Herthas Spieler nach einem Tor gegen Schalke 04. Quelle: imago images/Nordphoto
Audio: Inforadio | 03.01.21 | 11:15 Uhr | Lars Becker | Bild: imago images/Nordphoto

Heimsieg gegen Schalke - Hertha atmet auf

Die Rückkehr zweier Spieler hilft Hertha BSC mit einem Heimsieg ins neue Jahr zu starten. Das 3:0 gegen Schalke sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch ein langer Weg vor der Mannschaft liegt. Das gesammelte Selbstvertrauen kann dabei helfen. Von Till Oppermann

Seit Mai erinnert die Geräuschkulisse in den größten Fußballballstadien des Landes an verschlafene Kreisligaplätze. Die lauten Rufe der Spieler, das dumpfe Geräusch, wenn sie gegen den Ball treten, selbst die laute Musik aus den Boxen, die sich ohne Zuschauer in der Leere verliert: All das bot vor der Pandemie eher den Rahmen für Hobbykicks.

In der 41. Minute des Bundesligaspiels gegen Schalke trieb es Trainer Bruno Labbadia auf die Spitze. "Schiri, du pfeifst auf Zuruf", brüllte er Sven Jablonski entgegen, als der Referee erst nach Protesten der Knappen gegen seine Mannschaft entschied. Dieser Spruch kommt wohl jedem Amateurfußballer bekannt vor.

Nur gut für Labbadia, dass man das von der Leistung seiner Profis nicht behaupten kann. Durch das 3:0 behalten die Hauptstädter den Anschluss an die obere Tabellenhälfte der Bundesliga.

Omar Alderete und Jhon Cordoba helfen Hertha weiter

"Dieses Spiel gibt uns dieses Ur-Vertrauen, das wir uns erarbeiten müssen", sagte Labbadia nach dem Spiel. Tatsächlich gibt es neben dem Ergebnis mehrere positive Erkenntnisse für die Arbeit in den kommenden Wochen. So hat die Mannschaft nach vier Gegentoren in Freiburg wieder zu Null gespielt. Nach der Gegentorflut der ersten zehn Saisonspiele scheint sich die Defensive stabilisiert zu haben. Denn schon vor dem Gastspiel im Breisgau kassierte Hertha nur zwei Gegentreffer in vier Partien - obwohl die Mannschaft mit Leverkusen und Union auf zwei der torgefährlichsten Teams der Liga traf.

Gegen Schalke war der überzeugende Omar Alderete einer der Garanten dafür. Weil Jordan Torunarigha nach Angaben von Labbadia nach seinen Fehlern in Freiburg verunsichert war und sich das in seiner Trainingsleistung zeigte, stand der Paraguayer Alderete in der Startelf. Immer wieder rückte er im richtigen Moment aus der Viererkette, um Zweikämpfe zu führen. Der Sommerneuzugang ist ein spielintelligenter Innenverteidiger. Gleich drei Mal gelang es ihm, Pässe der Schalker abzufangen - häufiger als jedem anderen Spieler auf dem Feld.

Lange Bälle auf Cordoba als Lösung

Doch nicht nur gegen den Ball überzeugte Alderete. Auch seine 77 Ballkontakte waren der Höchstwert aller Akteure. Obwohl er seit November nicht mehr gespielt hatte, übernahm der 24-Jährige eine wichtige Rolle im Spielaufbau. Elf Mal schlug er einen langen Ball auf den fleißigen Stürmer Jhon Cordoba, der nach seiner Verletzungspause ebenfalls in die Startelf zurückkehrte. Nachdem sich das flache Aufbauspiel der Berliner auch gegen die seit bald einem Jahr sieglosen Schalker eher holprig gestaltete, könnte diese Kombination in den kommenden Wochen sehr hilfreich sein. Generell ist Cordobas Rückkehr eine gute Nachricht für die Alte Dame. Anders als Krysztof Piatek ist der robuste Kolumbianer in der Spitze immer abspielbar, kann Bälle abschirmen und entlastet so seine Kollegen.

"Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind"

Denn Herthas Gebilde bleibt fragil. Auch am Samstag waren die Schalker anfangs überlegen. Torhüter Alexander Schwolow kommentiert: "Wir hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind." Denn Schalke hatte Chancen. Gleichzeitig reichten den Gästen zwei enge Viererketten und kompaktes Verschieben, um Hertha vom Tor fernzuhalten. "Es ist schwer, wenn der Gegner die Räume eng macht", entschuldigte sich Mittelfeldmann Vladimir Darida. Auch als die Berliner den Druck etwas erhöhten, führte das nicht zu sehenswerten Angriffen. Man habe ein wenig gebraucht, um in das Spiel zu kommen, erklärt Schowlow. Es war wie so oft in dieser Saison.

Herthas schwaches Aufbau- und Positionsspiel produzierte wenige Kombinationen und viele Ballverluste. Das Tor zum 1:0 war schließlich einer schlechten Staffelung der Schalker und der individuellen Klasse des Torschützen Matteo Guendouzi geschuldet. "Kleinigkeiten", die ein Spiel zu kippen brächten, so Schwolow.

Hertha mangelt es an Selbstvertrauen

Doch für Hertha ist die individuelle Klasse im Kader alles andere als eine Kleinigkeit. Sie sorgt für Punkte. Denn im Kollektiv hapert es weiter am Zusammenspiel. Und das liegt nicht am Matchplan. Im eigenen Ballbesitz waren zwei klare Muster zu erkennen: Neben den langen Chip-Pässen von Alderete auf Cordoba sollten sich die Herthaner über die Außenbahnen ins letzte Drittel der Schalker kombinieren. Dafür rückten die Außenverteidiger in die gegnerische Hälfte und die Innenverteidiger bis an die Seitenlinie. In der Zentrale ließ sich Sechser Lucas Tousart zwischen Alderete und Niklas Stark fallen. Dem Trio gelang es sehr sicher, das Spiel an der Seitenlinie entlang zu eröffnen. Allerdings wurde der Ball hier durch ungenaue Pässe und ein schwaches Stellungsspiel zu häufig verloren.

Oft entsteht der Eindruck, die Konzentration der Mannschaft würde unter mangelndem Selbstvertrauen leiden. Es wird noch viel Arbeit nötig sein, dass aus Hertha ein dominantes Team wird. Labbadia trat deshalb nach dem Spiel auf die Bremse: "Wir können so ein Spiel einordnen. Wir wissen, dass nicht alles sofort gut ist." Teil dieser Einordnung ist der Gegner. Schalkes Mark Uth klagte, seine Mannschaft sei im zweiten Durchgang nicht wettbewerbsfähig gewesen. Dazu passt Daridas Fazit: "Irgendwann werden die Räume größer, dann können wir besser spielen." Wie man diese Räume optimal nutzt, machte der Routinier selbst vor. Erst legte Darida nach einem starken Sprint das 2:0 für Cordoba auf und später ermöglichte sein sehenswerter Chip-Pass Piateks Tor zum Endstand. Diese Form wäre hilfreich, um sich seinen persönlichen Wunsch für den Start ins neue Jahr zu erfüllen: "Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen daran anknüpfen können."

Sendung: rbbUM6, 03.01.21, 18:00 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

5 Kommentare

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  1. 5.

    Preetz hat überhaupt nicht von der Champions League gesprochen. Irgendwie scheinst du Stimmen zu hören, die nicht vorhanden sind.

  2. 4.

    Preetz steht da eher etwas auf der Bremse, was ich vernünftig finde. Die Aussagen bzgl. "Europa" kamen von Windhorst und auch Klinsmann. Und auch das viel zitierte "Big City Club" kommt aus dieser Ecke.

  3. 3.

    Warum könnt ihr euch nicht mal über einen Sieg
    von Hertha BSC freuen, ohne gleich durchzudrehen. Lasst die Mannschaft durch-
    schnaufen und Selbstbewusstsein tanken. Sie
    hat es sich verdient. Mit dem nächsten Spiel
    geht es dann weiter. HaHoHe!!!

  4. 2.

    Wann genau hat Preetz von der Championsleague gesprochen? Eben. Komplett sinnloser Kommentar.

  5. 1.

    CL schon wieder in Sichtweite Herr Preetz?

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