Krzysztof Piatek jubelt über seinen Treffer zum 2:1. Quelle: imago images/Camera 4
Audio: Inforadio | 04.12.2020 | Guido Ringel | Bild: imago images/Camera 4

3:1 nach Rückstand gegen Union - Piatek schießt Hertha mit Doppelpack zum Derbysieg

Die erste Führung gehörte dem 1. FC Union - der Sieg ging aber an Hertha BSC: Das Team von Trainer Bruno Labbadia hat das Berliner Bundesliga-Derby mit 3:1 (0:1) gewonnen. Die Blau-Weißen profitierten dabei auch von einer mehr als einstündigen Überzahl.

Der Sieger im Berliner Bundesliga-Derby heißt Hertha BSC: Das Team von Trainer Bruno Labbadia besiegte den 1. FC Union am Freitagabend mit 3:1 (0:1). Dabei waren die Köpenicker zunächst sogar in Führung gegangen. Doch nachdem Robert Andrich bereits nach gut zwanzig Minuten Rot gesehen hatte, drehten die Hausherren in der zweiten Hälfte in Überzahl die Partie.

Der Spielverlauf

Zwanzig Minuten passierte im Olympiastadion nicht viel. Doch dann nahm das Spiel plötzlich an Fahrt auf - und wurde gleich turbulent: Erst brachte Taiwo Awoniyi den 1. FC Union nach einem Traumpass von Marcus Ingvartsen mit 1:0 in Führung (20.). Nur drei Minuten später trübte sich dann aber der Jubel der Köpenicker. Robert Andrich flog nach einem Foul gegen Lucas Tousart mit glatt Rot vom Platz - sein viel zu hohes Bein traf den Franzosen am Hals. Union stand nun mehr als eine Stunde zu zehnt bevor.

Hertha drängte in Überzahl auf den Ausgleich, spielerische Ideen fehlten dem Team von Bruno Labbadia gegen kompakte Unioner aber weiterhin. So traf mangelnde offensive Kreativität in Blau und Weiß auf Köpenicker Defensiv-Beton. Die beste und - von Ansätzen abgesehen - einzige Chance hatten die Hausherren fast folgerichtig nach einer Standardsituation: 40 Minuten waren gespielt, als Dodi Lukebakio nach einer Ecke von Matheus Cunha unbedrängt zum Kopfball kam - aber an Andreas Luthe im Union-Kasten scheiterte.

Der machte dann aber nach der Pause einen entscheidenden Fehler. Einen Distanzschuss von Cunha konnte der 33-Jährige nur nach vorne abprallen lassen und dort stand Peter Pekarik: Der Slowake hatte keine Mühe, zum Ausgleich einzuschießen (51.). Ein ärgerlicher Fehler aus Sicht der Unioner, weil sie ansonsten zunächst weiter wenig zuließen - und das, obwohl Labbadia schon zur Pause mit Javairo Dilrosun und Krzysztof Piatek zusätzliche Offensiv-Power gebracht hatte.

Die sollte sich dann aber doch auszählen. Es wurde - ausgerechnet - der Mann zum Derbyhelden, der bei Hertha bislang so gar nicht glücklich wurde. Piatek erzielte jeweils vorbereitet von Dilrosun erst die Führung für die Gastgeber (74.) und baute sie nur drei Minuten später (vor-)entscheidend aus. Und als wäre das nicht bitter genug für Union, müssen die Köpenicker auch noch um ihre wichtigste Offensivkraft der vergangenen Wochen bangen: Max Kruse verletzte sich in der Nachspielzeit - und humpelte vom Rasen. Die Diagnose? Noch offen.

Die Kurz-Analyse

Als Urs Fischer nach dem Spiel zur Analyse kam, hatte diese vor allem einen zentralen Satz: "Die Rote Karte war der Knackpunkt", sagte der Schweizer Trainer des 1. FC Union. Als Robert Andrich sie nach dem Foul an Tousart sah, führte sein Team noch mit 1:0 - weil es gleich die erste Chance in einem bis dato höhepunktarmen Spiel konsequent genutzt hatte. Danach wechselten die Eisernen notgedrungen in den reinen Verteidigungsmodus.

Und das machten sie gut, ja sehr gut sogar. Bis zur Pause zermürbten sie zugegeben auch sehr einfallslose Herthaner mit disziplinierter Abwehr-Arbeit. Die schienen förmlich zu verzweifeln - und wären das auch nach der Pause womöglich noch länger, wenn nicht Union-Keeper Luthe gepatzt hätte. Weil er einen Schuss nur prallen ließ, konnte Pekarik einschieben. "Wenn du in der 20. eine Rote Karte kassierst, geht irgendwann die Kraft aus", sagte ein enttäuschter Kapitän Christopher Trimmel nach der Partie.

Das nutzte Hertha dann aus. Viele Chancen hatten sie weiterhin nicht, aber zeigten eine große Effizienz. Allen voran: Das eingewechselte Duo Dilrosun/Piatek. Zweimal bereitete der eine vor - und der andere traf. "Ich bin sehr glücklich, es fühlt sich unglaublich an", sagte der Doppeltorschütze Piatek. Es waren wahre Glücksmomente für den Stürmer, die sich umso glücklicher anfühlten, weil er davon zuletzt so wenige hatte. Und so herrschte am Ende blau-weiße Freude - mit einer Feier in der leeren Kurve: "Das war ein Bild, eine schöne Geste für die Fans. Das kam spontan", sagte Keeper Alexander Schwolow.

Das sagt das Netz

Zunächst ging Union mit 1:0 in Führung. Einem Fan der Köpenicker scheint es gelungen zu sein, sich undercover als Fotograf ins Stadion zu schleichen.

Lange Zeit fiel Hertha nach dem Rückstand nichts ein, Union ging mit der Führung in die Halbzeit. Im Netz gibt es Vorschläge:

Doch am Ende drehte Hertha die Partie: Stadtmeister, Derbysieger, drei Punkte. Für alle Herthaner ist es ein überaus erfolgreicher Spieltag.

Alle Derbysieger einmal lachen, bitte:

Der Liveticker zum Nachlesen

Fußball Bundesliga

  • Freitag, 15.Januar, 20.30 Uhr
    Union Berlin - Bayer Leverkusen1:0(0:0)
    Samstag, 16.Januar, 15.30 Uhr
    Borussia Dortmund - FSV Mainz 05-:-(-:-)
    1899 Hoffenheim - Arminia Bielefeld-:-(-:-)
    VfL Wolfsburg - RB Leipzig-:-(-:-)
    1.FC Köln - Hertha BSC-:-(-:-)
    Werder Bremen - FC Augsburg-:-(-:-)
    Samstag, 16.Januar, 18.30 Uhr
    VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach-:-(-:-)
    Sonntag, 17.Januar, 15.30 Uhr
    Bayern München - SC Freiburg-:-(-:-)
    Sonntag, 17.Januar, 18.00 Uhr
    Eintracht Frankfurt - FC Schalke 04-:-(-:-)
    PlVereinSpguvToreDiffPkt
    1.Bayern München15103246:24+2233
    2.RB Leipzig1594226:12+1431
    3.Bayer Leverkusen1685330:16+1429
    4.Union Berlin1677232:20+1228
    5.Borussia Dortmund1591531:19+1228
    6.VfL Wolfsburg1567222:17+525
    7.Borussia Mönchengladbach1566328:24+424
    8.SC Freiburg1565428:24+423
    9.Eintracht Frankfurt1558225:23+223
    10.VfB Stuttgart1556430:22+821
    11.FC Augsburg1554617:23-619
    12.Hertha BSC1544723:25-216
    13.Werder Bremen1536617:24-715
    14.1899 Hoffenheim1543822:30-815
    15.Arminia Bielefeld15411010:24-1413
    16.1.FC Köln1525813:27-1411
    17.FC Schalke 0415141012:39-277
    18.FSV Mainz 0515131114:33-196
    PL
    Platz
    SP
    Spiele
    G
    gewonnen
    U
    unentschieden
    V
    verloren
    DIFF
    Tordifferenz
    PKT
    Punkte

    (ARD Text)

    • Champions League
    • Qualifikation CL
    • Europa League
    • Relegation
    • Absteiger

Sendung: rbb24, 04.12.2020, 21:45 Uhr

42 Kommentare

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  1. 42.

    Beim ersten Gegentor hat Luthe den Ball etwas unglücklich an die Pratzen bekommen und konnte ihn deshalb nicht aus der Gefahrenzone zur Seite weglenken - kann man als Fehler bezeichnen. Der ungenaue Pass, der letztendlich zum zweiten G-Tor führte, war natürlich auch nicht so toll; Luthe wollte den Ball (in Bedrängnis) eben im Spiel halten. Der Schuss von Piatek wäre aber m. E. zu halten gewesen, wenn der Ball nicht abgefälscht worden wäre. Aber alles Spekulatius bringt ja nichts: Hertha hat 3:1 gewonnen, und damit ist die Sache für mich auch erledigt.

    Aber: was hätte das für ein tolles Derby mit 70.000 Fans im Stadion sein können - sehr, sehr schade.

  2. 41.

    Und der (noch) liebe nette Onkel Windhorst ist als vom Konkurs wieder auferstandene "Berufsheuschrecke" nicht automatisch ein Samariter, nur weil er die mittellose Tante Hertha adoptiert und massiv alimentiert hat!!!

  3. 40.

    Wenn Luthe den Ball zum freistehenden Pekarik abprallen lässt, kann man wohl nicht von Glück reden. Eher wohl von Torwartfehler. Und das Zweite Tor wurde auch durch einen Fehlpass von Luthe eingeleitet. Abgefälschter Torschuss hin oder her, drin war er.

  4. 39.

    Zitat: "Hahaha schlechter Verlierer.

    Herrlich dieses 3:1 gegen die göttlichen Unioner"


    . . . "Schlechte Verlierer", wo denn das, Lato?

    Ach und, wo steht der MSV gerade? Ach ja, kurz vor der Regionalliga . . .

  5. 38.

    Sehr schade, dass Robert sich hat hinreißen lassen. Dabei hat der "aggressive leader" diese Saison mit bis gestern nur einer gelben Karte und drei Toren so gut begonnen, also viel fokussierter als in der letzten Saison gespielt. Na, wird schon wieder.

    Für den Spielverlauf war der Platzverweis natürlich Gift. Hertha hatte nach diesem viel mehr vom Spiel, aber auch etwas Glück bei den ersten beiden Toren. Mit voller Besetzung beim FCU wäre das Spiel sicher nicht 3:1 ausgegangen, darf man wohl annehmen. Aber weiter gehts, das Ziel ist klar!

  6. 37.

    Weiter so Hertha und den Klassenerhalt festigen.

  7. 36.

    Arroundtown ist Ihnen aber schon ein Begriff. Oder? Immobilienkonzerne sind grad bei vielen Berlinern nicht beliebt

  8. 35.

    Ein "reguläres Match" gibt es wenn ihr auch 11 Spieler mitbringt die auch die gleiche Sportart betreiben.

  9. 33.

    Warum lesen Sie dann die Nachrichten im Sportteil wenn sie es für unwichtig halten? Fußball ist übrigens keine Randsportart. Weiß nicht, wo Sie herkommen, aber in Deutschland ist Fußball sehr beliebt. GW an Hertha zum Sieg.

  10. 32.

    Versteh ich auch nicht warum Hertha wie im letzten Derby auch schon aufhört Tore zu schießen.
    Mitleid??

  11. 31.

    In den letzten Spielen hat die Union regelmässig von Elfmetern und roten Karten profitiert. Jetzt hat sich das Spielglück gedreht. Robert Andrich wird mindestes 3 Spiele gesperrt und sollte sich Max Kruse Verletzung als schwer herausstellen, komme in den nächsten Woche harte Zeit auf die Union zu.
    Der alten Dame stehen dagegen in den nächsten Wochen die machbaren Aufgaben bevor.

    Weihnachten ist es dann Zeit für eine Zwischenbilanz.

    Sportliche Grüße Paul

  12. 30.

    Und wem intressiert diese Randsportart. Wir haben doch wohl zur Zeit andere Probleme. Ich weiß nicht ob Fußball diese Randsportart wichtiger ist wie die Gesundheit der Bevölkerung dieser Stadt oder ist Fußball System Relevant.

  13. 29.

    Also sorry wenn jemand als erfahrener Spieler so in den Zweikampf geht und das war ganz klar rot dann weiß man das man sein Team schwächt also Unioner aufhören zu jammern ihr habt verloren und zwar weil es jemand gab der es selbst provoziert hat mit rot runter zu gehen und damit sein Team selbst geschwächt hat HaHoHe

  14. 28.

    Eben wach geworden und ich wundere mich das Hertha nur 3 Tore gegen 10 Gegenspieler schafft. Da ist aber noch Luft nach oben......

  15. 27.

    Was soll das Gejammere um die Rote Karte?
    Die war doch verdient. Wenn Jemand schwache
    Nerven hat, darf er nicht aufs Spielfeld. Alles
    Andere gehört wohl in die Kategorie Neid.
    Abgerechnet wird immer am Schluss. Nicht vor-
    her schon laut tönen.

  16. 26.

    Auch hier wieder ein Kommentar, der die Qualität der Kommentare der vergangenen Tage widerspiegelt. Nur rumnörgeln und seinen Frust den Mitmenschen mitteilen. Das geht auch an die , die sich so über die Fähnchen Aktion aufgeregt haben. Blau-Weiß hat gewonnen und es spielt keine Rolle ob gegen 10 oder 11 Mann. Damit kehrt erstmal Ruhe hier ein, ihr könnt eure Prol-Kommentare nächste Woche wieder loslassen, wenn der RBB das Thema Fahne wieder aufruft.Berlin ist Blau-Weiß und Köpenick Rot-Weiß. Und an die richtigen Union- Fans, trocknet die Tränen und nächste Woche geht’s weiter. Auf eine erfolgreiche Saison für beide Seiten.

  17. 25.

    Wo die vielen Sympathien für den Köpenicker Nostalgieverein herkommen, bleibt mir ein Rätsel. Inmitten der Pandemie wollten sie im vollen Stadion spielen und glaubten sogar, das selbst entscheiden zu können. Und nun zeigt sich mal wieder, dass Verlieren auch gelernt sein muss. Vereinsführung und Fans sind da noch nicht auf Bundesliganiveau. Unkritisch-fanatische Fans sind mir in Zeiten, in denen Fanatiker die Straßen beherrschen, ohnehin ziemlich suspekt.

  18. 24.

    Sehr schlechte Verlierer die Fans aus Köpenick !!!

    HA HO HE HERTHA BSC

  19. 23.

    Die rote Karte war leider Gift für die Eisernen! Macht nichts! Mund abputzen und weiter kämpfen! Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt! Mehr nicht und nicht weniger!

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