Hertha-Manager Michael Preetz (l.) und Union-Manager Oliver Ruhnert (r.). Quelle: imago images
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Das Transferfenster öffnet - Auf diesen Positionen sollten Hertha und Union nachlegen

Zum Start der Wechselperiode suchen die Berliner Bundesligisten nach Verstärkung. Hertha hat viel Geld, um endlich die richtige Balance zu finden. Die Unioner wollen derweil ihre Balance behalten und müssen mit einem schmalen Budget klarkommen. Von Till Oppermann

Seit dem 1. Januar ist das Wintertransferfenster der Bundesliga geöffnet. Obwohl Hertha BSC am 4. Dezember das Derby mit 3:1 für sich entschied, sieht der 1. FC Union der Wechselperiode deutlich entspannter entgegen. Während die Köpenicker nach der Niederlage im Stadtduell noch gegen die Bayern punkteten und den BVB besiegten, blamierten sich die Charlottenburger mit desaströsen Auftritten gegen Freiburg und Mainz.

Bereits nach wenigen Wochen im Amt polterte der neue Hertha-Boss Carsten Schmidt: "Wir sind maximal enttäuscht." Nur gut, dass Investor Lars Windhorst kurz vor Weihnachten weitere 20 Millionen Euro überwies, die Manager Michael Preetz jetzt in den Kader investieren kann.

Geld, das auch Union gebrauchen könnte. Obwohl die Eisernen derzeit deutlich besser dastehen, sieht Sportdirektor Oliver Ruhnert ebenfalls Handlungsbedarf. "Wir sind in einigen Bereichen auf Kante genäht."

Hertha braucht einen Flügelspieler ...

Im Sommer vollzog Hertha BSC einen Umbruch. Mit Ibisevic, Skjelbred und Kalou verließen mehrere verdiente Akteure den Verein. Trotz der Tennor-Millionen fiel es schwer, passenden Ersatz zu finden. "Jeder wusste über unseren Investor Bescheid", klagte Sportdirektor Arne Friedrich. Andere Vereine hätten "märchenhafte" Summen gefordert. So fällt die bisherige Transferbilanz eher mau aus: Eine echte Verstärkung auf dem propagierten Weg nach Europa stellen die Neuzugänge bisher noch nicht dar. Trotzdem bremste Preetz im rbb-Interview die Erwartungen an Nachbesserungen. "Wir konzentrieren uns total darauf, mit den Jungs zu arbeiten, die bei uns unter Vertrag stehen." Weil die Weichen im Sommer gestellt würden, sei die Winterperiode traditionell komplizierter, so Preetz.

Nun aber lassen die Ergebnisse keinen anderen Schluss zu, als dass die Weichen in die falsche Richtung gestellt wurden. Über Herthas Raumaufteilung lache sich jede gegnerische Mannschaft kaputt, schimpfte Labbadia. Nur die sieglosen Schalker haben weniger Torchancen als die Berliner. Wegen fehlender Abläufe ist die Offensive auch sieben Monate nach Labbadias Amtsantritt zu abhängig von Matheus Cunha.

... und einen Sechser

Das ist besonders unvorteilhaft, weil der Brasilianer zu selten auf seiner Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld spielen kann. In Labbadias 4-3-3 musste er immer wieder auf dem linken Flügel aushelfen. Nicht zuletzt deshalb spekulieren viele über einen weiteren durchsetzungsstarken Flügelspieler. Labbadia soll sich schon im Sommer auf dieser Position Verstärkung gewünscht haben und Preetz täte wohl gut daran seinem Trainer diesen Wunsch zu erfüllen.

Ein ähnliches Problem herrscht im defensiven Mittelfeld. Mangels anderer Optionen muss Innenverteidiger Niklas Stark als Sechser aushelfen. Gegen den Ball funktioniert das gut, allerdings zeigt der Nationalspieler immer wieder eklatante Schwächen im Aufbauspiel. Weil Vladimir Darida, Matteo Guendouzi und 25-Millionen-Mann Lucas Tousart nicht genug defensive Stabilität bieten, ist Stark dennoch alternativlos für das verunsicherte Team. Der Mannschaft fehlt die Balance. Hertha braucht einen Spieler, der gleichzeitig das Spiel eröffnen und die Offensive absichern kann. Dieser könnte auch dabei helfen, den fremdelnden Stürmer Krysztof Piatek endlich in bessere Abschlusspositionen zu bringen. Er wird derzeit mit Interessenten aus Italien in Verbindung gebracht. Dort erzielte der Pole einst 19 Tore in einer Halbserie. Ein Verkauf im Winter würde für Hertha nur Sinn ergeben, wenn ein passender Nachfolger in Sicht wäre.

Union sieht Nachholbedarf in der Zentrale

Während Hertha Neuzugänge braucht, um ins Laufen zu kommen, benötigt der Rivale aus dem Berliner Südosten sie eher, um den positiven Lauf fortzusetzen. Nach zahlreichen Verletzungen und Robert Andrichs Rotsperre gingen Trainer Urs Fischer vor Weihnachten langsam aber sicher die Spieler aus. Gegen Stuttgart und Dortmund musste sogar Offensivkraft Cedric Teuchert im Mittelfeld aushelfen. Gleichzeitig ist Taiwo Awoniyi wegen der Verletzungen von Anthony Ujah und Joel Pohjanpalo der einzige Neuner. Auch die Innenverteidiger Florian Hübner und Nico Schlotterbeck plagten gesundheitliche Probleme. Zurecht bemerkt Ruhnert: "In den zentralen Bereichen sind wir besonders betroffen."

Während Herthas Friedrich darüber klagt, der neue Reichtum würde die Verpflichtung weiterer Spieler erschweren, plagen Unions Manager andere Probleme. Die fehlenden Zuschauereinnahmen und das Pokalaus beschränken das ohnehin kleine Budget weiter. Im Grunde habe man aus finanziellen Gründen keine Möglichkeiten, fasst Ruhnert zusammen. Aufgrund der zahlreichen Ausfälle will er Wintertransfers trotzdem nicht ausschließen.

Dabei muss der 49-jährige Sauerländer priorisieren: Nachdem Schlotterbeck und Hübner wieder trainieren können, sind Verstärkungen in der Innenverteidigung unrealistisch. Dringender scheint da ein Sparringspartner für Awoniyi, denn es ist unklar, wann Ujah und Pohjanpalo wieder helfen können. Zumal keiner erwarten könne, dass Awoniyi seine starke Form die ganze Saison über hält, so Ruhnert. Weil nach eigener Aussage keine der Optionen aus dem Sommer finanzierbar sei, ist die Kreativität des Sportdirektors gefragt, mit der er seit seinem Amtsantritt an der Wuhlheide immer wieder passende Spieler auftreiben konnte. Anfang der Woche berichtete das Portal transfermarkt.de [transfermarkt.de] von angeblichem Interesse an dem serbischen Angreifer Lazar Tufegdzic.

Situation im Mittelfeld hat sich etwas entspannt

Wie wahrscheinlich das ist, hängt maßgeblich davon ab, ob sich bis Ende Januar die Rückkehr Ujahs abzeichnet. Weil Christian Gentner seine Wadenprobleme auskurierte und Marcus Ingvartsen ebenfalls wieder fit ist, hat sich die Situation im Mittelfeld über Weihnachten etwas entspannt. Auch hier ist ein Neuzugang nicht ausgeschlossen. Mit Carlos Mane, Yunus Malli und zuletzt Loris Karius zauberten die Unioner in den vergangenen Wechselfenstern immer wieder überraschende Leihen aus dem Hut. Union kommt dabei entgegen, dass das Kollektiv bereits so gut funktioniert, dass die schnelle Integration kein Problem darstellt. Zwar waren die genannten Spieler allesamt keine direkten Verstärkungen auf dem Platz, doch sorgten sie jeweils für mehr Kaderbreite und neuen Konkurrenzkampf im Training.

Mit einem weiteren Leihgeschäft hat Ruhnert bereits auf einer weiteren Position für Klarheit gesorgt. Der Vertrag des jungen Ersatzkeepers Lennart Moser wurde verlängert und er verbringt die restliche Saison bei Austria Klagenfurt, um Spielpraxis zu sammeln. Ein vorzeitiger Abgang von Loris Karius sei indes kein Thema. Gut für Ruhnert, so bleibt mehr Zeit für die schwere Suche nach bezahlbaren Alternativen.

Sendung: rbbUM6, 02.01.21, 18:00 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

11 Kommentare

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  1. 11.

    Hertha sollte den Vorstand wechseln, dann spart sich die Transfers.

  2. 10.

    Na die 2 Stunden können wir auch noch warten, oder ?
    Niederlage heute ( Union Sieg ) dann wird der Wald rauschen und bestimmt hat die Zeitung mit den vier Buchstaben schon eine Schlagzeile in der Schublade,
    Ich hoffe heute laufen 11 Männer auf den Platz !!!

  3. 9.

    Sorry aber das ist Ihr Job, so wie andere Arbeiten gehen auch Fußballer zur Arbeit.

  4. 8.

    Viele bangen um ihre Existenz, aber die dürfen Ball spielen

  5. 7.

    Sollte Hertha verlieren, dann brennt nicht nur bei der Mannschaft, dem Trainer sowie im Vorstand die Luft. Da ich aber Optimist bin denke ich an einen Sieg. Meine Meinung.

  6. 6.

    Kommt bei Hertha den endlich mal ein neuer Manager!!! Der müsste endlich mal weg. Damit wieder Ruhe in den Verein kommt.

  7. 5.

    Hertha braucht vor allem einen kompetenten Manager. Und dazu braucht man kein Transferfenster, sondern endlich die Entscheidung Michael Preetz auszutauschen.

  8. 4.

    Alle wohl schon geimpft... Oder wieso duerfen die gegen den Ball treten und Rudel bilden.. Braucht kein Mensch..

  9. 3.

    Gebt M. Preetz und B. Labbadia bloß kein Geld in die Hand dann ist es eh verbrannt. Wie viele Möglichkeiten will man diesem Sportvorstand noch einräumen? Die Vergangenheit hat gezeigt das er es nicht kann. Alleine P. Dardai hat ihm über 4 Jahre den Hintern gerettet. Ansonsten 12 Trainer in 7 Jahren einfach erschreckend. Ganz zu Schweigen welch negativ Image er in dieser Zeit gegen Hertha erzeugt hat.

  10. 2.

    Alles steht still nur der Profi(t)-Fußball nicht. Nicht systemrelevant. Brot und Spiele - systemrelevant.

  11. 1.

    Die wichtigste Position bei Hertha wurde wiederum nicht beleuchtet. "Der Fisch stinkt vom Kopf "
    Jeder weiß was gemeint ist,Herr Preetz ist das größte Übel dieses Vereins. Solange er Manager ist, wird sich nichts bessern. Ich habe fertig.

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