Artur Wichniarek jubelt (Foto: imago/Contrast)
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Interview | Ex-Hertha-Stürmer Artur Wichniarek - "In Bielefeld ein Rennpferd, in Berlin ein Ackergaul"

Wenn Hertha BSC am Sonntagabend bei Aufsteiger Arminia Bielefeld antritt, dann schlagen bei Artur Wichniarek zwei Herzen in der Brust. Insgesamt elf Jahre spielte der Pole für beide Vereine. Doch wie viel Berliner Blau-Weiß steckt noch im 43-Jährigen?

Zwei Mal stürmte Artur Wichniarek in seiner aktiven Fußballer-Karriere für Hertha BSC. Nach 50 Toren in drei Spielzeiten (1. und 2. Bundesliga) kam er 2003 von Arminia Bielefeld an die Spree. Beim Berliner Bundesligisten konnte er sich aber in zweieinhalb Jahren nie richtig durchsetzen. Im Januar 2006 kehrte der heute 43-jährige Pole zurück zur Arminia.

Und tauchte zu Beginn der Saison 2009/10 wieder bei Hertha auf. Am Ende der Spielzeit hatte Wichniarek kein Bundesliga-Tor und nur einen Europa-League-Treffer erzielt. Das bedeutete für den Stürmer keine Vertragsverlängerung und für seinen Arbeitgeber den Abstieg in die Zweitklassigkeit. Am Sonntag treffen seine beiden Ex-Klubs um 18 Uhr aufeinander. Im rbb|24-Interview verrät Artur Wichniarek, welchem Team er die Daumen drückt, warum es bei Hertha BSC nicht geklappt hat und was wirklich wichtig im Leben ist.

rbb|24: Hallo Herr Wichniarek, wie geht es Ihnen?

Artur Wichniarek: Mir geht es gut. Ich lebe glücklich im Umland von Berlin mit meiner Frau und meinen beiden Kindern, arbeite als Fußball-Experte für das polnische Fernsehen und bin auch Spielerberater. Ich habe zum Beispiel Rafal Gikiewicz nach Augsburg gelotst.

Woran erinnern Sie sich sofort, wenn es um Hertha BSC geht?

Dass ich beide mal total enttäuscht habe, sowohl mich als auch Hertha.

Sie haben zwei Mal bei Hertha BSC angeheuert - wie sind sie überhaupt in Berlin gelandet?

Mit Arminia Bielefeld, die ich immer noch im Herzen habe, war ich 2003 abgestiegen und ich wollte unbedingt Bundesliga spielen und mich weiterentwickeln. Herthas Cheftrainer damals, der Schalke-Dauerbrenner Huub Stevens, und auch Dieter Hoeneß hatten einen guten Gesprächseindruck bei mir hinterlassen und ich sollte der Nachfolger von Michael Preetz werden. Doch Trainer Stevens wollte im System 4-3-3 spielen, deswegen rutschte ich von der zentralen Stürmerposition, wie ich sie erfolgreich in Bielefeld spielte, nach rechts außen. Das war der Anfang vom Ende.

Warum hat es mit Hertha BSC und Ihnen nicht geklappt?

Die Position rechter Außenstürmer war für mich Neuland und der Konditionstrainer von Hertha wollte mich topfit machen. Ich war zwar top, aber nicht fit. In Bielefeld war ich ein Rennpferd, in Berlin ein Ackergaul. Deswegen hat es nicht so richtig geklappt. Dann machst du dir selber viel Druck und läufst den Erwartungen nur hinterher.

Aber Hertha hat Sie ein zweites Mal verpflichtet und Sie sind auch gekommen.

Ich hatte damals von Michael Preetz die Chance auf Wiedergutmachung bekommen. In Bielefeld habe ich ja wieder gezeigt, dass ich es kann. Ich wollte Wiedergutmachung bei Hertha, den Fans und mir. Und natürlich Europa League spielen.

Ihnen gelang in der Saison 2009/10 kein Bundesliga-Tor und nur eins in der Europa League, am Ende der Spielzeit stieg Hertha als Tabellenletzter ab. War ihr Engagement in Berlin nur ein Missverständnis?

Auf jeden Fall (lacht). Die Gründe sind vielfältig, es war ein Desaster, aber ich habe in Berlin ein zu Hause gefunden. Ich bin ein positiver Mensch und der Sport war damals eben mein Beruf, abschalten und regenerieren konnte ich aber bei meiner Familie. Berlin hat sich trotzdem gelohnt, ich lebe ja jetzt hier.

Was sagen Sie heute zur Alten Dame? Haben Sie noch Kontakt oder schauen Sie sich die Spiele an?

Na klar, ich lese viel über Hertha und schaue die Spiele. Ich bin bei Hertha keinem böse, drücke denen die Daumen und hoffe, dass Hertha BSC wirklich ein "Big-City-Club" wird und bald Champions League in der eigenen Hertha-Arena spielt.

Am Sonntag um 18 Uhr treffen Arminia Bielefeld und Hertha BSC aufeinander. Was ist Ihr Tipp?

Ich würde mich sehr über einen Bielefelder Sieg freuen. Hertha kann danach ruhig alles gewinnen und soll sich mit dem starken Kader für Europa qualifizieren. Aber diese drei Punkte benötigt Arminia unbedingt, um den Anschluss in der Tabelle nicht zu verlieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Text ist eine redigierte Fassung. Das Gespräch führte Friedrich Rößler aus der Sportredaktion.

Sendung: rbbUM6, 10.01.2021, 18 Uhr

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