Interview | Union-Außenverteidiger Christopher Lenz - "Das Team steht unglaublich eng zusammen"

Christopher Lenz mit dem Ball in der Hand / imago images / Bernd König
Bild: imago images / Bernd König

Was für ein Jahr für Union Berlin: Erst der Klassenerhalt, dann diese sensationelle Hinrunde. Die Köpenicker sind die Überraschungsmannschaft. Im rbb-Interview erzählt der gebürtige Berliner Christopher Lenz, woher die gute Stimmung im Verein kommt.

rbb|24: Wenn Sie auf dem Kurfürstendamm spazieren gehen, wird Ihnen hin und wieder "Eisern Union" zugerufen. Ist das wahr?

Christopher Lenz: Ja, das war während der Weihnachtszeit. Wahrscheinlich waren ein paar Fans von uns Weihnachtsgeschenke kaufen. Das kommt schon mal vor.

Und wie antworten Sie?

Ich antworte natürlich mit einem schmunzelnden "Eisern Union" und unterhalte mich dann noch ein paar Minuten mit den Leuten. Natürlich muss man jetzt gerade ein bisschen auf den Abstand achten, aber das wissen unsere Fans. Unterhalten kann man sich ja kurz mit Maske.

Es heißt, das zweite Bundesliga-Jahr sei das Schwierigste. Nach der Niederlage am ersten Spieltag gegen Augsburg sah es auch genauso aus. Was dachten Sie damals?

Wir haben unglücklich verloren gegen Augsburg. Wir hatten ein ordentliches Spiel gemacht, aber schlecht verteidigt. Aber wir haben das direkt analysiert und wollten den Spruch, das zweite Jahr sei das Schwierigste, auch nicht akzeptieren. Und so sind wir jedes Spiel seitdem angegangen.

Wenn ich Sie jetzt nach Europa frage, ruft Urs Fischer an. Der will ja bekanntlich von Europa nichts hören…

So sieht’s aus… (lacht)

Aber mal im Ernst, hat in der Kabine schon mal einer gesagt: 'Leute, wenn wir so weitermachen, spielen wir nächstes Jahr international'?

Klar, es wird geschmunzelt, weil wir gut drauf sind und unser Tabellenplatz gerade ziemlich gut ist. Aber wir wissen auch, dass unser erstes Ziel der Klassenerhalt ist. Dafür brauchen wir eine gewisse Punkteanzahl. Alles, was dann noch obendrauf kommt, ist Zukunftsmusik.

Trotz der ganzen Ausfälle, allen voran Max Kruse, holen Sie ein Unentschieden gegen Bayern und einen Sieg gegen Dortmund. Warum steht Union aller Widrigkeit zum Trotz gerade so gut da?

Ich glaube, eins der Erfolgsgeheimisse ist, dass das Team unglaublich eng zusammensteht. Nicht nur das Team und der Staff, auch der Präsident kommt ab und an dazu und erinnert uns an die Leute, die für den Verein außerdem noch arbeiten, hinter uns stehen und jetzt nicht im Stadion sein können. Für uns ist das immer wieder ein Anreiz, noch mehr Gas zu geben. Jeder, der auf dem Feld steht, weiß, was zu tun ist. Das merkt man vor allem jetzt, wo wir einige Ausfälle haben.

Vor fünf Jahren noch waren Sie im Fußball-Internat in Mönchengladbach. Das Internat befindet sich im Borussia-Park. Als Manchester City einmal dort trainiert hat, sind Sie und ein paar Kumpels unters Dach geschlichen, um Training heimlich anzuschauen. Wer kam auf die Idee?

Wir waren junge und fußballverrückte Spieler. Da musste niemand auf die Idee kommen. Wenn du weißt, dass eine Mannschaft wie Manchester City im Stadion trainiert, dann gehst du einfach hoch, um zu gucken. Das ein oder andere Mal wurden wir auch erwischt und wieder runtergeschickt. Aber meistens ging das gut, das Stadion ist schließlich groß.

Was haben Sie als junger aufstrebender Spieler damals gedacht, als Sie die Qualität gesehen haben?

Es ist wichtig, immer nach oben zu schauen. Nur so verbessert man sich. Auch wenn ich heute noch Spiele auf dem Niveau sehe, weiß ich, was ich noch zu lernen habe, um irgendwann dann auch mal Champions League zu spielen.

Jetzt ist das Wort also doch gefallen.

Jeder Fußballer hat den Anspruch an sich selbst, so hoch wie nur möglich zu spielen. Das ist sicherlich kein Geheimnis.

Am Dienstag geht es nochmal im DFB-Pokal gegen Paderborn ran. Man hört, dass nach dem Sieg gegen Dortmund schon das ein oder andere Tröpfchen weggekippt wurde. Wie wird das dann sein, wenn Union Berlin dann auch noch die nächste Pokalrunde erreicht?

Wenn wir wieder alles reinhauen und die Pokalrunde gewinnen, darf sich jeder sicherlich über die Weihnachtsfeiertage einen Schluck gönnen.

Vielen Dank für das Gespräch, Christopher Lenz!

Das Interview führte Manuel Kathert, rbb Inforadio.

Sendung: inforadio, 20.12.2020, 15:24 Uhr

5 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 5.

    Das (leider sehr kurze) Interview mit Chrissi Lenz zeigt wieder mal, wie gut die Mannschaft und überhaupt der Klub drauf sind. :-)

    Ich hatte ja eigentlich "prophezeit", dass bis zur Winterpause ab dem Spiel gegen Hertha kaum noch was zu holen sei. Als dann noch die Ausfälle sehr wichtiger Stammkräfte dazu kam, habe ich uns schon 'nach unten trudeln' sehen. Aber weit gefehlt: Nach der unglücklichen Niederlage im Olympiastadion hat die Mannschaft drei tolle Spiele abgeliefert, die Mut für die Rückrunde machen.

  2. 4.

    Ganz viele Journalisten tun jetzt schreiben das der Erfolg von Union doch so überraschend wäre, weil ja das zweite Jahr in der Bundesliga immer das schwerste sei. Das diese Legende aber nicht stimmt hat der der Union Blog Textilervergehen doch schon Anfang der Saison eindeutig gezeigt: https://www.textilvergehen.de/2020/09/17/ist-zweite-jahr-in-der-bundesliga-wirklich-immer-das-schwierigste/

  3. 3.

    Ich kann vor der gesamten Mannschaft + Trainerstarb einfach nur den Hut Ziehen! Sie zeigen in einer besonders schweren zeit, was man alles Schaffen kann, wenn man zusammensteht. Das ist Eisern, das ist Union!

  4. 2.

    Ohne Worte, nur Zustimmung, unsere UNION-Elf ist derzeit so erfolgreich, wie noch nie.
    Und wir treue Fans, die oft seit jahrzehnten, in unterschiedlicher Form, oft unbeugsam, An die A. F. pilgern und nun zuhause, die Daumen drücken, sind einfach bestimmt alle sehr Dankbar.
    Vielleicht kommen wir sogar vor unserem sportlichen, blau-weiss-blauen Mitbewerber ein, das wäre schon einfach toll.
    Denn auf dem Berliner Roten Rathaus, hängt doch die rot-weiß-rote Fahne, wonach am 20.01. 1966, der 1. FC. UNION Berlin, als eine Antwort, neu wieder gegründet wurde. Eisern UNION Eisern Berlin! Vielleicht steht schon bald wieder, halb Berlin, wieder Kopp, und bewundert "UNION OB"? E.G. und viel Glück bei den weiteren Spielen. Alexander Senger aus Pankow

  5. 1.

    Heeeyyy Jungs und "ursi"... Bleibt auf den Füßen und hebt nicht ab!!! Alllleee Daumen hoch für euch, denn ihr wisst, was ihr wollt!!!! Ihr wollt als Gemeinschaft gewinnen!!!! Und ihr seid sooooo gut drauf!!!!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Unions Spieler nach der Niederlage in Rotterdam. Quelle: imago images/Matthias Koch
imago images/Matthias Koch

Union verliert 1:3 - Ein trauriger Abend in Rotterdam

Ein harter Polizeieinsatz und Hooligan-Attacken überschatten Unions Europapokalreise in die Niederlande. Auch sportlich können die Köpenicker nicht zufrieden sein. Gegen Feyenoord Rotterdam war Union mit dem 1:3 noch gut bedient. Von Till Oppermann