Marnique Appelt auf der Dirtbike-Strecke / imago images / Steve Bauerschmidt
Bild: imago images / Steve Bauerschmidt

Porträt | Motocross-Pilot Marnique Appelt - Furchtlos durch den Sand

Schon im Kindesalter saß Marnique Appelt auf dem Dirtbike. Mittlerweile ist er professioneller Motocross-Pilot. Doch am Ziel ist er noch lange nicht. Im kommenden Jahr möchte er um nationale und internationale Spitzenplätze fahren, aller Gefahren zum Trotz.

Vor einem gold-glänzenden Trophäenschrank stehend blättert Marnique Appelt in einem Fotobuch. Er zeigt auf ein Bild von seinem ersten Motorrad, eine rote Yamaha PW50. Es ist ein Kids-Bike und sieht aus wie eine echte Motocross-Maschine in Minitaturformat. "Da war ich vier und fünf Jahre alt und konnte noch nicht allein losfahren. Mein Papa musste mich halten, weil ich noch nicht mit den Füßen bis zum Boden kam", erinnert sich der inzwischen 18-Jährige.

Heute gehört der gebürtige Woltersdorfer zu den größten Nachwuchshoffnungen im Motocross-Sport und fährt auf einer KTM-Maschine. Die vielen Pokale, für die er gleich mehrere Regalfächer braucht, um sie alle auszustellen, zeugen von einer bereits erfolgreichen Karriere des noch jungen Brandenburgers. In den Rennserien der Junioren holte er regelmäßig Top-Platzierungen, qualifizierte sich dadurch für höhere Aufgaben und erregte Aufmerksamkeit bei Teams und Sponsoren.

Verletzungen gehören dazu

Sein letzter großer Erfolg war der Aufstieg in die EMX250-Serie. EMX steht dabei für die europäischen Meisterschaften, 250 für die erlaubten Motorräder mit bis 250 Kubikzentimeter Hubraum. Vorher fuhr er in der EMX125-Klasse mit kleineren Maschinen. Die Rennserien bestehen aus verschiedenen Events mit jeweils zwei Rennen. Im Massenstart versuchen alle Fahrer auf der Sandpiste als erste ins Ziel zu kommen. Es geht über kleinere und größere Schanzen, über Buckelpisten und scharfe Kurven.

Nicht selten kommt es zu Zusammenstößen mit den über 100 Kilo schweren Motorrädern. Gerade beim Start oder bei den Sprüngen in der Luft kann es gefährlich werden. Häufig kommt es zu Verletzungen. "Wenn du den kleinsten Fehler machst, kann das sehr schmerzhaft werden", weiß Marnique aus eigener Erfahrung. 2017 fiel er wegen einer Verletzung am Sprunggelenk für mehrere Rennen aus. Ein Jahr später musste er nochmals vom Rennsport pausieren, weil er sich zwei Rückenwirbel gebrochen hatte. Doch die Zwangspausen und auch die Gefahren seines Sports nimmt er locker. Man dürfe keine Angst vor Schmerzen haben, betont er. "Das gehört dazu."

Dreimal die Woche Training

Die Begeisterung für Motocross hat Marnique von seinem Vater. Dieser fuhr selbst Wettkämpfe, musste allerdings nach einem schweren Sturz aufhören. Er reichte den Motorradlenker deshalb schon früh an seinen Sohn weiter, brachte ihm das Fahren bei und schenkte ihm das rote Kids-Bike.

Mittlerweile ist Marnique mit einem Profi-Vertrag ausgestattet und fährt für das Team Raths Motorsports KTM. Dreimal die Woche trainiert er auf dem Motorrad. Und auch an den anderen Tagen kümmert er sich um seine Fitness: Joggen, Rennradfahren oder Krafttraining – jeden Tag absolviert er zwei Sporteinheiten. "Es nimmt viel Zeit in Anspruch", sagt er. Doch sein Ziel hat er fest vor Augen, deshalb das viele Training. Im kommenden Jahr möchte er unter die Top10 seiner Rennklasse. Bei der deutschen Meisterschaft, den ADAC MX Masters, peilt er sogar das Podium an.

Auf die Frage, ob diese Ziele realistisch seien, antwortet Marnique lässig: "Auf jeden Fall!" Die Coolness und die Souveränität gehören in seinem Sport, in dem man mit 60 Stundenkilometern über einen Acker braust, dazu. Wer zögert und Angst hat, verliert eben nicht nur das Rennen. "Man muss unheimlich kopfstark sein und braucht viel Selbstbewusstsein", sagt Marnique. Der Trophäenschrank in seinem Zimmer beweist, davon hat der 18-Jährige aus der brandenburgischen Provinz reichlich.

Sendung: rbb UM6, 02.01.2021, 18:00 Uhr

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