Hertha gewinnt gegen Union - Bruno Labbadia und Urs Fischer nach dem Hauptstadtderby

Hertha-Trainer Bruno Labbadia mit Union-Coach Urs Fischer. / picture alliance/dpa/AFP-Pool/Odd Andersen
Audio: Inforadio | 05.12.20 | 16:15 Uhr | Simon Wenzel | Bild: picture alliance/dpa/AFP-Pool/Odd Andersen

Hertha hat das zweite Derby in Serie gegen Union gewonnen. Hertha-Trainer Labbadia ist zwar nicht vollends zufrieden mit dem Auftritt seines Teams, aber trotzdem glücklich. Unions Coach Fischer hat schon in der Nacht erste Schlüsse aus der Pleite gezogen.

Der erste Heimsieg der Saison und dann auch noch im Stadtduell: Entsprechend gelöst wirkt Hertha-Coach Bruno Labbadia in der digitalen Medienrunde nach dem Derby gegen Union und gibt einen Einblick, wie er seine Spieler vor der Partie in Stimmung gebracht hat .

Bruno Labbadia über ...

... den Derbysieg.

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben ein sehr schweres, unruhiges, enges Spiel für uns entschieden. Ich bin ganz offen, es war nicht unser bestes Spiel. Es ist uns aber gelungen, einen Rückstand gegen eine sehr unangenehme Mannschaft wett zu machen. Union hatte vorher acht Spiele in Folge nicht verloren. Da ist es auch gegen zehn Mann nicht so einfach. Es ist einfach gut für unsere Entwicklung.

Ich finde aber auch, dass wir das Spiel verdient gewonnen haben. Einfach weil wir sehr viel für das Spiel gemacht haben. Nicht immer gut, es war aber an der Zeit, auch mal so eine Partie zu gewinnen.

... die Ansprache an die Mannschaft vor dem Spiel.

Mit dem Druck vor einem solchen Spiel müssen wir umgehen können. Ich bin kein Freund davon, den Druck dann noch zu erhöhen, sondern eher die Freude auf ein solches Spiel herauszuholen - das war also ein Thema. Wir haben uns etwas überlegt, einen kleinen Film zusammengeschnitten mit den passenden Bildern und der passenden Musik. Natürlich kennen wir auch die Bedeutung dieses Spiels für die Fans. Wenn du in einer Stadt mit zwei Vereinen lebst, geht es ja montags auf der Arbeit schon los: Da arbeitet dann einer, der ist Herthaner, der andere Unioner. Jetzt ist es einfach angenehmer, als Blau-Weißer am Montag auf die Arbeit zu kommen.

... die Stimmung in der Mannschaft.

Ich habe weniger Erleichterung, viel mehr Freude wahrgenommen. Das kam in der Kabine auch raus. Das ist im Moment gar nicht so einfach. Weil die Emotionen nach dem Spiel ja überhaupt nicht von den Zuschauern überschwappen können. Wir haben den zweiten Derbysieg innerhalb von vier Monaten geholt - beide Male ohne Zuschauer. Das wäre sonst natürlich das Sahnehäubchen.

... den Doppelpack von Krzysztof Piatek.

Das Erfolgserlebnis war für ihn einfach wichtig. Torjäger brauchen Tore - deshalb freue ich mich für ihn. Es ist aber auch wichtig für ihn, nicht beleidigt zu sein, wenn er nicht spielt, sondern da zu sein, wenn er die Chance bekommt. Das hat er gut gemacht.

Gewohnt pragmatisch präsentiert sich Union-Coach Urs Fischer am Tag nach der Derbyniederlage. Noch in der Nacht hat der Schweizer das 1:3 analysiert und Schlüsse aus dem Spiel gezogen. Ob dazu auch ein Wechsel auf der Torwartposition gehört, lässt der Schweizer allerdings offen.

Urs Fischer über...

…das Spiel.

Es wäre mehr möglich gewesen. Man muss die Niederlage akzeptieren, aber ich habe viele gute Dinge meiner Mannschaft gesehen und auch das ein oder andere, was wir verbessern müssen. Niederlagen gehören zum Sport. Das muss man akzeptieren – auch, wenn es schwerfällt.

Urs Fischer beim Training des 1. FC Union. (Quelle: imago images/Contrast)Urs Fischer, Trainer von Union Berlin

…den Platzverweis von Robert Andrich.

Ich ging zunächst von einer Gelben Karte aus und habe dann gesehen, dass sich der Schiedsrichter in die hintere Tasche fasst und Rot zeigen will. Im ersten Moment war ich überrascht. Nachdem ich die Bilder gesehen habe, glaube ich aber, dass die Entscheidung vertretbar ist. Ich hoffe, er wird nicht allzu lange gesperrt. Aus solchen Situationen muss er lernen, sich in Zukunft anders zu verhalten Robert war enttäuscht. Ihm wurde aber nichts vorgeworfen und es gab aufrichtende Worte der Mannschaft. Sie hat auch gezeigt, dass sie es wettmachen wollte und sich mit hoher Laufbereitschaft gegen die Niederlage gewehrt.

…die Lehren aus dem Spiel.

Für mich ist es wichtig, die Dinge anzusprechen, die wir verändern können und an denen wir arbeiten müssen. In den ersten zehn Minuten waren wir sehr gut im Spiel, sehr organisiert, haben sehr kompakt gestanden, waren aber ein bisschen unpräzise mit den Zuspielen. Dann hat sich die Nervosität gelegt, wir kamen noch besser ins Spiel kamen und gingen in Führung. Mit der Roten Karte hat sich das Spiel verändert. Dabei haben es die Jungs zunächst konsequent weitergespielt und Hertha außer ruhenden Bällen nichts erlaubt. Wir hatten allerdings viele Phasen, in denen wir nur darauf gespielt haben, das Resultat zu halten. Aber auch in Unterzahl muss du nach vorne spielen.

…eine mögliche frühere Auswechslung von Max Kruse.

Natürlich haben wir auf der Bank drüber gesprochen. Aber Max hat uns ein gutes Gefühl gegeben und ich empfand ihn als frisch. Und gerade noch dem 1:2 versucht man, den Top-Scorer auf dem Platz zu lassen. Max ist wichtig für uns. Er ist der Verbindungsspieler, der uns zuvor gefehlt hat.

…zur Verletzung von Max Kruse.

Der Befund steht noch aus. Deswegen kann ich dazu nichts sagen. Wenn er aber gegen die Bayern nicht spielen kann, gilt es, ihn zu ersetzen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig.

…den nächtlichen Fan-Empfang am Stadion an der Alten Försterei.

Das war Balsam auf die Wunde. Aber trotzdem fühlt sich die Niederlage auch einen Tag später schlecht an.

…Keeper Andreas Luthe und einen möglichen Torwartwechsel.

Das war unglücklich. Es ist ja nicht so, dass unsere Torhüter nicht unter Beobachtung stehen. Aber diese Diskussion führe ich mit meinem Trainerteam. Wenn wir der Meinung sind, etwas ändern zu müssen, werden wir das machen.

…eine möglicherweise kippende Stimmung.

Wiese sollte die Stimmung jetzt kippen? Niederlagen gehören zum Sport und man muss aus ihnen lernen. Das gilt auch jetzt. Der Auftritt war gut, wir haben viel richtig gemacht. Das muss man mitnehmen. Deswegen: Mund abwischen, Kopf hoch und im nächsten Spiel besser machen.

Sendung: Inforadio, 05.12.2020, 15:04 Uhr

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