ist schon beruhigend zu wissen, dass ja ansonsten in Berlin von allen alle Regelungen eingehalten werden!! Vor allem beim Glühweinausschank und beim Shoppen!

  7. 5.

    Die Fans mit ihren lautstarken Gesängen vor dem Stadion haben sich jedenfalls nicht an die Regeln gehalten. Keine Ahnung was am Profifußball vorbildlich sein soll.

  8. 4.

    Ego's melden sich wieder, wenn es gegen den Fussball geht. Wenn sich die "Ego's" in der letzten Zeit so diszipliniert an die Corona-Regeln gehalten hätten, wie die Fußballer, dann könnten alle einen gesegneten Weihnachten vernünftig feiern. Es ist erschreckend, was in den Städten und Geschäften los ist, als wenn es kein Corona geben würde.

  9. 3.

    Allmählich beschleicht mich das Gefühl, Berlin ist in der nächsten ist tatsächlich mal wieder international vertreten. Ist ja auch lange her, dass mit dem BFC ein Berliner Club im Europapokal dabei war. Die Haupstadt drückt euch die Daumen ihr Eisernen!!!

    U.N.V.E.U.

  10. 2.

    30 Personen vor dem Stadion versammelt. Lock down auch im Fußball nötig!

  11. 1.

    FC Corona Berlin. Respektlos ggüber den hart arbeitenden Menschen in den Kh. Und der RBB findet es noch toll.

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