Foto-Collage mit Klinsmann, Guendouzi, Piatek und Fähnchen vor der Gedächtniskirche / imago images / Matthias Koch/Mausolf / Bearbeitung: rbb
Audio: Inforadio | 28.12.2020 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images / Matthias Koch/Mausolf / Bearbeitung: rbb

Über Derbysiege und verpasste Ziele - Fünf Dinge, die Hertha 2020 gelernt hat

Es war ein Jahr, das so hoffnungsvoll begann für Hertha BSC und mit viel Ernüchterung endet. In den zwölf Monaten ist so einiges passiert, das 2021 besser laufen könnte. Fünf Sachen, woraus der Verein seine Lehren ziehen muss. Von Lukas Scheid

1. Geld schießt keine Tore

374 Millionen Euro – DREIHUNDERT-VIERUNDSIEBZIG MILLIONEN EURO – bekommt die Hertha insgesamt von ihrem Großinvestor Lars Windhorst und seiner Investmentgruppe Tennor Holding - 224 Millionen seit Sommer 2019 und weitere 150 Millionen bis zum Saisonende 20/21. Auf den Rasen hat der Verein dieses Geld allerdings noch nicht bringen können: Untere Tabellenhälfte, nur fünf Punkte aus sechs Heimspielen und kaum Zählbares gegen die direkte Liga-Konkurrenz, die weit weniger Geld zur Verfügung hat. Das hatte man sich anders vorgestellt in Charlottenburg.

Hertha-Manager Michael Preetz gab erst kürzlich im rbb-Interview zu, dass auch er sich schnellere Ergebnisse wünschen würde. Dabei ist die entscheidende Erkenntnis längst im geflügelten Sprachgebrauch angekommen: Geld schießt keine Tore. Die Kaderplanung braucht deutlich mehr als die Windhorst-Millionen.

2. Facebook-Live kann ordentlich nach hinten losgehen

Anfang des Jahres stand noch ein gewisser Jürgen Klinsmann an der Seitenlinie der Hertha. Der Weltmeister von 1990 und Ex-DFB-Trainer sollte die Hertha zum "Big City Club" machen und war dafür eigens aus dem Vereinsvorstand auf die Trainerbank berufen worden. 76 Tage später war es schon wieder vorbei, trotz der großspurigen Ankündigung Klinsmanns bei Amtsantritt, die Arbeit mit der Hertha sei keine kurzfristige. Die Erklärung zu seinem Rücktritt lieferte Klinsmann via Facebook-Live und läutete damit eine öffentliche Schlammschlacht mit den Klubverantwortlichen ein.

Kurz vor dem Corona-Restart der Bundesliga war es dann Salomon Kalou, der über Facebook-Live für Negativschlagzeilen sorgte. Der Ivorer filmte sich selbst, wie er händeschüttelnd, ohne Maske und sämtliche Hygienevorschriften ignorierend durch die Vereinsräume lief. Das Problem für den Klub: Fast keiner, den Kalou in seinem Live-Video filmte, schien sich daran zu stören, niemand wies den Spieler auf Abstandsregeln und dergleichen hin. Auch wenn die Hertha in den sozialen Netzwerken sehr aktiv ist und in den letzten Jahren viel in die Social Media-Arbeit investiert hat, in diesem Jahr wurde Facebook-Live eher zum Stolperstein.

3. Kein Europa, aber 2x Derbysieg

Das Ziel der Hertha ist Jahr für Jahr ein Platz in Europa. Doch 2020 rückt dieses Ziel in weite Ferne. Platz 10 in der Abschlusstabelle der vergangenen Saison und Platz 14 nach 13. Spieltagen. ABER: Hauptstadtmeister 2020 ist die Hertha. Die Bilanz gegen Union Berlin nach zwei Spielen im Olympiastadion lautet 7 zu 1. Im Mai siegten die Charlottenburger mit einem furiosen 4:0 im Olympiastadion gegen Union. Das 3:1 gegen die Köpenicker Stadtrivalen Anfang Dezember war zudem eines der besten Spiele der Hertha in der laufenden Saison – und das im selben Monat, in dem Union gegen Bayern, Gladbach und Dortmund fünf Punkte holte. Auch wenn es Union ist, die auf einem Qualifikations-Platz für die Euroleague überwintern, bleibt Berlin 2020 blau-weiß.

4. Mit leerer Brust zu mehr Trikotverkäufen

Gähnende Leere prangt seit dieser Saison auf der blau-weißen Brust. Der ehemalige Sponsor Tedi und der Verein hatten den Vertrag im Sommer einvernehmlich aufgelöst. Und weil es bislang keinen Nachfolger gibt, blieb das Herthatrikot auf der Brust leer. Ab und zu boten die Charlottenburger ihre Brust für Benefizzwecke, doch in den Fanshops trägt das diesjährige Trikot keinen Sponsor. Die Fans freuen sich darüber und kaufen das "leere" Trikot wie wild – ganz nach dem Motto: Endlich mal wieder ein blau-weißes Trikot. Es heißt, der Verein habe durch den diesjährigen Trikotverkauf bereits einen siebenstelligen Betrag eingenommen. Imagemäßig könnte sich das Ausbleiben eines Brustsponsors für die Hertha also gelohnt haben.

5. Das Berliner Ordnungsamt mag keine blau-weißen Fahnen

Es war der Aufreger vor dem Hauptstadtderby. Einen Tag vor dem Spiel gegen Union Berlin am 4. Dezember wehten in allen zwölf Bezirken Berlins lauter blau-weiße Fähnchen. Ohne Fans im Stadion sollte die Farbenpracht des Vereins das Stadtbild durch insgesamt 60.000 kleine Fahnen dominieren. Das Berliner Ordnungsamt war jedoch nicht gerade begeistert. Hertha BSC hatte die Aktion nämlich nicht genehmigen lassen und muss deshalb mit ordnungsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Das Derby gewannen die Charlottenburger bekanntlich und so dürfte es dem Verein letztendlich egal sein, ob sie eine Strafe bekommen.

Sendung: rbb Abendschau, 27.12.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

9 Kommentare

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  1. 9.

    Es ist schon richtig: GANZ Berlin ist nicht blau-weiß. War es nie und wirds wohl auch nie sein. Viele haben sich schon immer an andere Clubs gehalten, weil Herthas Historie nicht erfolgreich genug war und diese Opportunisten nichts mit Berlin am Hut hatten.
    Ganz bestimmt ist es aber auch nicht Rot-Weiß, sondern nur weiter die Saucen-Kombi auf den Pommes zur Curry-Wurst.

  2. 8.

    Es ist doch ein wunderbares Gefühl auf jemanden einzuschlagen, der bereits am Boden
    liegt. Das gilt für die 5 "Berichte" und die
    ehrlichen Kommentare .

  3. 7.

    was ist daran hirnverbrannt wenn ich sage Berlin ist nicht nur blau/weis sondern auch rot/weis
    vielleicht solltest du darüber noch mal objektiv nachdenken!!!???!!!

  4. 6.

    Lieber Eiskalle, haben Sie vielleicht schon ein Paar Biere zuviel getrunken? Oder ist Ihre Katze über die Tastur gehuscht? Oder weshalb ist Ihr Text sonst so wirr?

  5. 5.

    Jaa, genau, der wunderbare "HaHoHe, Euer Jürgen"-Abgang von Klinsmann nach gefühlt drei, vier Spielen. Das war wirklich n Ding.... *gg*

  6. 4.

    Ihre Kommentare hierzu sind sowas von hirnvebrannt , liebe Vorkommentatoren !!!


    HA HO HE HERTHA BSC

  7. 2.

    Müss dieser Artikel sein der Verein ist doch völlig übrig.

  8. 1.

    zu Punkt 3.
    wieso bleibt Berlin Blau/Weis,
    es ist doch AUCH Rot/Weis. Oder???

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