Simone Fontecchio versucht zu punkten. Quelle: imago/Wiedensohler
Video: Morgenmagazin | 04.01.2020 | Simon Wenzel | Bild: www.imago-images.de

Berliner Basketballer überzeugen trotz vieler Verletzter - Alba gewinnt gegen Bayern München

Mit einer überzeugenden Leistung hat Alba Berlin gegen Bayern München einen 85:72-Sieg geschafft. Es war der erste Erfolg gegen die Bayern seit mehr als zwei Jahren. Er ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Berliner große Verletzungssorgen haben.

Die Ausgangslage war klar. Die Gäste aus Bayern galten als der große Favorit vor diesem Spiel. Das erste Aufeinandertreffen der Saison, damals in der Euroleague, hatten sie dominiert. Inzwischen fehlen Alba außerdem fünf wichtige Spieler verletzt, dazu der an Covid-19 erkrankte Cheftrainer Aito Garcia Reneses. Israel Gonzales, seit Saisonbeginn ohnehin bereits mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet, vertritt Aito bis zu dessen Genesung. Der 45-jährige Gonzales hatte einen "Spirit der Widerstandsfähigkeit und des Teamgeistes" als Grundlage für ein erfolgreiches Spiel angekündigt.

Malte Delow kämpft um den Ball. Quelle: imago/Wiedensohler
Malte Delow verteidigt den Ball gegen zwei Bayern-Spieler.

Alba Berlin zur Pause mit drei Punkten in Führung

Albas dezimierte Mannschaft begann äußerst aggressiv und zwang die Gäste immer wieder zu Fehlern. Der lange malade Center Ben Lammers wenigstens konnte wieder mitmachen und fügte sich mit ein paar fluffigen Mitteldistanzwürfen ein. Nach den ersten zehn Minuten führten die Gastgeber mit 18:12. Doch es war nicht nur Leidenschaft, die zu dieser Führung führte, sondern auch ein sehr konsequentes Nutzen der eigenen Möglichkeiten. Jayson Granger als Vorbereiter und die beiden Flügelspieler Louis Olinde und Simone Fontecchio im Abschluss waren zunächst von den Bayern nur schwer zu stoppen, vor allem nach Münchner Ballverlusten und schnellen Gegenangriffen.

Doch nach einer Auszeit in der Mitte des zweiten Viertels fanden die Bayern besser ins Spiel. Der kleine Vorsprung wurde zu einem winzigen und kurz vor der Pause gelang Bayerns ehemaligem Berliner Nihad Djedovic mit seinem ersten verwandelten Dreier des Abends der Ausgleich zum 33:33. Zur Pause führte Alba wieder knapp, mit 39:36.

Wach, beweglich und clever

Wer nun erwartete, dass die Bayern mit einer Mischung aus Wut und Motivation die zweite Hälfte überlegener gestalten würden, der wurde überrascht. Nicht die Münchner, sondern die Berliner dominierten das dritte Viertel. Drei erfolgreiche Dreier in wenigen Minuten und weiterhin schnelles Umschalten nach Ballgewinnen ließen Albas Führung auf zwölf Punkte wachsen. Wach, beweglich und clever - die Berliner waren im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres vor allem mental voll auf der Höhe und waren spätestens jetzt in ihrem gefürchteten Flow. 26 Punkte im dritten Viertel bescherten Alba eine 65:53-Führung vor dem letzten Abschnitt. Den Bayern blieben nur noch zehn Minuten, das Spiel zu drehen. Ihr Trainer Andrea Trinchieri war sichtlich angefressen.

So ein Spiel passiert vielleicht mal, aber es darf nicht hier passieren."

Bayern-Profi Paul Zipser nach der Niederlage gegen den Prestigegegner Alba

Hängende Köpfe auf der Bayern-Bank

Zu einem Schlüsselmoment wurde dann der Dreier, den Jayson Granger zum 74:55 traf. Ein Blick auf die Ersatzbank der Münchner zeigte, wie dort die Köpfe nach unten gingen. Es blieben zwar noch sieben Minuten, doch die Gäste schienen bereits in diesem Moment den Glauben verloren zu haben. Alba gewann verdient mit 85:72. Es war der erste Sieg gegen die Münchner seit Dezember 2018.

Erfolgreichster Scorer war am Ende Louis Olinde mit 17 Punkten, Fontecchio folgte mit zwölf. "Jeder wollte es zu mehr als 100 Prozent", sagte Olinde danach bei "Magenta Sport". "Jeder hat Bock für die (Verletzten d. Red.) einzuspringen und für sie zu kämpfen. Ich glaube, das haben wir heute gezeigt", sagte der gebürtige Hamburger und deutsche Nationalspieler Olinde.

Dieser Sieg sollte dem Team auch Kraft für die bevorstehenden Aufgaben geben. Es sind harte Zeiten für den Double-Gewinner der Vorsaison und die Belastung bleibt hoch. In den nächsten sieben Tagen hat Alba drei weitere Pflichtspiele. Am Dienstag und am Donnerstag in der Euroleague, am kommenden Sonntag dann wieder in der Bundesliga. "Wenn man bedenkt wie dominant Bayern gerade ist, und unsere Situation mit den verletzten Spielen - dann fühlt sich das gerade gut an", sagte Berlins ebenfalls überzeugender Guard Maodo Lo. Der am Oberschenkel verletzte Luke Sikma gab eine vorsichtige Prognose über die Dauer bis zu seiner Genesung ab. Er denke, dass er in zwei, vielleicht drei Wochen wieder zurück sei.

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